Zartes Spiel zwischen Politik und Pädagogik

Weil gerade Lehrermangel herrscht, wird die Politik kreativ. Unternehmen sollen also ihre Besten für zwei Stunden pro Woche an die Schulen schicken, um Unterricht zu halten – unbezahlt, versteht sich. Begründung: die Absolventen, die den Lehrerberuf ergreifen, seien nicht die Besten ihrer Jahrgänge. Als Indikator wird ausgerechnet der Abiturschnitt herangezogen.

Den Vorschlag finde ich zynisch. Nicht nur, dass es sehr seltsam anmutet, Menschen ohne pädagogische Qualifikation aus Unternehmen stundenweise  unbezahlt auf unsere Zukunft loszulassen. Als käme es nur auf die fachliche Kompetenz an und nicht auf die Kunst des Vermittelns und vor allem auf die menschliche Begleitung und die Identifikation mit den Menschen, denen man das Lernen beibringt und ein selbstbestimmtes Teilhaben an der Gesellschaft ermöglicht. Außerdem wirkt das sehr dankbar gegenüber denjenigen, die sich Tag ein, Tag aus im undankbaren Lehrerberuf einbringen, alle Widrigkeiten des Alltags ertragen und sich nicht nach 2 Stunden aus der Affäre ziehen können. Dann noch zu jammern, es würden nicht die Besten eines Jahrgangs Lehrer, erhöht sicher die Motivation.

Und dann der Witz mit den Schulnoten als Indikator. Viele Lehramtsbewerber seien bequem, inkompetent, überfordert sowie unmotiviert. Wer glaubt, diese Eigenschaften ließen sich mit einem Einserabitur ausschließen, muss die eigenen Erfahrungen mit dem Schulsystem schon erfolgreich verdrängt haben.

Lehrer in Baden-Württemberg
Lehrer in Baden-Württemberg: Die Länder buhlen um Absolventen

Insgesamt ist die Situation aber sehr spannend, führt sie doch zum Wettbewerb der Bundesländer um die Nachwuchs-Lehrer. Da zeigen sich auch viele Probleme des öffentlichen Dienstrechts, aber über die schreiben wir ein Andermal.

Jäger und Sammler

Messen taugen neben anderen Dingen immer auch hervorragend als Sozialstudie für spezielle Szenen oder Milieus. Diesmal durfte ich eine besondere Spezies begleiten, die Jäger und Sammler. Diese Spezies kommt mit leerem Trolly auf die Messe, um ihn dann mit allerlei Broschüren, Probedrucken, Werbegeschenken und anderem Nippes vollzustopfen. Gerne auch, bis mal einer platzt. Mitten im Weg, versteht sich. Die wenigsten Besucher kennen ein echtes Schamgefühl. Da werden schon mal die Ellenbogen eingesetzt, um eine von „nur“ 500 Tassen zu ergattern. Muss hart sein für die Aussteller, aber schließlich machen sie zum Teil erheblichen Umsatz mit dieser Spezies. Und es muss hart sein, wenn man trotz auskömmlichen Salärs seinen Hausstand mit Werbegeschenken komplettieren muss.

Nun habe ich selbst reflektiert, wann ich das letzte mal vor allem auf einer Messe war, um Nippes abzugreifen. Es war die bits and fun, gefühlt im Jahr 1996. Der Nippes waren 2400er Modems. Auf dieser Messe habe ich mein erstes Prepaid-Handy erworben, zu einem Preis, über den ich heute nicht mehr sprechen möchte. Und ich habe jede Menge Tand mitgeschleppt, um ihn ein Jahr später auf sanften Druck meiner Eltern zu entsorgen.

Jedenfalls war ich jung und dumm. Und man könnte meinen, dass die Evolution die Menschen reifer macht, insbesondere, wenn es sich um eine Messe mit beruflichem Bezug handelt. Aber für diese besondere Spezies scheint dies nicht zu gelten. Ich spreche nämlich von Lehrern…