Germanys Größter Gaudi-Gigant (GGGG)

Am Donnerstag hatte ich das Vergnügen, Ottfried Fischer mit seinem aktuellen Programm im Münchner Schlachthof zu erleben. Vergnügen, weil ich ihn endlich von einer anderen als der bekannteren Fernsehseite gesehen habe. Und, weil er eine willkommene Abwechslung in einer speziellen Zeit ist.

Seine Wachheit, seine Sprachgewaltigkeit, sein Zynismus und seine Schärfe, die sich oft an der Grenze des politisch Korrekten bewegt, haben mich ebenso beeindruckt wie die Fundierung und der Tiefsinn, die hinter seinen Texten stecken. Schön auch, dass in den Raum nur 60 Menschen passten, wodurch eine gewisse Nähe simuliert wurde.

Trotz seiner Krankheit wirkt er sehr wach und konzentriert, nur die Sprache könnte manchmal klarer sein. Ich unterstelle mal, dass er seine Miete gerade so bezahlen kann. Demnach tourt er wohl aus Überzeugung. Und das ist schon ein Privileg: Das zu tun, wofür sein Herz schlägt.

Auch, wenn er das Programm wohl überall ähnlich darbietet, hats mir doch sehr viel Spaß gemacht. Das Leitthema ist die Heimat, wofür Fischer „nach 30 Jahren beruflicher Tätigkeit im heimatlichen Bereich“ als Experte gelten kann. „Da habe ich eine Kompetenzvermutung.“

Danke Ottfried Fischer. Sie treffen ins Schwarze, Sie stehen zu sich, beobachten gründlich und formulieren treffend. Wir haben sogar eins Ihrer Bücher erworben, ganz ohne die Buchhändlershow. Ich freu mich schon aufs Lesen!

Allein unter Haltern

Was man nicht alles so erlebt in einer Messewoche. Zum Beispiel einen Abend im Brauhaus. Eher verkrampfter Businessausklangabend, internationale Besetzung, alle im Tagesoutfit und eigentlich schon zu müde, aber was solls. Die Speisen sind deftig, das Bier hausgemacht. Also rein. Erste Komplikation des Abends: ein Fernsehteam filmt den Betrieb in der Kneipe. Dazu passend sind die Räume mit 12 Millionen Lux ausgeleuchtet, damit kein Pickel verborgen bleibt.

Die zweite Komplikation ist Jürgen. Er hat seine Freunde dabei: zwei Keyboards, einen Rechner und ein Mikrofon. Pünktlich um neun legt er los mit einem reichlich lauten Udo-Jürgens-Medley. Als er „siebzehn Jahr…“ anstimmt, tritt der GAU ein. Am Tisch neben uns feiert eine Schulklasse auf Klassenfahrt den – na klar – 17. Geburtstag von Sandra, die auch noch blond ist. Deshalb stehen spontan alle auf den Tischen und grölen mit. Jürgen ist von der Performance ebenso beeindruckt wie wir und gibt gleich in der ersten Session alles: über den Wolken, das Lasso, Country Roads, nichts läßt er aus. Das Fernsehen ist begeistert von telegenen jungen Damen auf den Bänken und läßt uns in Ruhe. Bei der Reeperbahn schunkle ich mit wildfremden Businesskontakten. Großes Tennis. Der eigentliche Sinn des Abends, der kollegiale Austausch, ist ob der Lautstärke abgehakt, wir widmen uns Bier und Wein. Jürgen beginnt seine küsntlerische Abwärtsspirale, die Pet Shop Boys müssen für ein selbst gedichtetes Lied der Schulklasse herhalten, das eine Hymne der Kneipe zu sein scheint. Die Bedienung nimmts gelassen und füllt ungefragt die Gläser nach. Ich verschwinde bald…