Ziviler Ungehorsam in Zeiten der Globalisierung

Ilse Aigner hat ein Machtwort gesprochen und Genmais in Deutschland verboten. Das erfreut laut Emnid die Mehrheit der Deutschen, vor allem unter Schülern gibt es eine breite Zustimmung zu dieser Maßnahme.  Es sei übrigens keine politische, sondern eine fachliche Entscheidung gewesen. Aber wie üblich ist das ganze nicht so einfach. Annette Schavan hat nämlich ihre Kollegin getadelt. Schließlich könne man nicht einerseits für Forschung und technologische Innovation sein und andererseits die Anwendung verbieten.

Wollen wir nun also Genmais oder nicht? Monsanto sagt uns, warum wir das wollen sollten: Höherer Ertrag, Resistenz gegen Schädlinge und auch gegen den potentesten Schädlingsvernichter aus dem Hause Bayer. Ein Segen also für die gebeutelte Landwirtschaft?

Der Verbraucher ist da ja etwas skeptischer, zumindest vordergründig. Denn ob es wirklich gesund ist, Mais von Feldern zu essen, der vorher mit feinstem Gift „geschützt“ wurde, muss dahinstehen. Und wer weiß schon, was die gentechnisch veränderten Lebensmittel in uns auslösen. Das Dumme ist, dass wir ja in Zeiten der Globalisierung leben. Und es keine wirkliche Kennzeichnungspflicht für Gentechnik in Lebensmitteln gibt. Wissen wir also genau, was wir essen? Und wenn wir keinen Genmais einsetzen, sind unsere Landwirte dann nicht benachteiligt gegenüber ihren Kollegen in Spanien, die ihre Erträge mit Hightechsamen steigern? Und können wir uns den Luxus leisten, in dieser Frage das gallische Dorf zu geben? Von sozialromantischen Themen wie dem Eingriff in die Schöpfung wollen wir jetzt mal nicht reden, das überlassen wir den C-Parteien.

Und dann gibt es da noch ein Problem: Wer sein Feld neben einem „Genfeld“ hat, kann sich fast nicht gegen die Verunreinigung seiner Pflanzen durch den Nachbarn schützen. Denn Bienen und der Wind verbreiten natürlich nicht nur „Gutes“. Das wirft auch die Frage auf, ob ein Feldnachbar, der kostenlos vom Genmais „profitiert“, die Urheberrechte des Herstellers verletzt. Monsanto soll andernorts eigene Kontrolleure einsetzen.

Schön, dass es auch in Krisenzeiten zivilen Ungehorsam gibt. Die Bantam-Initiative ruft ihre Unterstützer dazu auf, ihre Mais-Sorte anzubauen und sich in die „goldene Karte“ einzutragen. Sie zeigt die Anbauorte und soll „Schutzzonen“ definieren, um Genmais zu verhindern. Da es keinen Schutz mehr für private Anbauer gibt, soll dies ggf. einen gewerblichen Eindruck erwecken. In jedem Fall eine sympathische Art, die noch dazu sicher lecker schmeckt…

Mit Frau Aigners Machtwort hat die Initiative nach vier Jahren eines ihrer Ziele erreicht. Steter Tropfen höhlt eben doch den Stein.