Hooray für South Park

Endlich. Die dreizehnte Staffel von Southpark läuft. Bösartiger und besser als Simpsons wird ein sehr kritischer Blick auf die amerikanische Gesellschaft  geworfen. Fand ich die ersten Staffeln einfach nur derb und selten wirklich lustig, so sind die Jungs mit der Zeit noch derber, aber auch gehaltvoller, aktueller, bösartiger und unterhaltsamer geworden. In der ersten Folge der neuen Staffel wird die Doppelmoral des Disney-Konzerns hübsch aufs Korn genommen, Stichwort Sexualisierung der Jugend. Der Konzernchef persönlich muss eingreifen um die schönen Profite zu schützen :)
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©2009 South Park Digital Studios LLC.

Ich bewundere die beiden Macher von Southpark, Trey Parker und Matt Stone, für ihre Kreativität, für ihren Zynismus und wohl auch für ihren Mut sich in Amerika so mit ziemlich jedem anzulegen der Rang, Namen und Einfluß hat. Mut hat sicherlich auch die Entscheidung gekostet, sämtliche Folgen von South Park Online zu stellen. Gleich nach der Ausstrahlung kann man sich legal, kostenlos, in HD und unsynchronisiert  für eine Woche die aktuellste Folge auf www.southparkstudios.com anschauen. Zwar verschwindet sie dann aus rechtlichen Gründen für einige Wochen wieder aus dem Netz, kommt daraufhin aber wieder.  Und bleibt. Kostenlos. Ich hoffe diese Einstellung setzt Zeichen wie moderne Verwertung im Netz aussehen kann.

Wer Lust bekommen hat und falls mal wieder ein verregnetes Wochenende vor der Türe steht, ein guter Einstieg sind die ‚Best Espisodes‘ auf der englischen Wikipedia.

Der Staat und die Gewalt

SPON berichtet über den Übergriff eines Polizeibeamten auf eine 15jährige, die nach der Fahrt mit dem als gestohlen gemeldeten Auto ihrer Eltern vorläufig festgenommen worden war.

Wenn man auf dem Video sieht, mit welcher Brutalität der Polizist auf das Mädchen losgeht, muss man sich schon fragen, ob er für diesen Beruf geeignet ist. Die Provokationshandlung (unwilliges Schleudern des Schuhs) wirkt nicht besonders aggressiv, die Bilder von seinem engagierten Eingreifen dagegen schon. Ich war nicht dabei, und der Polizeiberuf ist sicher nicht geschenkt immer einfach. Aber das Gewaltmonopol des Staates halte ich schon für so bedeutend, dass die Staatsmacht verantwortungsvoll damit umgehen sollte. Deshalb ist es wichtig, dass der Vorfall untersucht wird und folgerichtig, dass der Beamte suspendiert und angeklagt wurde. Besonders erschreckend finde ich die Gewalt, mit der er das Mädchen an den Haaren zu Boden wirft und dann noch auf die völlig Wehrlose einschlägt. Sein Azubi-Kollege macht als williger Helfer auch nicht die beste Figur, aber das ist wohl sozialer Druck in Reinform. Jedenfalls kann er froh sein, dass sie keinen Atemstillstand bekommen hat, sonst ginge es jetzt wohl um etwas mehr als ein Jahr Haft…

CDU 2.0

Jetzt ist es also so weit. Die großen Volksparteien in Deutschland entdecken das Internet und insbesondere social software, in Niederbayern auch „Mitmach-Web“ genannt, für ihre Wahlwerbezwecke. Den Startschuss bildete nach meiner Beobachtung – wenn auch zaghaft – die Hessen-Wahl. Mein persönliches Highlight: das ZDF gibt sich jugendlich mit „Wahl im Web“ und läßt Markus Kafka mit Netscouts und Kompetenzträgern aus der Wissenschaft die Reaktionen im Web von Parteien und Politikern auf die Geschehnisse analysieren. Da ist echte Innovation geboten: Twitter wird erklärt, eine Skype-Schalte in eine Videoblogger-Kommune lockert die recht improviserte Moderation auf und eine weitere Akteurin scannt einen Chat zur Sendung und gibt immer wieder Impulse. Insbesondere bei Herrn Kafka hatte ich allerdings den Eindruck, dass er nicht ganau wußte, wovon er sprach.

Was soll ich sagen? Mir wird deutlich, dass Deutschland sich beim e-campaigning etwas schwerer tut als dies das große Vorbild der e-Politiker vorgemacht hat. Insbesondere die echte Einbindung, Aktivierung und Organisation komplett privater und ehrenamtlicher Unterstützergruppen, die bei allen Chancen natürlich auch ein großes Risiko für Politiker und Parteien darstellt, gelingt noch zu wenig. Dabei könnte sie in der Tat für eine ganze Generation zu einer neuen Möglichkeit werden, sich in die Politik einzubringen. Gut, das die feinen Herren vorbereitet waren auf den Wahlmarathon 2009. Ein gutes Buch, ganz ehrlich.

Jetzt gehts mit dem Bundestagswahlkampf um die Wurst, und da ist jedes Mittel recht. Deshalb gabs ein Redesign der großen Parteiseiten und auch der community-Gedanke kommt nicht zu kurz. Ganz weit vorn: das teAM Deutschland. Ich muss zugeben, ich hab für den Wortwitz ein bißchen länger gebraucht, aber ich gelobe Besserung. Und wer den Werbespot Trailer



erlebt hat, muss eigentlich dabei sein. Ehrlich, ich hätte fast geweint. „Es geht um unser Land“. Dann wecken Sie mal den Präsidenten. „Du schreibst Geschichte“. Wow. Am besten gefällt mir der Beta-Zusatz auf der teAM-Webseite, das ist Anarchie mit Krawatte! Jedenfalls werden die feinen Herren den digitalen Wahlkampf aufmerksam begleiten, an Medien dazu fehlt es ja nicht. Und unabhängig von politischen Überzeugungen ist das mediale Phänomen in jedem Fall spannend genug, um dranzubleiben.

Zartes Spiel zwischen Politik und Pädagogik

Weil gerade Lehrermangel herrscht, wird die Politik kreativ. Unternehmen sollen also ihre Besten für zwei Stunden pro Woche an die Schulen schicken, um Unterricht zu halten – unbezahlt, versteht sich. Begründung: die Absolventen, die den Lehrerberuf ergreifen, seien nicht die Besten ihrer Jahrgänge. Als Indikator wird ausgerechnet der Abiturschnitt herangezogen.

Den Vorschlag finde ich zynisch. Nicht nur, dass es sehr seltsam anmutet, Menschen ohne pädagogische Qualifikation aus Unternehmen stundenweise  unbezahlt auf unsere Zukunft loszulassen. Als käme es nur auf die fachliche Kompetenz an und nicht auf die Kunst des Vermittelns und vor allem auf die menschliche Begleitung und die Identifikation mit den Menschen, denen man das Lernen beibringt und ein selbstbestimmtes Teilhaben an der Gesellschaft ermöglicht. Außerdem wirkt das sehr dankbar gegenüber denjenigen, die sich Tag ein, Tag aus im undankbaren Lehrerberuf einbringen, alle Widrigkeiten des Alltags ertragen und sich nicht nach 2 Stunden aus der Affäre ziehen können. Dann noch zu jammern, es würden nicht die Besten eines Jahrgangs Lehrer, erhöht sicher die Motivation.

Und dann der Witz mit den Schulnoten als Indikator. Viele Lehramtsbewerber seien bequem, inkompetent, überfordert sowie unmotiviert. Wer glaubt, diese Eigenschaften ließen sich mit einem Einserabitur ausschließen, muss die eigenen Erfahrungen mit dem Schulsystem schon erfolgreich verdrängt haben.

Lehrer in Baden-Württemberg
Lehrer in Baden-Württemberg: Die Länder buhlen um Absolventen

Insgesamt ist die Situation aber sehr spannend, führt sie doch zum Wettbewerb der Bundesländer um die Nachwuchs-Lehrer. Da zeigen sich auch viele Probleme des öffentlichen Dienstrechts, aber über die schreiben wir ein Andermal.

Krisengewinn 2.0

Gerhard Spannbauer macht normalerweise in Garagen. Kauf, Verkauf, Bau, etc. Ein anständiges Gewerbe. Und weil das Garagengeschäft scheinbar ein aufwandarmes, aber recht lukratives Geschäft ist, hat er ein Buch geschrieben, „Wie man sein Einkommen mit weniger Aufwand verdoppelt“ und bietet seine Weisheiten auch als Vortrag an. Schön und gut so weit, ein Selfmademan mit einem gewissen Mitteilungsbedürfnis. Nicht weiter schlimm, denkt man sich.

Gestolpert bin ich über den guten Herrn Spannbauer jedoch auf www.krisenvorsorge.com. Einer weiteren Seite aus dem Spannbauer-Imperium. Auf der Startseite wird einem sofort klar gemacht um was es jetzt geht. Endzeit. Armageddon.

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Das macht Lust auf mehr.

Herr Spannbauer empfiehlt einen 3 Punkte Plan. Erstens Finanzen sichern. Das geht ganz einfach. Lebensversicherung, Sparbücher und schlechte Mieter kündigen, alles andere verkaufen. Sinn macht nur Bares und Gold, letzteres kann man gleich in seinem Webshop erwerben, er hat die Barren in ausreichender Menge vorrätig. Dafür bezahlt man dann auch gerne 276 Euro Aufschlag, die ganze Lagerhaltung verursacht sicher immense Kosten.

Punkt Zwei: Nahrung. Wenn erstmal die Versorgung durch Aldi zusammengebrochen ist, droht der Hungertod. Deshalb empfiehlt der Rüdiger Nehberg der Garagenindustrie eine ausreichende Vorratshaltung. Am besten Getreide, passende Mühlen und Backautomaten und das Getreide im praktischen 25kg-Gebinde gibt’s ebenfalls im Webshop.

Schließlich seine Tipps für den Bereich persönliche Sicherheit. Armbrüste sind das Mittel der Wahl, weil Schusswaffen dummerweise ja verboten sind. Aber auch sonst gibt es vom Pfefferspray bis zur Steinschleuder alles im Shop. Praktischerweise ist die Einkaufsempfehlung eines „befreundeten Polizisten“ gleich dabei:

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Obwohl es bei der Abnahmemenge schon Rabatte gibt, kommt man auf über 350 Euro, alleine für das Sicherheitszeug.

Und so geht es über zig Seiten, Checklisten und Krisenblog weiter. Jede Menge „Tipps“, denen man am besten gleich im Shop nachkommt, dazu noch ein paar alternative Ernährungstipps und Bücher über Verschwörungstheorien.

Ob der Umsatz stimmt? In jeder Kriste steckt auch eine Chance. Chapeau, Herr Spannbauer, vielleicht sollte ich mir ihr Buch kaufen.

Nachtrag:

Ich bin scheinbar nicht der erste, der über den Herrn Spannbauer gestolpert ist. Auch der hochverehrte Bayerische Rundfunk hat schonmal über den Mann berichtet. Ab 2:26:

Entgangen ist dem Sprachrohr der Bayerischen Landesregierung, dass der gute Mann, gemäß dieser Webseite, in Verbindung mit Scientology gebracht wird. Was auch wieder gut ins Bild passen würde. Ich sag nur Xenu.

Dankbare Erinnerung

Kaum zu glauben, dass es schon elf Jahre her ist, dass Frau Schilling gestorben ist. Trotz Alltagshektik muss ich oft an sie denken. Sie war unsere Kunstlehrerin und gleichzeitig vieles mehr. Sie hat mich ermutigt und inspiriert, ohne dass ich genau beschreiben könnte, wie und wozu. Aber ich weiß, dass sie und ihre Überzeugung heute Teil meiner Persönlichkeit sind.

Unvergessen der Tag, an dem wir von ihrem Tod erfahren. Sie stirbt viel zu früh, es trifft immer die Falschen. Krebs ist nie gerecht. Wir stellen uns zu dritt in den Schulhof, reichen uns die Hände, schweigen. Die Guten kommen vorbei, fragen nicht, verstehen ohne Worte, reihen sich ein. Zum Schluss sind wir viele, emotional tief bewegt und doch erleichtert, weil wir nicht allein sind. Dann kommen Szenen, Momente, Stunden und Aktionen, die ich nie vergessen werde. Die spontane Idee, ihr eine Sonderausgabe der Schülerzeitung zu widmen. „Bis wann?“ „In drei Tagen ist Beerdigung.“ (Jens): „Ich hol schon mal den Wagen.“ In nur einer Nacht entsteht eine dicke Sonderausgabe, mit Interviews, Nachrufen, Zusammenfassungen ihrer wunderbaren Theaterstücke. Einfach schön. Die Zeitung habe ich immer noch zu Hause. Eine schöne Gelegenheit, mal wieder reinzuschauen und mich an eine wirklich gute Zeit zu erinnen. Und an die Menschen, mit denen ich diesen Lebensabschnitt erlebt habe.

Dann die Beerdigung, wir verteilen die Sonderausgabe, nicht unumstritten. Wir weinen um ein Familienmitglied. Wir treffen uns anschließend zum Kaffee und freuen uns an den Momenten, die wir mit ihr erleben durften. Anschließend wandeln wir wie in Trance durch die Schule und weinen, weil sie fehlt. Schon faszinierend, was ein Lehrer bewirken kann, wenn er einen guten Job macht.

Schließlich der Pakt: wir treffen uns jedes Jahr zum Jahrestag und zu einem Ritual. No one but you in voller Lautstärke, anschließend ihren Brunnen sauber machen, dann zum Grab und einen Stein drauflegen. Es kam, was kommen mußte. Wir wurden älter, zogen weg, hatten Jobs und schafften es natürlich nicht, den Pakt zu erfüllen. Und dennoch verbindet uns noch heute etwas, das über Freundschaft hinausgeht. Wir sehen uns kaum, treffen uns selten, und dennoch teilen wir diese besonderen Erinnerungen. Das hat Kraft und ist echt. Dafür bin ich dankbar.

Keiserens nye Klæder

Eigentlich wollte ich ja noch was vom ISO 9001 Auditor erzählen, aber ich geh jetzt ins Bett. Nur so viel, beim Bullshit-Bingo hätte man heute im Sekundentakt gewinnen können. Was es da nicht alles gibt. Six Sigma hätte ich für irgendeine High-End Kampfsport mit Wurzeln in der Griechisch-Japanischen Philosophie gehalten. Da gibts sogar ein Gurt-System. Aber irgendwo wird höheres Management wohl esoterisch und man benötigt für jede Unternehmenslage das passende Glaubenskonzept.

Hatten die Lehman Brüder eigentlich auch ein Qualitätsmanagement-System? Die HypoRealEstate hat angeblich eins. Und all die anderen Verbrecher vermutlich auch. Genutzt hat es trotzdem nix. Das zum Thema Fokussierung auf Kundeninteressen. Womit wir wieder beim Bullshit wären…Gute Nacht!

Kann das alles wahr sein?

Gerade beim law blog über diese drei Geschichten gestolpert.Ist das alles normal und war schon immer so? Bin ich derjenige der langsam aber sicher in die Paranoia abgleitet, weil ich mit dem alltäglichen Informationsüberangebot nicht mehr klar komme? Bekommt meine Krankenkasse bald den Behandlungsplan einer hübschen Klinik in Parklage?

Oder ist es tatsächlich die Ignoranz und Inkompetenz unserer Politiker und Sicherheitsbehörden? Fast hoffe ich ersteres!

Hallo Welt

Jetzt ist es also so weit. Nachdem wirklich jeder Trottel das Internet mit seiner Meinung bereichert, betreten nun auch wir diese Bühne. Und ich bin weniger skeptisch als Christian. Ich habe gelernt, dass jeder ein eigenes Blog als Selbsterfahrung oder, wie es niederbayerisch heißt, proof of concept (POC), schreiben muss, zumindest eine zeitlang.

Also bin ich weniger skeptisch als Christian und gehe es an. Jedenfalls so lange, bis eine Heuschrecke uns für zwei Milliarden Euro kauft. Interessenten hinterlassen bitte einfach einen Kommentar. Auf gehts!