Steilvorlage II

Herr Wiefelspütz, der Politiker mit der neckischen Frisur von der SPD, hat jetzt endlich doch ausgesprochen, was alle schon dachten. Die gegen Kinderpornografie eingerichteten Sperren sollen mittel und längerfristig auf andere „kriminelle Seiten“ ausgeweitet werden.

Im Hintergrund singt leise ein chinesischer Kinderchor „Die Gedanken sind frei“

Sonntag Piraten wählen!

Steilvorlage

Herr Lobo, der Blogger mit der neckischen Frisur, ist zwar noch nicht überzeugt, trotzdem hoffe ich ganz stark, dass der Spitzeneinfall der Innenministerkonferenz nun endlich die Ego-Shooter zu verbieten, schon am Sonntag auch in Deutschland der Piratenpartei neuen Auftrieb gibt.

Das naheliegendste, den privaten Waffenbesitz zu verbieten (auch wenn ich der Meinung bin, dass das beim Thema Amok auch nix bringt, da dann eben mit anderen Mitteln gemordet wird), steht gar nicht zur Debatte. Die Waffen- und Schützenlobby ist zu stark. Bezeichnenderweise ist der Niedersächsische Innenminister Schünemann Mitglied des Schützenvereins Holzminden.  Zudem kann man diese furchtbaren Killerspiele  in der Seniorenrepublik Deutschland auch besser an den Wähler bringen. Alles Teufelszeug.

In Schweden ist die Partei drittstärkste Kraft, dem Pirate Bay Prozess sei Dank. Und in Deutschland fahren die Politiker ja gerade dicke Geschütze in Richtung Freiheit des Netzes.

Die Piratenpartei in Deutschland hat noch einen ziemlichen Nerd-Faktor, Verschwörungstheorien fallen auf fruchtbaren Boden und die Zahl 23 umgibt eine besondere Aura. Nichts desto trotz hat die Partei ein paar wichtige Ideen im Konzept, die zwar weit davon entfernt sind Realpoitik werden zu können, aber der Grundgedanke stimmt. In vielen anderen Bereichen gibt es hingegen noch deutliche Defizite. Aber wie schreibt Reizzentrum so schön:

„Etwaige Folgen meiner Entscheidung in Sachen Familien-, Aussen-, Wirtschafts-, Verteidigungs-, und anderer Politik sind mir scheissegal. Es MUSS etwas geschehen und zwar schnell“

Genau!

Du verträgst keine Satire, Deutschland

Forrest Gump Soundtrack, ein Haufen Prominente, „Du bist Deutschland“. Jeder kennt den Clip:

Ein begabter Student hat den Beitrag persifliert und einen hübschen Film, passend zu Zensursulas KiPo Wahlkampfthematik gemacht.

Du bist Terrorist from lexela on Vimeo.

Schöne Sache. Was passiert? Die hinter „Du bist Deutschland“ stehende Werbeagentur ‚KemperTrautmann‘ droht mit Abmahnung, sollten nicht die Bezüge zur eigenen Kampagne entfernt werden. Der Schuß könnte nach Hinten losgehen.

Kein Einzelfall, einige Tage zuvor wurde eine Sperrseitenpersiflage von Pantoffelpunk nach Aufforderung durch das Bundesverwaltungsamt gesperrt. Die Zeit berichtet ausführlich.

Und all das im Umfeld des 60ten Geburtstages unserer Verfassung. Schönes Geschenk. Es ist zum Heulen in diesem Land. Das sind doch immer nur die Spitzen der Eisberge die hier zum Vorschein kommen. Wieviele Dummheiten der Politiker und anderer Institutionen werden einfach hingenommen, gar nicht mehr registriert? Ach Scheiße.

von hier und hier

Nachtrag: Alexander Lehmann, der Kreative hinter dem Terroristen-Spot, schreibt in seinem Blog, er habe sich mit den Verantwortlichen der Werbefirma geeinigt. Es ging den Werbefuzzismenschen nur um die Kinder. Genau.

In der Kürze liegt die Würze?

Weil die feinen Herren eher kosnervativ sind, können sie manche Dinge wohl nicht verstehen. Und so kommt es wohl auch, dass wir es endlich geschafft haben, ein banales Blog zu starten, während die restliche Welt doch schon Mikro-Blogging betreibt.

Nun ist es ja eine Errungenschaft, dass wir im Internet heute weit entfernt sind von Zeiten, zu denen man mit Nullen und Einsen und der Konsole mit Maschinen sprechen mußte oder als Höchstes der Gefühle im IRC ohne großen Schnickschnack miteinander kommunzierte. Und wie nervig war es, als SMS noch tatsächlich auf 160 Zeichen begrenzt waren.

Aber siehe da: In Zeiten der digitalen Geschwätzigkeit erlegt sich die Blogosphäre eine Beschränkung von nur 140 Zeichen auf und zwitschert Belanglosigkeiten in die Welt – in Echtzeit, versteht sich. Weil die Werkzeuge nicht nur über den Browser, sondern auch aus IM-Diensten und sogar vom Handy per SMS gespeist werden können, könnte ich die Welt also an jedem Augenblick meines Lebens teilhaben lassen. Fragt sich nur, wer das lesen will.

Auch Politiker haben Mikro-Nlogging für sich entdeckt (oder von Strategen für sich entdecken lassen). Angela Merkel scheint nicht überzeugt von Twitter, läßt dann aber doch berichten. Web 1.9 oder so. Und natürlich gibts diverse Fakes.

Ob die Welt so besser wird? Ich jedenfalls freue mich, dass ich mich hier nicht auf 140 Zeichen beschränken muss. Es lebe die Meinungsfreiheit!

Kann das alles wahr sein? III

Es ist zum Mäuse melken: Da hatten wir im März noch eine Nachlese zum Amoklauf von Winnenden veröffentlicht. Und leider gibt es einigen Nachmeldungsbedarf. Nicht nur, dass von der eiligen Diskussion um Gesetzesänderungen wie erwartet nur faule Kompromisse und Peinlichkeiten übrig geblieben sind, jetzt gibt es auch noch einen Bericht zu Schießständen in Schulen. Kein Scherz. Allein 160 sollen es in Nordrhein-Westfalen sein, meldet SPON. Und wer das Bild vom Eisberg kennt, der weiß, was uns bevorsteht.

Das ist doch mal wirklich praktisch und ein echter Kontrast zu den albernen Debatten um Zugangskontrollen, Metalldetektoren und Warneinrichtungen in Schulen. Lassen wir das doch alles und machen wirs den Amokläufern leicht. Waffen und Munition direkt in Schulen zu lagern, verkürzt die Wege und vereinfacht die Logistik. Großes Tennis.

Was kommt als Nächstes? Atomare Endlager im Schul-Heizungskeller? In der Krise wird man doch kreativ sein dürfen. Und Flächen gibt es sicher genug…

Kein Wunder vor Mogadischu

Ach, die Achtziger Jahre. Da war ich noch klein und durfte nur ab und an die Nachrichten anschauen. Gefühlt gab es auch damals schon überall Krieg aber zudem alle Nase lang eine Flugzeugentführung.  Die Liste der „notable aircraft hijackings“ aus der englischen Wikipedia bestätigt diese Ansicht. Die 70er, 80er und 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren das goldene Zeitalter für Flugzeugentführung. Dann kamen die Ereignisse des elften September und der Zirkus hatte ein Ende, zumindest fast.  Die Sicherheit auf Flughäfen wurde ins Unerträgliche gesteigert und seitdem ist fliegen noch unbequemer als früher, aber so sicher wie nie.

Anders in der Seefahrt. Das Problem der Piraterie ist so alt wie die Seefahrt an sich. Auf See ist man auf sich alleine gestellt, und anders als im Flugverkehr ist zusteigen während der Reise durchaus möglich. Das machten sich schon 70 Jahre vor Christi Geburt einige maritime Rabauken zu Nutze und störten den Handel der Weltmacht Rom empfindlich. Der Römer von damals hatte einen Rochus auf die Piraten, einen Rechtsstaat aber Eier. Man schaffte die Lex Gabinia, die es Gnaeus Pompeius Magnus ermöglichte mit einer Flotte von 500 Schiffen, 120.000 Infanteristen, 5000 Reitern und einem Budget von 36 Millionen Denaren augestattet, bis zu 50 Meilen tief ins Landesinnere, an allen Küsten des Mittelmeeres zu operieren. Und siehe da, die Getreideschiffe kamen wieder nach Rom.

Das auf die heutige Situation zu projezieren wäre weltfremd. Den Römern war assymetrische Kriegsführung wahrscheinlich ein Fremdwort und dementsprechend wurde durchgegriffen und die Überlebenden zwangsweise umgesiedelt. Vermutlich will derzeit niemand neben Afghanistan und dem Irak einen dritten Kriegsschauplatz in einem muslimischen Land. Die Situation ist trotzdem beschissen. Mindestens 17 gekaperte Handelsschiffe mit etwa 300 Crewmitgliedern liegen vor Somalia vor Anker, die Versicherungsprämien steigen (was letztendlich der Verbraucher zu bezahlen hat). Die Militärpräsenz am Horn von Afrika hat noch nicht wirklich zur Entspannung beigetragen. Der von den deutschen Behörden festgelegte Gefahrenbereich vor Somalia wurde gemeinerweise ohne Absprache durch die Piraten erweitert und ist fast unmöglich durch Marinekräfte vollständig und ökonomisch zu überwachen.

Wer garantiert denn, dass das Beispiel der somalischen Piraten nicht Schule macht. Es ist ja auch zu leicht ein Schiff zu hijacken. Man braucht ein paar günstige Waffen, wie sie in Afrika schon seit Jahrzehnten zum Einsatz kommen, ein seetaugliches Boot, das ein bißchen was über zwanzig Knoten schafft und einen Versorger. Dann sucht man sich ein nicht zu großes, nicht zu schnelles Opfer, ballert ihm eine vor oder in den Bug. Mehr als Feuerwehrschläuche hat die Besatzung nicht um sich zur Wehr zu setzen, schneller geht auch nicht und bevor jemand ins Gras beißt, dreht man bei. Auf bayerisch spricht man von einer gmahten Wiesn. Ein Kapitän fragt auf Fairplay:

„Is it human, civilised, fair or professional
to require mariners to use water hoses to pro-
tect the crew and ships from pirates carrying
guns and other kinds of modern weapons? For
those who treat the mariners like second-class
citizens, yes it is.“

Die Situation im Nachhinein zu entschärfen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, ist gefährlich und teuer. Der Versuch der ehemaligen Helden von Mogadischu, der GSG 9, die Hansa Stavanger gewaltsam zu befreien, wurde von unseren amerikanischen Bündnispartnern als zu risikoreich abgebrochen. Die Kosten der Aktion hat laut Spiegel „die Staatskasse mehr Millionen gekostet als alle Lösegeldzahlungen der vergangenen Jahre zusammen“.

Die Crew der „Maersk Alabama“, dem US-Containerschiff, welche die Piraten selbst vertrieb, werden derzeit in der Schifffahrtszene ein wenig wie Helden gefeiert. Ob ihre Maßnahmen jedoch zum Nachahmen einladen, wage ich zu bezweifeln. Nachdem die Besatzung merkte, dass sie angegriffen werden und dem Entern nichts mehr entgegenzusetzen haben, wurden sämtliche Motoren abgestellt und bis auf vier Leute, darunter der Kapitän, zog sich die Mannschaft in den Rudermaschinenraum zurück. Dieser Raum muss aus Sicherheitsgründen wasserdicht abgeschlossen werden können, weshalb verbarikadieren dort leichter fällt, als in anderen Schiffsräumen. Die Piraten konnten das Schiff also nicht manövrieren. Das Kaperboot war im Zuge des Enterns gekentert und somit war die Situation der Somalis ebenfalls ziemlich bescheiden. Auf einem manövrierunfähigen Schiff waren sie ideales Ziel für einen erfolgsversprechenden Einsatz der vor Ort befindlichen Marinen. Nachdem die Besatzung einen Piraten, der nach der versteckten Crew suchen sollte, verletzten und in ihre Gewahrsam brachten, verloren die drei übrigen Seeräuber die Nerven und zogen mit dem Kapitän in einem Rettungsboot von dannen, wurden gestellt und erschossen. Nach dieser Erfahrung, gibt es jetzt die Idee ‚Panikräume‚ an Bord von Seeschiffen einzurichten, in die sich die Besatzung zurückziehen kann um die Entführung „auszusitzen“. Mir persönlich würde die Idee nicht behagen, in einem verschlossenen Raum auf einem Schiff zu sitzen, ohne zu wissen was die Piraten/Terroristen aushecken. Versenken sie das Schiff, öffnen sie den Raum mit Schweissbrennern, legen sie aus Frust gleich Feuer.

Die Sicherheit im Hinblick auf Piraten und Terroristen soll seit 2002 der ISPS-Code erhöhen, der der Schifffahrt im Nachhall der Anschläge in New York übergestülpt wurde. In Wirklichkeit ist er aber ein extrem weichgespülter internationaler Kompromiss auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Nutzen für die Seeleute vor Ostafrika: Null.

An Bord von Handelsschiffen soll man für jeden denkbaren Notfall gerüstet sein. Seeleute müssen Feuerwehrleute und Mediziner, Anlagen- und Versorgungstechniker, Krantechniker und Betriebswirte, Maler, Schweißer und Zimmerleute sein. Für alles das gibt es Lehrgänge, Ausbildungen, Patente und Nachweise. Zugegebenermaßen können sie das alles nicht perfekt, aber für den normalen Bordbetrieb reicht es meistens. Vielleicht sollte man darüber nachdenken Handelsschiffe mit automatischen Waffen auszurüsten, die einfach und bedarfsgerecht zu montieren und sicher zu verstauen sind und deren Handhabung in einem zweitägigen Lehrgang sicher geschult werden kann.

Maschinengewehr
Martialisch, aber günstig

Dauert bei der Bundeswehr auch nicht viel länger und schließlich wird jetzt auch schon Brandbekämpfung für die Seefahrt in vierzig Stunden gelehrt. Nachdem ich sowohl Bundeswehr als auch die maritime Brandbekämpfung erfahren durfte, muss ich sagen, dass Brandbekämpfung das komplexere Thema ist. Niemand verlangt von Seeleuten infanteristische Glanzparaden, aber einem nähernden Boot zwei, drei Salven vor den Bug zu geben, könnte in den meisten Fällen ausreichen, um einer Kaperung zu entgehen.

Ob die Aufrüstung der Handelsschifffahrt zur gefürchteten Eskalation führt wage ich zu bezweifeln. Kosten und Risiken der Piraten steigen, die Schiffe und ihre Besatzungen wären nicht mehr nur simple Beute auf dem Präsentierteller. Die Möglichkeiten der Piraten zur Aufrüstung sind nur begrenzt. Auf solchen Booten ist schon räumlich und auf Grund mangelnder Stabilität nur wenig zu machen. Größere Boote für die Piraten, die als Plattform für wirkungsvollere  Waffen dienen könnten wachsen, auch in Afrika, nicht auf den Bäumen und sind leichter per Radar auszumachen. Den Rüstungswettlauf können sie also kaum gewinnen. Aber unseren Politikern wird sicher das richtige einfallen und  beim derzeitigen Status quo gibt es zumindest mal eine halbwegs sinnvolle Aufgabe für die Bundesmarine, nachdem man fünfzig Jahre lang sinnfrei das Wasser in Ost- und Nordsee dünn gefahren hat.

Ziviler Ungehorsam in Zeiten der Globalisierung

Ilse Aigner hat ein Machtwort gesprochen und Genmais in Deutschland verboten. Das erfreut laut Emnid die Mehrheit der Deutschen, vor allem unter Schülern gibt es eine breite Zustimmung zu dieser Maßnahme.  Es sei übrigens keine politische, sondern eine fachliche Entscheidung gewesen. Aber wie üblich ist das ganze nicht so einfach. Annette Schavan hat nämlich ihre Kollegin getadelt. Schließlich könne man nicht einerseits für Forschung und technologische Innovation sein und andererseits die Anwendung verbieten.

Wollen wir nun also Genmais oder nicht? Monsanto sagt uns, warum wir das wollen sollten: Höherer Ertrag, Resistenz gegen Schädlinge und auch gegen den potentesten Schädlingsvernichter aus dem Hause Bayer. Ein Segen also für die gebeutelte Landwirtschaft?

Der Verbraucher ist da ja etwas skeptischer, zumindest vordergründig. Denn ob es wirklich gesund ist, Mais von Feldern zu essen, der vorher mit feinstem Gift „geschützt“ wurde, muss dahinstehen. Und wer weiß schon, was die gentechnisch veränderten Lebensmittel in uns auslösen. Das Dumme ist, dass wir ja in Zeiten der Globalisierung leben. Und es keine wirkliche Kennzeichnungspflicht für Gentechnik in Lebensmitteln gibt. Wissen wir also genau, was wir essen? Und wenn wir keinen Genmais einsetzen, sind unsere Landwirte dann nicht benachteiligt gegenüber ihren Kollegen in Spanien, die ihre Erträge mit Hightechsamen steigern? Und können wir uns den Luxus leisten, in dieser Frage das gallische Dorf zu geben? Von sozialromantischen Themen wie dem Eingriff in die Schöpfung wollen wir jetzt mal nicht reden, das überlassen wir den C-Parteien.

Und dann gibt es da noch ein Problem: Wer sein Feld neben einem „Genfeld“ hat, kann sich fast nicht gegen die Verunreinigung seiner Pflanzen durch den Nachbarn schützen. Denn Bienen und der Wind verbreiten natürlich nicht nur „Gutes“. Das wirft auch die Frage auf, ob ein Feldnachbar, der kostenlos vom Genmais „profitiert“, die Urheberrechte des Herstellers verletzt. Monsanto soll andernorts eigene Kontrolleure einsetzen.

Schön, dass es auch in Krisenzeiten zivilen Ungehorsam gibt. Die Bantam-Initiative ruft ihre Unterstützer dazu auf, ihre Mais-Sorte anzubauen und sich in die „goldene Karte“ einzutragen. Sie zeigt die Anbauorte und soll „Schutzzonen“ definieren, um Genmais zu verhindern. Da es keinen Schutz mehr für private Anbauer gibt, soll dies ggf. einen gewerblichen Eindruck erwecken. In jedem Fall eine sympathische Art, die noch dazu sicher lecker schmeckt…

Mit Frau Aigners Machtwort hat die Initiative nach vier Jahren eines ihrer Ziele erreicht. Steter Tropfen höhlt eben doch den Stein.

20 Jahre geeintes Deutschland: zynische Erinnerung

Fluter heißt das Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB). Klingt spießig, ist aber mitunter ein journalistisches Kleinod, seit das Heft von einem Teil der ehemaligen Jetzt-Redaktion gestaltet wurde. Inzwischen hat der Verlag nach meiner Kenntnis gewechselt, aber aus alter Verbundenheit habe ich mein Abo behalten.

Im aktuellen Heft geht es um die DDR vor und nach der Wende. Anlass sind 20 Jahre geeintes Deutschland, die Themen drehen sich um historische Fakten, wirtschaftliche Zusammenhänge, die Privatisierung der Volkseigenen Betriebe, das Ministerium für Staatssicherheit, den Aufbau Ost und kleine Wirtschaftswunder nach der Wende. Aber auch um Themen wie Integration oder die ungesühnten Morde an der deutsch-deutschen Grenze.

Alle diese Themen kennt man in der Regel, aber sie verblassen doch im Alltag. Deshalb habe ich mich gefreut, dass mir Fluter Gelegenheit zum Reflektieren gab. Und ich habe etwas Neues gelernt: über die Genex, die Geschenkdienst- und Kleinexporte GmbH der DDR. Das war im Prinzip ein Katalog, in dem Westkunden für Bekannte und Verwandte im Osten für D-Mark Waren bestellen und direkt in den Osten liefern lassen konnten. Ziel des Unternehmens war die Devisenbeschaffung für den Arbeiter- und Bauernstaat – am Ende 3,3 Milliarden DM. Ich finde es nicht nur zynisch, dass damit die einen Vorteil hatten, deren Westverwandtschaft ihnen etwas aus dem Katalog bestellte. Ich finde es besonders zynisch, dass es dort auch Ostwaren wie den guten Wartburg zu kaufen gab – zu DM-Preisen und ohne die übliche Wartezeit. Verrat am Sozialismus und am eigenen Volk, könnte man sagen. Aber das gabs ja öfter im gescheiterten Projekt DDR…

Hooray für South Park

Endlich. Die dreizehnte Staffel von Southpark läuft. Bösartiger und besser als Simpsons wird ein sehr kritischer Blick auf die amerikanische Gesellschaft  geworfen. Fand ich die ersten Staffeln einfach nur derb und selten wirklich lustig, so sind die Jungs mit der Zeit noch derber, aber auch gehaltvoller, aktueller, bösartiger und unterhaltsamer geworden. In der ersten Folge der neuen Staffel wird die Doppelmoral des Disney-Konzerns hübsch aufs Korn genommen, Stichwort Sexualisierung der Jugend. Der Konzernchef persönlich muss eingreifen um die schönen Profite zu schützen :)
the-boss
©2009 South Park Digital Studios LLC.

Ich bewundere die beiden Macher von Southpark, Trey Parker und Matt Stone, für ihre Kreativität, für ihren Zynismus und wohl auch für ihren Mut sich in Amerika so mit ziemlich jedem anzulegen der Rang, Namen und Einfluß hat. Mut hat sicherlich auch die Entscheidung gekostet, sämtliche Folgen von South Park Online zu stellen. Gleich nach der Ausstrahlung kann man sich legal, kostenlos, in HD und unsynchronisiert  für eine Woche die aktuellste Folge auf www.southparkstudios.com anschauen. Zwar verschwindet sie dann aus rechtlichen Gründen für einige Wochen wieder aus dem Netz, kommt daraufhin aber wieder.  Und bleibt. Kostenlos. Ich hoffe diese Einstellung setzt Zeichen wie moderne Verwertung im Netz aussehen kann.

Wer Lust bekommen hat und falls mal wieder ein verregnetes Wochenende vor der Türe steht, ein guter Einstieg sind die ‚Best Espisodes‘ auf der englischen Wikipedia.

Interview mit Krisenvorsorge

Vor einigen Tagen habe in einem  Beitrag über krisenvorsorge.com berichtet. Der Betreiber der Webseite, Herr Gerhard Spannbauer, hat noch am selben Tag den Eintrag heftig kritisiert. Ich habe ihm per Mail geantwortet und ihn gefragt, ob er nicht ein paar Fragen zu seiner Webseite beantworten möchte. Netterweise hat er eingewilligt. Spannend ist es leider nicht geworden.


FH: Die Banken, Finanz- und Wirtschaftskrise ist in aller Munde, Medien und Politiker beratschlagen die besten Lösungen wie Unternehmen und Arbeitsplätze zu retten sind, sie gehen ein Stück weiter und geben Überlebenstipps. Woher dieser Fatalismus?

GS: Wenn man sich die weltweiten finanziellen Verwerfungen und die schier unendliche Verschuldung in Kombination mit der heutigen just-in-time Logistik anschaut, zwingt sich dies förmlich auf. Wir leben in einer scheinbar sicheren Welt, die aber bei weitem nicht so sicher ist wie sie wirkt. Leider sind wir alle aufgrund der letzten Jahrzehnte sehr verwöhnt und können uns Störungen in unserer „heilen“ Welt kaum vorstellen. Wenn aber die Grundlagen – das Geldsystem – total pervertiert ist, droht großes Unheil. Mittlerweile hört man meine Ansicht auch von anderen fundierten Quellen.

FH: Viele dieser Quellen stammen aus dem Kopp-Verlag, dem „Verlag und Fachbuchversand für Enthüllungsliteratur, Verschwörungen, unterdrückte Informationen und Erfindungen und Geheimgesellschaften“ mit Büchern wie „UFOs – die unerwünschte Wahrheit“ oder „Sehen Tote wirklich ALLES?“. Ein Verlag der, vorsichtig ausgedrückt, nicht den seriösesten Ruf hat. Belügen uns die konventionellen Medien?

GS: Ich sage seit Monaten, wer die Entwicklung und die Krise jetzt nicht erkennt und ernst nimmt, dem kann weder ich noch andere helfen. Ich will keinen überreden oder bekehren, sondern auf eine reale Gefahr hinweisen. Spätesten in drei Monaten werden auch die letzten Zweifler erkennen müssen, wie brisant die Gesamtsituation ist.

FH: Gibt es Erfahrungen die zur Erstellung der Seite führten?

GS: Als ich vor Jahren begann mich mit der aufziehenden Finanzkrise zu beschäftigen, war mir schnell klar, dass wir es diesmal mit etwas größerem zu tun haben und das eine finanzielle Vorsorge alleine nicht reicht. Jeder der sich die Fakten einmal genauer ansieht wird leicht zu ähnlichen Schlüssen kommen.

Möglichweise glauben Sie den Beschwichtigungen und Prognosen der Politiker, aber schauen Sie mal sechs Monate zurück. Damals sagte Herr Steinbrück z. Bsp. „es wäre ein amerikanisches Problem“ und „unsere Banken sind besser aufgestellt“.

FH: In ihrem Beitrag „Die wirklichen Ursachen der Finanzkrise“ schreiben sie

„Eine Clique superreicher Familien (Rockefeller, Rothschild, Morgan und weitere) arbeitet seit Generationen daran, die Welt unter ihre Kontrolle zu bringen und hat dieses Ziel dadurch erreicht, dass es ihr gelang, sich das weltweite Finanzsystem unter den Nagel zu reißen“

Das ist geradezu die klassische New World Order Verschwörungstheorie. Macht man es sich mit solchen Erklärungen nicht zu einfach, ist die Welt nicht vielleicht doch komplexer als solche Theorien glauben machen wollen?

GS: Bereits seit Jahrhunderten spielen mächtige Familien eine nicht unbedeutende Rolle in der Politik und dem Weltgeschehen. Alleine wenn man sich die Eigentümerstruktur der größten privaten Notenbank, der FED, ansieht, zwingt sich dieser Schluss auf.

FH: Zum einen ist das Federal Reserve System keine private Notenbank sondern teilstaatlich, die beteiligten Banken sind verpflichtet am System der FED teilzunehmen. Von daher ist die Eigentümerstruktur vorgegeben. Das die FED an der derzeitigen Krise sicherlich eine nicht unbedeutende Teilschuld hat ist unbestritten und wird direkt mit ihrem ehemaligen Vorsitzenden Alan Greenspan in Zusammenhang gebracht. Die Geschichte von den mächtigen Familien, die im Hintergrund die Fäden spinnen, ist doch schon von den Nationalsozialisten und ihren Protokollen der Weisen von Zion angeführt worden und heute hinreichend widerlegt. Was hätten diese Kreise von einer weltweiten Krise, warum sollten sie sich das weltweite Finanzsystem erst unter den Nagel reißen und dann alles kollabieren lassen?

GS: Die mächtigen Familien kaufen jetzt mit aus dem Nichts geschaffenen Geld Realwerte wie Rohstoffe, Immobilien, Nahrungsressourcen und werden nach dem Zusammenbruch viel reicher und mächtiger sein. Mit dieser macht werden wie – wir es bspw. nach dem inszenierten 11. September oder dem ominösen Kampf gegen Terror gesehen haben – neue Überwachungsgesetze und Drangsalierungen unserer Freiheit erleben.

FH: Sie empfehlen die Schweiz als sicheren Hort für Geld und Gold, namentlich sogar eine Raiffeisenbank im Grenzgebiet. Warum sollte gerade die Schweiz, die wegen ihres großen Finanzsektors heftig durch die Krise getroffen wird, der sicher Hafen sein? Wird nicht, wenn die globale Krise so eintritt wie sie es beschreiben, die ganze Welt in Trümmern liegen?

GS: Ich empfehle die Schweiz für ein privates Schließfach. Die Schweiz liegt räumlich nahe und akzeptiert noch privaten Besitz, was mir in Deutschland und der EU nicht der Fall zu sein scheint. Die Krisenvorsorge sollte meiner Meinung nach auf verschiedenen Beinen stehen und die Schweiz ist ein Teil dieser Strategie. Sollte die Welt tatsächlich völlig in Trümmern liegen, würde dies möglicherweise wenig helfen. Sollte es aber nicht ganz so schlimm kommen, könnte dies ein wichtiger Hort fürs Geld und ganz besonders fürs Gold sein. In Deutschland kann man sich leicht ein Goldverbot wie damals in den USA vorstellen.

FH: Auf ihrer Webseite betreiben sie einen Shop. Hier verkaufen sie auch Goldbarren, bezeichnen sie als „Rettungsboote“ und schreiben von hoher Nachfrage und langer Lieferzeit. Zwar ist der Goldpreis tatsächlich gestiegen, aber von Lieferengpässen ist mir nichts bekannt. Zudem verkaufen sie den 100g Goldbarren mit deutlichem Aufschlag. Laut Sortenkurs vom 25. Februar beträgt ihr Aufschlag über 400 Euro, das sind 15%. Finden sie es nicht ein wenig unmoralisch mit der Panik, die auf ihrer Webseite durchaus geschürt wird, Geld verdienen zu wollen und dann auch noch mit Zuschlägen?

GS: Ich betreibe auf meiner Seite einen Shop, weil mich viele Leser immer wieder fragten, wo sie all die beschriebenen Dinge herbekommen. Gold ist bei uns teurer, weil wir es aus der Schweiz einführen und infolgedessen einen hohen Aufwand mit den Devisenkosten, dem Transport etc. haben. Fakt ist, dass Sie bei vielen Banken und Edelmetallhändlern aufgrund der hohen Nachfrage oft kein Gold sofort mitnehmen können. Wir liefern sofort und unseren Käufern ist dieser Vorteil einiges wert. Jeder kann die die Preise vergleichen und keiner muss bei uns kaufen.

FH: Auch Waffen sind in ihrem Shop käuflich zu erwerben. Deutschland hat ja schon einige Krisen gemeistert, ohne dass es zu blutigen Bürgerkriegen kam. Finden sie es nicht übertrieben die Bürger zur Bewaffnung aufzurufen?

GS: Ich habe mich bei Selbstverteidigungsexperten erkundigt und allein der Glaube, dass man nicht wehrlos da steht ist eine Menge wert. Angesichts der Tatsache, dass wir in einem sehr dicht besiedelten Land leben, vor tiefen strukturellen Einbrüchen stehen und die meisten völlig unvorbereitet getroffen werden, erscheint mir die Wahrscheinlichkeit für Übergriffe als sehr hoch. Ich sitze nicht wehrlos da und lasse mir von einem Rudel Rumtreiber mir meine Vorräte klauen.

FH: Neben einigen klassischen Selbstverteidigungsgerätschaften wie Pfefferspray und Elektroschocker, die sie in ihrem Shop anbieten, ist aber ihr Mittel der Wahl zur Selbstverteidigung die Armbrust. Ich durfte in meinem beruflichen Leben einige Erfahrungen mit Schusswaffen zur Selbstverteidigung und Gefahrenabwehr machen. Armbrüste scheinen mir da eher ungeeignet, zum Zwecke der Selbstverteidigung schon fast gefährlich zu sein. Wieso dieser Hang zur Armbrust?

GS: Ich will mir die Vorgenannten vom Leibe halten und da erscheint die Armbrust als recht praktisch. Vor allem, weil damit gezielte Warnschüsse abgeben kann. Ideal hat man mehr als eine Armbrust, so kann die zweite immer von einem anderen geladen werden.

FH: Ich habe ein wenig den Eindruck, sie bereiten die Folgen der Krise vor, wie andere Leute auf den großen Familienurlaub. Checklisten, Rucksack, Waffen. Man könnte fast denken, sie freuen sich ein bisschen darauf?

GS: Sie können mir glauben, ich würde viel dafür geben, wenn ich wüsste, ich kann friedlich schiedlich weiter leben und müsste mir auch hinsichtlich der Zukunft meiner Kinder keine Sorgen machen. Allerdings zeigen die aktuellen Pleiten und Milliardenlöcher, die umfangreiche Kurzarbeit und die Stellenstreichungen, dass es bergab geht und demnächst noch manch andere Grenze nach unten gerissen wird.

Ich habe eine kleine Immobilien GmbH und sehe dort wie auch bei vielen Partnern, wie das geschäftliche Umfeld sich extrem verschlechtert.

FH: Im Internet, so auch bei den Kommentaren zu ihrem Buch „Wie man sein Einkommen mit weniger Aufwand verdoppelt“ werden sie als Scientologe bezeichnet. Auf dieser Webseite werden sie namentlich genannt und als Teilnehmer an einigen Scientology-Kursen geführt. Sind sie Scientologe? Steckt Philosophie von L. Ron Hubbard hinter krisenvorsorge.com?

GS: Ich war über Jahre bei Scientology und habe dort Kurse und Seminare besucht. Vor Jahren bin ich dort weggegangen, weil ich mit dem aktuellen Vorgehen von Scientology nicht einverstanden bin. Scientology hat mit der Krisenvorsorge nichts zu tun und steckt auch nicht dahinter. Ich bin und war nicht Mitarbeiter bei Scientology und auch niemals, wie manchmal im Netz behauptet wird, ein „hohes Tier“ bei Scientology.

FH: Darf ich fragen, mit welchem konkreten „aktuellen Vorgehen“ von Scientology sie nicht einverstanden waren?

GS: Scientology hat sich von den Lehren Ihres Gründers entfernt und praktiziert nicht das was sie vorgibt.