Der Staat und die Gewalt

SPON berichtet über den Übergriff eines Polizeibeamten auf eine 15jährige, die nach der Fahrt mit dem als gestohlen gemeldeten Auto ihrer Eltern vorläufig festgenommen worden war.

Wenn man auf dem Video sieht, mit welcher Brutalität der Polizist auf das Mädchen losgeht, muss man sich schon fragen, ob er für diesen Beruf geeignet ist. Die Provokationshandlung (unwilliges Schleudern des Schuhs) wirkt nicht besonders aggressiv, die Bilder von seinem engagierten Eingreifen dagegen schon. Ich war nicht dabei, und der Polizeiberuf ist sicher nicht geschenkt immer einfach. Aber das Gewaltmonopol des Staates halte ich schon für so bedeutend, dass die Staatsmacht verantwortungsvoll damit umgehen sollte. Deshalb ist es wichtig, dass der Vorfall untersucht wird und folgerichtig, dass der Beamte suspendiert und angeklagt wurde. Besonders erschreckend finde ich die Gewalt, mit der er das Mädchen an den Haaren zu Boden wirft und dann noch auf die völlig Wehrlose einschlägt. Sein Azubi-Kollege macht als williger Helfer auch nicht die beste Figur, aber das ist wohl sozialer Druck in Reinform. Jedenfalls kann er froh sein, dass sie keinen Atemstillstand bekommen hat, sonst ginge es jetzt wohl um etwas mehr als ein Jahr Haft…

Krisengewinn 2.0

Gerhard Spannbauer macht normalerweise in Garagen. Kauf, Verkauf, Bau, etc. Ein anständiges Gewerbe. Und weil das Garagengeschäft scheinbar ein aufwandarmes, aber recht lukratives Geschäft ist, hat er ein Buch geschrieben, „Wie man sein Einkommen mit weniger Aufwand verdoppelt“ und bietet seine Weisheiten auch als Vortrag an. Schön und gut so weit, ein Selfmademan mit einem gewissen Mitteilungsbedürfnis. Nicht weiter schlimm, denkt man sich.

Gestolpert bin ich über den guten Herrn Spannbauer jedoch auf www.krisenvorsorge.com. Einer weiteren Seite aus dem Spannbauer-Imperium. Auf der Startseite wird einem sofort klar gemacht um was es jetzt geht. Endzeit. Armageddon.

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Das macht Lust auf mehr.

Herr Spannbauer empfiehlt einen 3 Punkte Plan. Erstens Finanzen sichern. Das geht ganz einfach. Lebensversicherung, Sparbücher und schlechte Mieter kündigen, alles andere verkaufen. Sinn macht nur Bares und Gold, letzteres kann man gleich in seinem Webshop erwerben, er hat die Barren in ausreichender Menge vorrätig. Dafür bezahlt man dann auch gerne 276 Euro Aufschlag, die ganze Lagerhaltung verursacht sicher immense Kosten.

Punkt Zwei: Nahrung. Wenn erstmal die Versorgung durch Aldi zusammengebrochen ist, droht der Hungertod. Deshalb empfiehlt der Rüdiger Nehberg der Garagenindustrie eine ausreichende Vorratshaltung. Am besten Getreide, passende Mühlen und Backautomaten und das Getreide im praktischen 25kg-Gebinde gibt’s ebenfalls im Webshop.

Schließlich seine Tipps für den Bereich persönliche Sicherheit. Armbrüste sind das Mittel der Wahl, weil Schusswaffen dummerweise ja verboten sind. Aber auch sonst gibt es vom Pfefferspray bis zur Steinschleuder alles im Shop. Praktischerweise ist die Einkaufsempfehlung eines „befreundeten Polizisten“ gleich dabei:

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Obwohl es bei der Abnahmemenge schon Rabatte gibt, kommt man auf über 350 Euro, alleine für das Sicherheitszeug.

Und so geht es über zig Seiten, Checklisten und Krisenblog weiter. Jede Menge „Tipps“, denen man am besten gleich im Shop nachkommt, dazu noch ein paar alternative Ernährungstipps und Bücher über Verschwörungstheorien.

Ob der Umsatz stimmt? In jeder Kriste steckt auch eine Chance. Chapeau, Herr Spannbauer, vielleicht sollte ich mir ihr Buch kaufen.

Nachtrag:

Ich bin scheinbar nicht der erste, der über den Herrn Spannbauer gestolpert ist. Auch der hochverehrte Bayerische Rundfunk hat schonmal über den Mann berichtet. Ab 2:26:

Entgangen ist dem Sprachrohr der Bayerischen Landesregierung, dass der gute Mann, gemäß dieser Webseite, in Verbindung mit Scientology gebracht wird. Was auch wieder gut ins Bild passen würde. Ich sag nur Xenu.

Reisfracht

Reis nach Russland zu importieren scheint ein gefährliches Geschäft zu sein. Kaum stimmt was mit der Qualität nicht, wird man versenkt. Die „New Star“ ist sicher kein astreines Schiff gewesen. Wenn man sich die Liste der Hafenstaatskontrollen der letzten Jahre so anschaut, sträuben sich einem alle Nackenhaare. Der Dampfer war gerade einmal vier Jahre alt und in einer Tour auffällig. Die Klassifikationsgesellschaft „New United Marine Services“ ist mir und Google unbekannt. Spricht alles nicht wirklich für ein Qualitätsschiff. Sprich, früher oder später wäre der Kahn eh untergegangen.

Trotzdem finde ich die Mitteilung der russischen Staatsanwaltschaft zynisch. Erst wird der Frachter mit 500 Schuss versenkt und dann sind die untauglichen Rettungsmittel daran schuld, dass acht Seeleute umgekommen sind.

Kann das alles wahr sein?

Gerade beim law blog über diese drei Geschichten gestolpert.Ist das alles normal und war schon immer so? Bin ich derjenige der langsam aber sicher in die Paranoia abgleitet, weil ich mit dem alltäglichen Informationsüberangebot nicht mehr klar komme? Bekommt meine Krankenkasse bald den Behandlungsplan einer hübschen Klinik in Parklage?

Oder ist es tatsächlich die Ignoranz und Inkompetenz unserer Politiker und Sicherheitsbehörden? Fast hoffe ich ersteres!