Zeitreise in die eigene Jugend

Vor vielen Jahren sind wir mit unserer Jugendgruppe regelmäßig auf so genannte Nachtorientierungsläufe gefahren. Das ist im Prinzip eine Schnitzeljagd im Dunkeln. Zusätzlich müssen die Gruppen auf dem Parcours unterschiedliche Stationen meistern. Meistens kommt ein Motto und/oder eine Rahmenhandlung für die Veranstaltung dazu. Alles wird ehrenamtlich organisiert, die Teilnehmer kommen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Als wir noch jung waren sind wir zum Teil mehrmals pro Jahr mit dem Spaßmobil durch die Republik gefahren, um uns mit anderen zu messen. Ab und zu ist sogar ein Pokal rausgesprungen. Unsere beste Platzierung war meines Erachtens ein zweiter Platz in Hamburg.

Ich möchte die Veranstaltungen nicht missen, schließlich haben sie mich damals ein bißchen zum Draußi gemacht und vor allem die Gruppe zusammengeschweißt. Da sind echte Freundschaften, Rituale und Legenden entstanden. Und Spaß hatten wir jede Menge!

Was also lag näher, als nach langer Zeit ein Revival mit Allstar-Besetzung zu planen? Auch, wenn wir inzwischen alle im bürgerlichen Leben angekommen, unsere Knochen alt und träge und wir zu spießig für eine Nacht im Klassenzimmer auf dem Feldbett sind, war es eine klasse Erfahrung.

Start am Freitag (ganz spießig Urlaub genommen) nach gemeinsamem Frühstück, dann 1000 Kilometer gen Norden (ganz spießig den Reifendruck kontrolliert und das Navi dem Mc Donalds-Straßenatlas vorgezogen), Ankunft 19 Uhr, Stube bezogen, Abendessen, Start um 21:30. Die Rahmenhandlung: ein Kriminalfall. Alles sehr detailgetreu und liebevoll umgesetzt, teilweise immens aufwändig gestaltete Stationen. Leider waren Wegbeschreibung und unser Spürsinn nicht immer ideal, weswegen wir uns mehrmals verlaufen. Auch deshalb waren wir insgesamt 11 Stunden auf der Strecke. Ist lange her, dass mir eine „Feierabendhalbe“ so gut geschmeckt hat. Dementsprechend ging der Samstag auch im Wesentlichen fürs Schlafen drauf.

Die Duschen waren trotz Sicherheitsschlappen grenzwertig, das Essen mäßig, die Schmerzen schrecklich und die Siegerehrung am Samstag verkrampft. Wir belegen Platz 14 von 23, immerhin. Leider würdigt keiner unser biblisches Alter und die weite Anreise. Am Sonntag dann den ganzen Tag Heimreise, viele Staus, Erschöpfung.

Trotzdem war es jede Minute wert! Wir haben nichts verlernt und brauchen uns vor den Youngsters nicht verstecken. Nur der Ehrgeiz hat etwas gelitten, was an der fehlenden Verkleidung und am Ergebnis der sportlichen Stationen deutlich wird. Danke an alle für diese wunderbare Reise in meine Jugend!