Jäger und Sammler

Messen taugen neben anderen Dingen immer auch hervorragend als Sozialstudie für spezielle Szenen oder Milieus. Diesmal durfte ich eine besondere Spezies begleiten, die Jäger und Sammler. Diese Spezies kommt mit leerem Trolly auf die Messe, um ihn dann mit allerlei Broschüren, Probedrucken, Werbegeschenken und anderem Nippes vollzustopfen. Gerne auch, bis mal einer platzt. Mitten im Weg, versteht sich. Die wenigsten Besucher kennen ein echtes Schamgefühl. Da werden schon mal die Ellenbogen eingesetzt, um eine von „nur“ 500 Tassen zu ergattern. Muss hart sein für die Aussteller, aber schließlich machen sie zum Teil erheblichen Umsatz mit dieser Spezies. Und es muss hart sein, wenn man trotz auskömmlichen Salärs seinen Hausstand mit Werbegeschenken komplettieren muss.

Nun habe ich selbst reflektiert, wann ich das letzte mal vor allem auf einer Messe war, um Nippes abzugreifen. Es war die bits and fun, gefühlt im Jahr 1996. Der Nippes waren 2400er Modems. Auf dieser Messe habe ich mein erstes Prepaid-Handy erworben, zu einem Preis, über den ich heute nicht mehr sprechen möchte. Und ich habe jede Menge Tand mitgeschleppt, um ihn ein Jahr später auf sanften Druck meiner Eltern zu entsorgen.

Jedenfalls war ich jung und dumm. Und man könnte meinen, dass die Evolution die Menschen reifer macht, insbesondere, wenn es sich um eine Messe mit beruflichem Bezug handelt. Aber für diese besondere Spezies scheint dies nicht zu gelten. Ich spreche nämlich von Lehrern…