Kann das alles wahr sein? III

Es ist zum Mäuse melken: Da hatten wir im März noch eine Nachlese zum Amoklauf von Winnenden veröffentlicht. Und leider gibt es einigen Nachmeldungsbedarf. Nicht nur, dass von der eiligen Diskussion um Gesetzesänderungen wie erwartet nur faule Kompromisse und Peinlichkeiten übrig geblieben sind, jetzt gibt es auch noch einen Bericht zu Schießständen in Schulen. Kein Scherz. Allein 160 sollen es in Nordrhein-Westfalen sein, meldet SPON. Und wer das Bild vom Eisberg kennt, der weiß, was uns bevorsteht.

Das ist doch mal wirklich praktisch und ein echter Kontrast zu den albernen Debatten um Zugangskontrollen, Metalldetektoren und Warneinrichtungen in Schulen. Lassen wir das doch alles und machen wirs den Amokläufern leicht. Waffen und Munition direkt in Schulen zu lagern, verkürzt die Wege und vereinfacht die Logistik. Großes Tennis.

Was kommt als Nächstes? Atomare Endlager im Schul-Heizungskeller? In der Krise wird man doch kreativ sein dürfen. Und Flächen gibt es sicher genug…

Es muss sein: Winnenden-Nachlese

Etwas spät, ich weiß. Das hat mit der vornehmen Zurückhaltung zu tun, die feine Herren machnmal üben und die den Massenmedien in Winnenden mal wieder gefehlt hat.

Also: ich finde es peinlich, mit welcher Berechenbarkeit die immer gleichen Reformen, Forderungen und Bedenken nach der Tragödie vorgebracht wurden. Computerspiele verbieten, Schützenvereine sowieso, Waffenrecht verschärfen, Schulen mit Metalldetektoren ausstatten, Unterstützungsnetzwerke für Schüler bieten. Soso. Als hörten wir das zum ersten Mal. Frustrierend, dass man nach jedem ähnlichen Ereignis auf diese Äußerungen wetten kann. Frustrierend, dass so viele „Experten“ die mediale Aufmerksamkeit solcher Ereignisse nutzen. Frustrierend, wie sich die Medien verhalten und das Leid Anderer ausschlachten, um Quote zu machen. Frustrierend, dass wir schnell zur Tagesordnung übergehen. Und frustrierend, dass sich nichts ändern wird. Bis zum nächsten Amoklauf.

War Winnenden eine Tragödie? Selbstverständlich. Wir sollten trauern, mit dem Leid der Opfer, Helfer, Überlebenden und Angehörigen fühlen und ihnen Respekt erweisen. Wir sollten aus dem Muster des Ereignisses lernen. Aber wir sollten nicht die falschen Schlüsse ziehen. Und wir sollten berechtigte Themen und Forderungen nicht immer an akuten Ereignissen fest machen, sondern „in Friedenszeiten“ und nachhaltig angehen. Das versachlicht die Diskussion und erhöht die Chancen auf Erfolg. Hudelei bringt Flickwerk und lindert kein Leid.