Gehen oder bleiben?

Die typische Fragestellung jedes abhängig Beschäftigten, nehme ich an. Immer das gleiche Dilemma: Es gibt reizvolle Aspekte am Job, man ist etabliert, weiß, wie der Hase läuft, hat Freiheiten und Beziehungen, die das Berufsleben einfacher machen. Andererseits sind da die vielen täglichen Nadelstiche, die Unzulänglichkeiten, der Streß, die strukturellen Defizite und die Frustration.

Also heißt es umschauen, orientieren, „Marktwert testen“. Und dann heißt es abwägen und entscheiden.

Ich liebe meinen Beruf, aber ich bin wirklich müde. Es gibt Tage, an denen es wirklich schwerfällt, für unseren Laden gerade zu stehen. Vor allem dann, wenn 80% des Managements keine oder fragwürdige Visionen haben und kein erstrebenswertes Ziel vor Augen. Ich fühle mit Sysiphus, nur dass mein Stein ein großer Quader ist und er nicht nur wieder runterrollt, sondern die feinen „Kollegen“ auch noch draufsitzen, um ihn zu beschweren. Und dann sind da die aktiven Bremser, die bergab statt bergauf ziehen.

Wie komme ich da raus? Ich weiß es nicht, aber ich werde mich entscheiden müssen. Es lohnt sich nicht, sich für das System aufzuarbeiten. Die Frage ist, ob es anderswo zwingend besser ist? Aktuell habe ich mich gegen eine spannender neue Herausforderung entschieden, weil sie keine besseren Perspektiven geboten und zudem noch stressiger gewesen wäre als der bisherige Job. Ein Teil der Entscheidung hatte aber sicher auch mit Angst zu tun. Was mich am meisten frustriert, ist dass mich der aktuelle Job so einspannt, dass ich keine Ruhe habe, um an Perspektiven zu bauen. Und genau das werde ich ändern…