Zeit ist relativ

Ich hatte gerade das Privileg, mich von den Strapazen in Arbeit und Freizeit zu erholen. Drei Wochen am Stück, das gabs zuletzt in meiner Schulzeit, schätze ich. Ich habs sehr genossen, unterwegs zu sein und Abstand zu den Wirren und Zwängen des Alltags zu haben.

Die Zeit haben wir an Nord- und Ostsee verbracht. Start war auf den Halligen Langeneß und Hooge, weiter über Helgoland an die Ostsee nach Fehmarn, Hiddensee und Usedom. Wenn wir Fehmarn und Usedom mal außen vor lassen, war es ein wirklich schöner und entspannter Urlaub. Keine Autos, kein Stress, kein Gefühl für die Zeit. Frühstück und Abendesse strukturieren den Tag. Sonst nur Sinneseindrücke.

Neben der großartigen Landschaft hat mich vor allem die Abhängigkeit von der Natur und die Ohnmacht des Menschen gegenüber den Naturgewalten beeindruckt. Besonders deutlich habe ich dieses Gefühl auf den Halligen gespürt. Die Menschen dort leben im Einklang mit der Natur und doch in ständiger Furcht vor ihr. Und wenn es „Land unter“ heißt und Vieh und Weidefläche bedroht sind, ziehen sich die Menschen auf ihre Warften zurück und retten, was zu retten ist. Das ist aber nicht etwa die Ausnahme, sondern die Regel in der Nordsee.

Diese Gefahr und die Abhängigkeit von Gezeiten und Fährverkehr bringen eine spezielle Lebenseinstellung mit sich. Ich bin sicher, dass sie auch das Wertesystem beeinflussen. Diese Ruhe und Gelassenheit haben mir Kraft gegeben, ich würde es sicher länger dort aushalten. Ich habe insbesondere nichts vermißt. Dieses unbeschreibliche Gefühl kondensiert meines Erachtens in einer Banalität: Auf den echten gelben Briefkästen steht bei Lehrung: Tideabhängig. Sonst nichts. Eine schöne Welt…