Teures Klassenzimmer auf hoher See

Passend zur anderen Schule haben die feinen Herren ein feines Projekt aufgespürt: das Projekt „Klassenzimmer unter Segeln“ der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Das Ziel: 30 Gymnasiasten der 10. Jargangsstufe verbringen sechs Monate ohne Schulverlust auf einem traditionellen Segelschiff. Dabei lernen sie neben den eigentlichen gymnasialen Unterrichtsfächern den 24-Stunden-Schiffsbetrieb und viele fremde Länder und Kulturen kennen. Durch die besonderen sozialen Umstände (gemeinsam die Herausforderung der Atlantiküberquerung auf engstem Raum meistern) entstehen besondere gruppendynamische Prozesse. Ein neuer Aspekt soll auch die Verbindung von Schiff und Heimat mit Hilfe digitaler Medien sein.

Geleitet wird das Projekt von Wissenschaftlern und einem erfahrenen Nautiker. Ein Team von Pädagogen kümmert sich mit Wissenschaftlern und einer professionellen Crew um die Schülerinnen und Schüler.

Was ist daran falsch? Erstmal gar nichts, auch wenn die Projektwebseite schon eher nach Urlaub als nach Unterricht aussieht. Der Werbefilm enthält auch einige Argumente, die sicher für die Entwicklung junger Menschen nicht schlecht sind.  Die Idee ist auch nicht neu. Was mich allerdings stört, ist, wem das Projekt zugute kommt. Mit „Projektkosten“ von 2390 Euro im Monat ist der Spaß nämlich nicht ganz billig. Das führt dazu, dass die 30 Teilnehmer jährlich sicher eher privilegierten Elternhäusern entstammen, was nicht unbedingt zu mehr Bildungsgerechtigkeit beiträgt. Die Kosten sind natürlich irgendwo gerechtfertigt, schließlich muss das Schiff gechartert und das umfangreiche Begleitpersonal bezahlt werden. Satt werden wollen auch alle und nach Möglichkeit sollte der Kahn auch nicht absaufen, was Investitionen in die Sicherheit aller Beteiligten erfordert.

Zwar sucht das Team aktuell nach Sponsoren, aber ich frage mich, was das bringen soll. Kostet der Törn dann nur noch 2000 Euro monatlich? Dann ändert sich der potenzielle Teilnehmerkreis nicht. Besonders brisant: ist es wirklich gerechtfertigt, für ein solches Leuchtturmprojekt öffentliche Mittel einer Universität einzusetzen?

Welche konkreten Erkenntnisse bringt das Projekt für die Forschung? Wie verbessert es die Bildungslandschaft in Deutschland für die daheim Gebliebenen? Mir scheint, hier ist eher Skepsis geboten. Natürlich gibt es auch auf kritische Fragen professionelle Antworten. Leider überzeugen sie mich nicht.