20 Jahre geeintes Deutschland: zynische Erinnerung

Fluter heißt das Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB). Klingt spießig, ist aber mitunter ein journalistisches Kleinod, seit das Heft von einem Teil der ehemaligen Jetzt-Redaktion gestaltet wurde. Inzwischen hat der Verlag nach meiner Kenntnis gewechselt, aber aus alter Verbundenheit habe ich mein Abo behalten.

Im aktuellen Heft geht es um die DDR vor und nach der Wende. Anlass sind 20 Jahre geeintes Deutschland, die Themen drehen sich um historische Fakten, wirtschaftliche Zusammenhänge, die Privatisierung der Volkseigenen Betriebe, das Ministerium für Staatssicherheit, den Aufbau Ost und kleine Wirtschaftswunder nach der Wende. Aber auch um Themen wie Integration oder die ungesühnten Morde an der deutsch-deutschen Grenze.

Alle diese Themen kennt man in der Regel, aber sie verblassen doch im Alltag. Deshalb habe ich mich gefreut, dass mir Fluter Gelegenheit zum Reflektieren gab. Und ich habe etwas Neues gelernt: über die Genex, die Geschenkdienst- und Kleinexporte GmbH der DDR. Das war im Prinzip ein Katalog, in dem Westkunden für Bekannte und Verwandte im Osten für D-Mark Waren bestellen und direkt in den Osten liefern lassen konnten. Ziel des Unternehmens war die Devisenbeschaffung für den Arbeiter- und Bauernstaat – am Ende 3,3 Milliarden DM. Ich finde es nicht nur zynisch, dass damit die einen Vorteil hatten, deren Westverwandtschaft ihnen etwas aus dem Katalog bestellte. Ich finde es besonders zynisch, dass es dort auch Ostwaren wie den guten Wartburg zu kaufen gab – zu DM-Preisen und ohne die übliche Wartezeit. Verrat am Sozialismus und am eigenen Volk, könnte man sagen. Aber das gabs ja öfter im gescheiterten Projekt DDR…