Coffee „your way“

Heute Morgen hatte ich eine Begegnung der dritten Art. In einem intimen Raum, in dem man den kommerziellen Aggressoren ungeschützt ist, weil man schlaftrunken vor sich hin- und an nichts Böses denkt: in der S-Bahn.

Plötzlich schleicht sich also eine junge Dame an, baut sich vor mir auf und brüllt mir ein viel zu engagiertes „Guten Morgen“ entgegen. Ich bin kurz etwas irritiert und greife wie in Trance nach meinem Fahrschein, als mir klar wird, dass die Dame in ihrem weißen Overall, der wirkt wie ein Weltraumanzug für Arme, den gar nicht sehen will. Stattdessen bietet sie mir kostenlosen Kaffee an. „Gerne“. Na dann. Ihr Kollege, ebenfalls im Weltraumanzug, hat einen von diesen Getränkerucksäcken dabei, wie man sie ab und an im Fußballstadion sieht. Daraus füllt er mir Kaffee in einen Pappbecher ab. Wie praktisch, der Kaffeeweißer ist schon mit drin. Schlechter Service: die profane Frage nach Zucker wird negativ beschieden. Stattdessen gibts einen Frühstücksgutschein von der Burgerkette, die diesen Kaffeeservice anbieten.

Ich hasse Kaffee ohne Zucker. Aus Höflichkeit nippe ich trotzdem an dem Gesöff und ärgere mich über mich selbst, weil ich mich habe überrumpeln lassen und nicht nein sagen konnte. Selten einen so schlechten Kaffee getrunken. Ein paar Gedanken spuken durch meinen Kopf, die wohl von den Ereignissen in der Türkei inspiriert sind. Wer weiß, was die da wirklich ausschenken…

Zurück zum schlechten Kaffee. Ich kann mich nicht überwinden, ihn ganz zu trinken und kippe ihn stattdessen in den Mülleimer. Der angeregte Stuhlgang begleitet mich noch bis zum Nachmittag. Mal sehen, ob ich auf das Einlösen des Frühstückgutscheins nicht doch lieber verzichte. Und ich hoffe doch stark, dass die Intimzone S-Bahn künftig nicht regelmäßig von Promotern heimgesucht wird. Soviel Gutes erträgt niemand am frühen Morgen. „Have it your way“. Genau.

Erlebniskaffee

Ich habe mit gewisser Begeisterung ein feines Buch gelesen, das mich tief beeindruckt hat und das hervorragend zu den feinen Herren passt. Das werde ich hier an anderer Stelle noch ausführlicher beleuchten müssen.

Im Wesentlichen geht es um neue Perspektiven jenseits der Festanstellung und die Möglichkeiten, die digitale Medien dazu bieten. Genau mein Thema eigentlich. Fehlt nur noch der Mut, dann wird alles gut.

Worüber ich eigentlich sprechen wollte: ein Kapitel handelt von neuen Arbeitsorten und hier insbesondere den Coffeeshopketten, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Offenbar sind noch zu viele Menschen bereit, horrende Summen für seltsame Kaffevariationen zu bezahlen, um sie entweder hektisch mitzunehmen, oder sich eben – möglichst mit Laptop und iPhone – gemütlich niederzulassen und so etwas wie Arbeit zu verrichten. Von wegen Rezession.

Da gibt es ja so einige Prediger. Und nette Parodien wie bei den Simpsons, als sich Bart in dem Einkaufscenter beeilen muss, bevor jeder Laden ein Starbucks ist.

Ich habe also versucht, bei Starbucks so etwas wie Arbeit zu verrichten. Ich muss gestehen, ich bin etwas enttäuscht. Der Kaffee 3,80, es zieht wie Hechtsuppe, die Aussicht und die Musik sind lausig, Sprachkauderwelsch aus gefühlten 40 Nationen und das viel gelobte WLAN kostet schlappe acht Euro die Stunde. Schönen Dank.

Als mir dann noch eine Asiatin ihren Kaffee über Tisch, Laptop und Hose schüttet, ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt. Wenigstens gabs Völkerverständigung: ich nehme ihre Entschuldigung an, viele Servietten und einen Doughnut (schreibt man das so?), bei dem man nur schwer die Zähne wieder auseinanderbringt. Dazu ein Lächeln, und der Weltfrieden scheint nahe. Jedenfalls könnte man beinahe versucht sein, bürgerlich zu bleiben und einfach im Büro zu arbeiten.