Lost and found

Ganz so viel wars bei mir nicht. Aber ich gebe zu, ich werde alt reif. Und da wird man ja noch vergesslich werden dürfen. Jedenfalls habe ich in der S-Bahn die Hemden vergessen, die ich gerade frisch von der Reinigung geholt hatte. Die lästige Aufgabe des Waschens und insbesondere Bügelns habe ich nämlich seit zwei Jahren outgesourced. Ein feiner Dienstleister. Warum lasse ich sie liegen? Es ist spät, ich bin müde, war zu lange im Büro. Na toll. Ich merke es gleich, als die Türen zugehen. Aber die sind ja nunmal schon zu.

Das mit dem Vergessen könnte natürlich nicht passieren, wenn ich die Hemden nur von der eigenen Waschmaschine ins Bügelzimmer (ist nur ein Scherz) tragen müßte. Aber hinterher ist man immer schlauer. Also die Hemden weg. Sieben Hemden à EK 40 Euro, macht knappe 300 Euro für den Ofen. Weil ich Realist bin, rechne ich nicht mit einem guten Ende. Und überlege schon, wie ich den Büroalltag mit den verbleibenden Hemden bestreiten soll.

Trotzdem ein Blick auf die Webseite der Bahn. Sieben Tage Zeit habe ich also, nach Wuppertal ist es schließlich etwas weit. Anrufen kommt wegen der attraktiven 0900-Hotline nicht in Frage. Also schleiche ich demütig drei Tage später am Hauptbahnhof vorbei, vorbereitet auf Nummer ziehen, unfreundliche Behandlung, lange Schlangen und natürlich ein negatives Ergebnis.

Aber siehe da: nur ein Kunde vor mir, dann die einfache Frage, was ich denn suche. Keine Nummer, kein Formular, kein Argwohn. Ich beschreibe die Fundsache, rechne mit einem komplizierten Verfahren und einer schriftlichen Benachrichtigung. Stattdessen geht sie in den Nebenraum, bringt gleich meine Hemden: „sans des?“ „Des sans!“ Ich fülle noch eine Karte aus und gehe zufrieden mit meinen sauberen Hemden nach Hause. Es gibt sie, die guten Seiten der Bahn!