Krisengewinn 2.0

Gerhard Spannbauer macht normalerweise in Garagen. Kauf, Verkauf, Bau, etc. Ein anständiges Gewerbe. Und weil das Garagengeschäft scheinbar ein aufwandarmes, aber recht lukratives Geschäft ist, hat er ein Buch geschrieben, „Wie man sein Einkommen mit weniger Aufwand verdoppelt“ und bietet seine Weisheiten auch als Vortrag an. Schön und gut so weit, ein Selfmademan mit einem gewissen Mitteilungsbedürfnis. Nicht weiter schlimm, denkt man sich.

Gestolpert bin ich über den guten Herrn Spannbauer jedoch auf www.krisenvorsorge.com. Einer weiteren Seite aus dem Spannbauer-Imperium. Auf der Startseite wird einem sofort klar gemacht um was es jetzt geht. Endzeit. Armageddon.

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Das macht Lust auf mehr.

Herr Spannbauer empfiehlt einen 3 Punkte Plan. Erstens Finanzen sichern. Das geht ganz einfach. Lebensversicherung, Sparbücher und schlechte Mieter kündigen, alles andere verkaufen. Sinn macht nur Bares und Gold, letzteres kann man gleich in seinem Webshop erwerben, er hat die Barren in ausreichender Menge vorrätig. Dafür bezahlt man dann auch gerne 276 Euro Aufschlag, die ganze Lagerhaltung verursacht sicher immense Kosten.

Punkt Zwei: Nahrung. Wenn erstmal die Versorgung durch Aldi zusammengebrochen ist, droht der Hungertod. Deshalb empfiehlt der Rüdiger Nehberg der Garagenindustrie eine ausreichende Vorratshaltung. Am besten Getreide, passende Mühlen und Backautomaten und das Getreide im praktischen 25kg-Gebinde gibt’s ebenfalls im Webshop.

Schließlich seine Tipps für den Bereich persönliche Sicherheit. Armbrüste sind das Mittel der Wahl, weil Schusswaffen dummerweise ja verboten sind. Aber auch sonst gibt es vom Pfefferspray bis zur Steinschleuder alles im Shop. Praktischerweise ist die Einkaufsempfehlung eines „befreundeten Polizisten“ gleich dabei:

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Obwohl es bei der Abnahmemenge schon Rabatte gibt, kommt man auf über 350 Euro, alleine für das Sicherheitszeug.

Und so geht es über zig Seiten, Checklisten und Krisenblog weiter. Jede Menge „Tipps“, denen man am besten gleich im Shop nachkommt, dazu noch ein paar alternative Ernährungstipps und Bücher über Verschwörungstheorien.

Ob der Umsatz stimmt? In jeder Kriste steckt auch eine Chance. Chapeau, Herr Spannbauer, vielleicht sollte ich mir ihr Buch kaufen.

Nachtrag:

Ich bin scheinbar nicht der erste, der über den Herrn Spannbauer gestolpert ist. Auch der hochverehrte Bayerische Rundfunk hat schonmal über den Mann berichtet. Ab 2:26:

Entgangen ist dem Sprachrohr der Bayerischen Landesregierung, dass der gute Mann, gemäß dieser Webseite, in Verbindung mit Scientology gebracht wird. Was auch wieder gut ins Bild passen würde. Ich sag nur Xenu.

Allein unter Haltern

Was man nicht alles so erlebt in einer Messewoche. Zum Beispiel einen Abend im Brauhaus. Eher verkrampfter Businessausklangabend, internationale Besetzung, alle im Tagesoutfit und eigentlich schon zu müde, aber was solls. Die Speisen sind deftig, das Bier hausgemacht. Also rein. Erste Komplikation des Abends: ein Fernsehteam filmt den Betrieb in der Kneipe. Dazu passend sind die Räume mit 12 Millionen Lux ausgeleuchtet, damit kein Pickel verborgen bleibt.

Die zweite Komplikation ist Jürgen. Er hat seine Freunde dabei: zwei Keyboards, einen Rechner und ein Mikrofon. Pünktlich um neun legt er los mit einem reichlich lauten Udo-Jürgens-Medley. Als er „siebzehn Jahr…“ anstimmt, tritt der GAU ein. Am Tisch neben uns feiert eine Schulklasse auf Klassenfahrt den – na klar – 17. Geburtstag von Sandra, die auch noch blond ist. Deshalb stehen spontan alle auf den Tischen und grölen mit. Jürgen ist von der Performance ebenso beeindruckt wie wir und gibt gleich in der ersten Session alles: über den Wolken, das Lasso, Country Roads, nichts läßt er aus. Das Fernsehen ist begeistert von telegenen jungen Damen auf den Bänken und läßt uns in Ruhe. Bei der Reeperbahn schunkle ich mit wildfremden Businesskontakten. Großes Tennis. Der eigentliche Sinn des Abends, der kollegiale Austausch, ist ob der Lautstärke abgehakt, wir widmen uns Bier und Wein. Jürgen beginnt seine küsntlerische Abwärtsspirale, die Pet Shop Boys müssen für ein selbst gedichtetes Lied der Schulklasse herhalten, das eine Hymne der Kneipe zu sein scheint. Die Bedienung nimmts gelassen und füllt ungefragt die Gläser nach. Ich verschwinde bald…