Im Frühtau zu Berge

Zugegeben, den Frühtau haben wir verschlafen, und raufgefahren sind wir stilecht mit der Bahn. Aber auf dem Berg waren wir, und immerhin sind wir runter gelaufen und hatten geeignete Schuhe an – keine Selbstverständlichkeit auf dem Wendelstein. Wir also mittags rauf, Tür auf – Blasmusik. Herrlich. Die 30köpfigen Drecksau-Plattler mit Quetschn und Blechbläsern. Das hatte Musical-Elemente. Dazu 24 Grad und Sonnenschein. Was will man mehr?

An der Bergstation geht es zu wie am Stachus. Trotzdem entschließen wir uns, den Gipfelrundweg und zurück den Panoramaweg zu beschreiten. Nur schade, dass allerlei unpassend Gekleidete im Weg stehen. Auf dem Gipfel dann Nebel und singende Rentner. Es kann nur besser werden. Sie bauen ein neues Teleskop. Das würde heute auch nichts sehen.

Beim Abstieg bin ich froh, dass wir nicht raufgelaufen sind. Runter ist anstrengend genug. Und ich verfluche mich, dass wir die trendigen Stöcke nicht dabei haben, die man heute offenbar für jeden Berg braucht, der höher ist als die Bordsteinkante. Auf halber Höhe sehen wir dann den Rettungshubschrauber zur Rettung irgendeines unvorsichtigen Apostelbereiften einschweben. Ist doch ein voller Erfolg. Das Panorama ist jedenfalls atemberaubend schön. Wie auf den wahlplakaten der CSU. Nur ohne störende Politiker.

Der Tag klingt im Biergarten aus, ich habe Sonnenbrand. Und die ganze Woche Muskelkater. War trotzdem schöner als auf der Couch!

Zeit ist relativ

Ich hatte gerade das Privileg, mich von den Strapazen in Arbeit und Freizeit zu erholen. Drei Wochen am Stück, das gabs zuletzt in meiner Schulzeit, schätze ich. Ich habs sehr genossen, unterwegs zu sein und Abstand zu den Wirren und Zwängen des Alltags zu haben.

Die Zeit haben wir an Nord- und Ostsee verbracht. Start war auf den Halligen Langeneß und Hooge, weiter über Helgoland an die Ostsee nach Fehmarn, Hiddensee und Usedom. Wenn wir Fehmarn und Usedom mal außen vor lassen, war es ein wirklich schöner und entspannter Urlaub. Keine Autos, kein Stress, kein Gefühl für die Zeit. Frühstück und Abendesse strukturieren den Tag. Sonst nur Sinneseindrücke.

Neben der großartigen Landschaft hat mich vor allem die Abhängigkeit von der Natur und die Ohnmacht des Menschen gegenüber den Naturgewalten beeindruckt. Besonders deutlich habe ich dieses Gefühl auf den Halligen gespürt. Die Menschen dort leben im Einklang mit der Natur und doch in ständiger Furcht vor ihr. Und wenn es „Land unter“ heißt und Vieh und Weidefläche bedroht sind, ziehen sich die Menschen auf ihre Warften zurück und retten, was zu retten ist. Das ist aber nicht etwa die Ausnahme, sondern die Regel in der Nordsee.

Diese Gefahr und die Abhängigkeit von Gezeiten und Fährverkehr bringen eine spezielle Lebenseinstellung mit sich. Ich bin sicher, dass sie auch das Wertesystem beeinflussen. Diese Ruhe und Gelassenheit haben mir Kraft gegeben, ich würde es sicher länger dort aushalten. Ich habe insbesondere nichts vermißt. Dieses unbeschreibliche Gefühl kondensiert meines Erachtens in einer Banalität: Auf den echten gelben Briefkästen steht bei Lehrung: Tideabhängig. Sonst nichts. Eine schöne Welt…

Die Marke „King of pop“ stirbt?

Heute also hat die Welt Abschied genommen von Michael Jackson, dem großen Künstler und umstrittenen Menschen. Oder dem, was von ihm übrig war. Oder der Marke Michael Jackson.

Das wäre meines Erachtens keine Notiz wert, ein Nachruf in üblichem Umfang reicht völlig aus. Aber aus seinem Tod wird ein solches Medienspektakel gemacht, dass es mir doch eine Notiz wert ist.

Obwohl ich mich gerade in den entlegensten Winkeln tummle, konnte ich den Spekulationen, Liveübertragungen, Expertenstatements, Exklusivvideos und natürlich den O-Tönen der trauernden Fans nicht entgehen. Was soll das? Wen interessieren all diese Details? Woran er gestorben sein könnte, wo er beerdigt wird, in welchem Sarg, wer das Sorgerecht für die Kinder bekommt, wer Tickets (!) für seine Trauerfeier ergattert. Und wie siehts mit der journalisitischen Ethik aus? Ohne Berichterstattung kein Hype, ganz einfach. Und bei mitgeschnittenen Notrufen hört der Journalismus schon lange auf, liebe Freunde.

Und dann die Fans, die vor Neverland campen, jedem Gerücht hinterherreisen und dann noch entrüstet sind. Oder die Logorrhoe in Mikrofone sprechen und am liebsten mit ihrem Idol sterben möchten. Gehts noch? Als hätte die Welt keine anderen Sorgen. Fragt sich außerdem, wo all diese Unterstützer waren, als er wegen zweifelhafter Vorlieben vor Gericht stand.

Ansonsten ist natürlich die mediale Aufmerksamkeit hervorragend, schließlich gilt es ja, noch ein paar unbedeutende Schulden des Verstorbenen zu tilgen. Vermutlich haben die Übertragungsrechte an der Trauerfeier einiges erlöst (top und spontan organisiert, übrigens), auch die Tantiemen von den gefühlten zwölf Jahren Radiozeit, die seinen Songs gerade gewidmet werden, können seine Erben sicher brauchen. Und nach dem Fest im Staples Center lassen sich sicher noch ein paar Millionen mit Devotionalien des Künstlers machen, der seine letzten echten Erfolge vor über 20 Jahren feierte. Und ein paar ergraute Stars konnten sich bei seinem Abschied verewigen, was wiederum gut fürs eigene Geschäft sein dürfte.

Bleibt nur zu hoffen, dass seine Überreste bald beigesetzt werden und anschließend Ruhe einkehrt. Ich bin ja mal gespannt, wie wir demnächst damit umgehen, wenn für jede so genannte Person der Zeitgeschichte so ein Aufriss veranstaltet wird. Und ich bin gespannt, ob die Sendezeit für so viele Sondersendungen reichen wird.

Bei so viel globaler Ergriffenheit hier noch meine Theorie: Michael Jackson ist gar nicht tot, die ganze Aktion ist eine Werbekampagne für seine Konzerte in London. Also die Tickets erstmal noch nicht zurückgeben! Wie sich das historisch gehört, wird er am dritten Tage auferstehen von den Toten…

Das Privileg würdevollen Alterns

Vor allem in der großen Politik gibt es ja allerlei Experten für Soziales. Dabei spielen laufend die Struktur der Sozialversicherung für Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung und natürlich der demographische Wandel eine große Rolle. Wenn man die Euphemismen wegläßt, bleibt vor allem eine Frage übrig: Wer soll das bezahlen.

Abseits von banalen betriebs- und volkswirtschaftlichen Fragestellungen geht es aber bei jedem Betroffenen vor allem um eine Geschichte, ein Schicksal. Ich habe kürzlich meine Oma im Altenheim besucht, weil meine Eltern im Urlaub waren. Bislang habe ich es immer irgendwie für selbstverständlich gehalten, dass sie sich um sie kümmern. Aber der Reihe nach. Meine Großmutter ist zarte 97 Jahre alt und erzählt schon gefühlte 15 Jahre, dass sie sterben möchte. Das kann an körperlichen Gebrechen liegen, am Tod ihres Mannes vor 25 Jahren oder daran, dass sie zwei Weltkriege und allerlei andere Tragödien erlebt hat und einfach nicht mehr möchte. Seit über zehn Jahren lebt sie in unserer Nähe im Altenheim. Das war eigentlich ein guter Plan. Als sie die Treppen in ihrer Wohnung nicht mehr steigen konnte, mußte eine barrierefreie Wohnung her. Die Lösung: Der Wohnbereich im Altenheim, mit eigenen Möbeln und mitten unter Menschen. Gut, das mit den Menschen hat ihr nie so richtig gefallen, war aber ein akzeptabler Kompromiss.

Der Wohnbereich ist so konzipiert, dass die Bewohner im Prinzip mit zunehmendem Alter und zunehmender Pflegebedürftigkeit im selben Raum bleiben und nach ihrem individuellen Bedarf betreut werden können. So weit, so gut. Mit der Zeit kamen immer mehr körperliche Einschränkungen, Pflegestufe 1 und 2 und vor einiger Zeit dann auch eine heftige Demenz und massiver Gewichtsverlust. Irgendwann dazwischen hat sie dem Altenheim einen Zimmerbrand und einen Wasserschaden beschert und den Bürgermeister aus ihrem Zimmer verjagt, als der ihr zum Geburtstag gratulieren wollte. So ist sie eben, meine Oma. Schließlich ist Alter keine Krankheit, sondern ein Privileg.

Durch die Demenz ist sie in letzter Zeit nicht mehr mobil und erkennt auch außer meiner Mutter niemanden mehr. Sehr bitter, finde ich. Aber wie gesagt, das zieht sehr an mir vorbei, weil meine Eltern sich kümmern und ich sie kaum sehe. Welch Luxus. Meine Eltern also im Urlaub. Anruf meiner Schwester, ob ich sie nicht am Wochenende füttern könne.  Warum wir denn Essen eingeben müßten, wenn das doch das Personal erledigt, wollte ich wissen. Die Leistung sei zwar in der Pflegestufe 2 enthalten, die Pfleger fütterten sie aber nicht, weil sie selber essen könne. Meine Mutter habe zudem die Angst, dass meine Oma vernachlässigt werde, wenn sich die Angehörigen nicht blicken ließen.

Vom feinsten. Weil weder meine Schwester noch ich große Lust auf die Veranstaltung hatten, haben wirs gemeinsam getan. Richtig gehört, meine echte Schwester und ich. So führt meine Oma die Familie zusammen. Was wir dann aber erlebten, hat mich tief bewegt. Das ist Sozialpolitik und Generationenvertrag zum Anfassen. Ich hoffe sehr, dass diese Bilder den politischen Entscheidern präsent sind, wenn sie die Weichen für die Zukunft stellen.

Wir betreten die Station, auf der meine Oma untergebracht ist und finden sie gemeinsam mit zwei anderen Bewohnern im Aufenthaltsraum beim Essen. Personal ist nicht zu sehen. Die anderen beiden sind noch einigermaßen in der Lage, selbst zu essen. Meine Oma sitzt im Rollstuhl vorn übergebeugt am Tisch, die Augen fast geschlossen, die Kleidung sicher nicht von heute. „Sie kann essen“ sieht wie folgt aus: Alle heilige Zeit fährt sie mit einem Finger durch nicht identifizierbares Püriertes und benetzt ihre Lippen mit dem Brei. Im Anschluss fährt sie sich mit der Hand durch die Haare und schüttelt den Kopf. Dementsprechend ist der Brei auf dem Tablett, dem Tisch und in ihren Haaren verteilt. Niemand nimmt Anteil an der Situation. Sie erkennt keinen von uns, auf unsere Ansprache reagiert sie nicht. Ihre Hautfalten bleiben stehen, so ausgetrocknet ist sie. Immerhin läßt sie sich füttern, als wir ihr abwechselnd den Löffel in den Mund stecken oder vielmehr über die Lippen ziehen. Als Ansprache für die drei Kollegen im Aufenthaltsraum läuft übrigens die Wiederholung von „Anna und die Liebe“. Da sag noch einer, die Senioren von heute seien nicht auf der Höhe der Zeit.

Nach dem Essen bringen wir sie in ihr Zimmer. Die Einrichtung erinnert an bessere Zeiten. An Zeiten, in denen sie noch Zeitung und Bücher lesen konnte. An Zeiten, in denen sie noch telefonierte und fernsah. Und die Fotos zeichnen das Bild eines langen, erfüllten Lebens, einschließlich der trashigen Fotos ihrer Enkel aus den 1980er Jahren.

Wir sind beide einigermaßen hilflos in der Situation, versuchen noch eine zeitlang, mit ihr zu sprechen. Schließlich geben wir auf und gehen nach Hause. Personal haben wir bis zum Schluss leider nicht angetroffen.

Mich hat das Erlebnis aus vielen Gründen bewegt. Weil ich es schlimm finde, dass meine Oma so alt werden muss. Weil ich es schlimm finde, dass die Betreuungs- und Lebensqualität im Altenheim so schlecht ist (das ist explizit kein Vorwurf ans Pflegepersonal, das sicher sein möglichstes und angesichts des Gehalts zu viel tut). Weil ich es schlimm finde, dass ihr Aufenthalt dort trotzdem die kompletten Ersparnisse ihres gesamten Lebens aufzehrt. Weil ich es schlimm finde, dass ich es für selbstversändlich gehalten habe, wie meine Mutter sich unermüdlich um sie kümmert. Und weil ich es schlimm finde, dass ich dem hilflos gegenüberstehe.

Da die Gesellschaft immer älter wird und gleichzeitig eine große Finanzierungslüscke klafft, wird es meiner Generation noch deutlich schlechter gehen im Alter. Deshalb habe ich zwei große Wünsche: Erstens, dass wir als Gesellschaft eine Lösung für würdevolles, individuelles Altern finden. Und zweitens, dass mir persönlich ein solches Sterben auf Raten erspart bleibt.

Rückschau zur Europawahl

Natürlich bin auch ich am vergangenen Wochenende meiner Bürgerpflicht nachgekommen und habe jemanden beauftragt, mich im Europaparlament weise zu vertreten. Dass das nicht selbstverständlich ist, sieht man daran, dass es nicht einmal jeder zweite (genau nur 43,3 % der Wahlberechtigten) für nötig hielt, abzustimmen. Woran liegt das? Frust? Gleichgültigkeit? Terminprobleme?

Obwohl die Wahlbeteiligung in meiner Heimatgemeinde sogar über 50% lag, habe ich ein spezielles Instrument zur Ermittlung der Wahlstimmung genutzt: Den Frühschoppen beim Wirt am Wahlsonntag um 11 Uhr. Ergebnis: Gähnende Leere, keine angeregten Diskussionen, nicht mal Kirchgänger waren da. Da kam mir dann spontan ein Songtext von Reinhard Mey in den Sinn: „Und wenn nun heut nicht grade Sonntag wär, hätten sie uns gewählt“. („Wahlsonntag“ vom Album „Farben“)

Ich finde es enttäuschend, dass ein Parlament, das auf europäischer Ebene immer mehr Entscheidungen trifft, die unsere Lebenswirklickeit beeinflussen, von der Mehrheit der Deutschen nicht gewählt wird. Somit repräsentiert es auch nur eine Minderheit der Wählerinnen und Wähler. Das liegt sicher an der fehlenden Vorstellung, was genau die Europaparlamentarier tun und wie sich das auf uns auswirkt. Die Parteien haben sich in meinen Augen auch nur begrenzt bemüht, dies mit ihrem Wahlkampf zu ändern. Sehr beeindruckt haben mich vor allem die vielen Wahlplakate. Oft stand da pauschal „Ihre Stimme in Europa“, gerne auch garniert mit dem Konterfei einer/eines Unbekannten. Am schönsten fand ich das Plakat der Bayernpartei, auf der nur ihr Logo zu sehen ist. Das ist doch wohl Botschaft genug, oder?

Angesichts der Demokratie- und Bürokratiekosten, die ein Parlament mit über 700 Sitzen und eine Kommission mit über 23000 hochbezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verursacht, meine ich: nein! Liebe Parteien, bitte macht Europa und eure Anliegen begreifbar, begeistert die Wählerinnen und Wähler von euren Themen und Zielen und erweckt vor allem nicht den Eindruck, ihr könntet wirklich etwas ändern. Das seid ihr euren Wählern schuldig und der Demokratie. Wenn sich nämlich der Trend so fortsetzt und die Anzahl der Nichtwähler steigt, fehlt den Parlamentariern jede Legitimation. Zudem nimmt das Gewicht der einzelnen Stimme zu. Das kommt mir zugute, aber leider auch jenen, die eher extreme und wenig demokratische Ansichten vertreten.

Zum Schluss noch zwei Dinge. Einerseits den Werbespot der Bayernpartei, auf den ich gestoßen bin, als ich ein Foto vom Plakat gesucht habe. Ich finde ihn eigentlich erstaunlich gut gemacht, nur dass es eben ausgerechnet bei den Inhalten wieder dünn wird:

Und dann noch ein Schmankerl für unseren Piraten-Wahlkämpfer: in meinem Heimatnest (9191 Wahlberechtigte) haben immerhin 28 Wählerinnen und Wähler für die Piraten gestimmt, das sind 0,6% der 4977 abgegebenen Stimmen. Zum Vergleich: Die Republikaner wählten 41 (0,8%), die DVU 6 (0,1%) Wählerinnen und Wähler meines Wohnortes. Da wirds noch ein weiter Weg werden.

Warum nicht einen Querzahnmolch als Haustier?

Ich bin nicht unbedingt für meine Tierliebe bekannt. Das liegt aber gar nicht so sehr an meinem harten Herz, sondern vor allem an Zeitmangel und vielleicht daran, dass ich als Kind alle möglichen Haustiere ausprobiert habe. Fazit damals: Sie machen jede Menge Arbeit und früher oder später sterben sie doch.

Diese Einstellung erlaubt es mir, mit einer gewissen Gelassenheit auf die Haustiervorlieben in meinem Umfeld zu blicken. Und da ist mir eben dieser Exot begegnet. Ein Freund (eigentlich richtig: seine Freundin) hat sich ein Axolotl zugelegt. Niederbayern nennen diesen Zeitgenossen gerne auch liebevoll Ambystoma mexicanum. Es handelt sich um eine Salamanderart aus Mexiko, die zeit ihres Lebens im Dauerlarvenstadium verharrt und im Aquarium gehalten wird. Das Verdienst, dass diese optisch irgendwo zwischen Kröte und Autoreifen verortbaren Tierchen auch bei uns bestaunt werden können, fällt offenbar Alexander von Humboldt zu.

Die Haltung scheint unproblematisch und erfolgt in der Regel im Aquarium. Auch Teiche bereichern manche offenbar mit Axolotln, wobei meine neue Lieblingswebseite eindringlich vor den Gefahren der Artenverschleppung und der Verdrängung anderer Tierarten durch A. warnt. Also bitte im Aquarium lassen, sonst droht eine Invasion. Und auf die Wassertemperatur von maximal 25 Grad achten, da sind Axolotl eigen: „Zu hohe Temperaturen bedeuten für Axolotl großen Stress und steigern die Krankheitsanfälligkeit drastisch.“ Oh nein! Deshalb werden auch gleich Kühlideen für den heimischen Teich empfohlen, denn wer will sich schon mit Teilwasserwechseln belasten.

Wahrscheinlich fehlt mir das Verständnis, um zu erkennen, was der Reiz dieses Exoten sein soll. Aber das wissen die Kenner viel besser als ich und dementsprechend wünsche ich den Kennern viel Freude mit Herrn Axolotl. Immerhin sind die Anschaffungskosten gering, die „aquristische Ausstattung“ im konkreten Fall vorhanden und er (oder es?) ist sicher in guten Händen. Angesichts der Lebensdauer von mehr als 16 Jahren ist das allerdings schon fast der Bund fürs Leben…

Wahlkampf

Nachdem ich letzte Woche tatsächlich der Piratenpartei beigetreten bin habe ich heute zum ersten Mal in meinem Leben Wahlkampf betrieben. Direkt vor dem Hamburger Hauptbahnhof. Und es war lustig, kurzweilig und meist nett. Die wenigen weniger netten sondern nervenden Erlebnise waren dem Umstand geschuldet, dass der Stand zwischen Haupteingang des Bahnhofes und Bahnhofsmission platziert war. Letztere Institution zieht eben auch Leute an, die  in den 80er Jahren das letzte Mal nüchtern waren und so einen Wahlstand als willkommene Abwechslung im nebulösen Alltag betrachten. Und eine sehr geringe Anzahl an Spinnern, die abstruseste Thesen als Wahlversprechen abverlangen um in ihren Augen überhaupt wählbar zu sein. Nur einer meiner Mitstreiter wurde als ignoranter Idiot bezeichnet.

Ein freundlicher, älterer Herr, wie sich herausstellte ein Wahlkampfhelfer der CDU, die mit der Spitzenkandidatin Hamburgs 150m weiter Luftballons verteilte,war sichtlich vom politischen Engagement der jungen Leute überrascht, versprach auch den Flyer zu lesen und konnte über die Pläne von Schäuble auch nur sein Haupt schütteln. Trotzdem bat er ihm gehen noch darum, irgendwann einer richtigen Partei beizutreten.

Sonst nur positive Reaktionen, niemand der die Piraten als Spaßpartei abgetan hat. Viele junge Leute, aber auch lebensältere Wähler die von der Partei schon gehört hatten und den Ideen auch positiv gegenüberstanden. Viele die Unterstützungsunterschriften für die Bundestagswahl abgaben, etliche die schon per Briefwahl für die Piraten gestimmt hatten und noch mehr, die morgen zur Europawahl ihre Stimme der Liste 29 geben wollen.

Was ganz klar bei allen rauszuhören war, ist der Frust über die etablierten Parteien. (Mehr zum Thema Frust bei Felix Schwenzel von wirres.net). Die Piratenpartei ist eine Nischenpartei, die vor allem bei internet-affinen Bevölkerungsschichten auf Zustimmung trifft, weshalb man mit allzu großen Hoffnungen morgen vorsichtig sein sollte. Ich glaube aber, dass sich von allen Kleinstparteien die Piratenpartei die größte Chancen ausrechnen kann.

Edit: Schöner Vergleich zwischen den Anfängen der SPD und dem derzeitigen Stand der Piratenpartei bei den Ruhrbaronen.

Steilvorlage II

Herr Wiefelspütz, der Politiker mit der neckischen Frisur von der SPD, hat jetzt endlich doch ausgesprochen, was alle schon dachten. Die gegen Kinderpornografie eingerichteten Sperren sollen mittel und längerfristig auf andere „kriminelle Seiten“ ausgeweitet werden.

Im Hintergrund singt leise ein chinesischer Kinderchor „Die Gedanken sind frei“

Sonntag Piraten wählen!

Steilvorlage

Herr Lobo, der Blogger mit der neckischen Frisur, ist zwar noch nicht überzeugt, trotzdem hoffe ich ganz stark, dass der Spitzeneinfall der Innenministerkonferenz nun endlich die Ego-Shooter zu verbieten, schon am Sonntag auch in Deutschland der Piratenpartei neuen Auftrieb gibt.

Das naheliegendste, den privaten Waffenbesitz zu verbieten (auch wenn ich der Meinung bin, dass das beim Thema Amok auch nix bringt, da dann eben mit anderen Mitteln gemordet wird), steht gar nicht zur Debatte. Die Waffen- und Schützenlobby ist zu stark. Bezeichnenderweise ist der Niedersächsische Innenminister Schünemann Mitglied des Schützenvereins Holzminden.  Zudem kann man diese furchtbaren Killerspiele  in der Seniorenrepublik Deutschland auch besser an den Wähler bringen. Alles Teufelszeug.

In Schweden ist die Partei drittstärkste Kraft, dem Pirate Bay Prozess sei Dank. Und in Deutschland fahren die Politiker ja gerade dicke Geschütze in Richtung Freiheit des Netzes.

Die Piratenpartei in Deutschland hat noch einen ziemlichen Nerd-Faktor, Verschwörungstheorien fallen auf fruchtbaren Boden und die Zahl 23 umgibt eine besondere Aura. Nichts desto trotz hat die Partei ein paar wichtige Ideen im Konzept, die zwar weit davon entfernt sind Realpoitik werden zu können, aber der Grundgedanke stimmt. In vielen anderen Bereichen gibt es hingegen noch deutliche Defizite. Aber wie schreibt Reizzentrum so schön:

„Etwaige Folgen meiner Entscheidung in Sachen Familien-, Aussen-, Wirtschafts-, Verteidigungs-, und anderer Politik sind mir scheissegal. Es MUSS etwas geschehen und zwar schnell“

Genau!