Andere Schule im Wandel der Zeit

„Schule… anders machen“. Unter diesem Motto gibt es derzeit eine Themenreihe von Stadtschülervertretung, Münchner Schülerbüro und MVHS im Münchner Gasteig. Thema des ersten Themenabends: „Regionale Bildungslandschaft“. Ziel ist es offenbar, diesen etwas sperrigen Begriff zu durchleuchten und konkreter zu fassen. Als Impuls gibt es Kurzfilme, anschließend eine Publikumsdiskussion und schließlich beleuchten drei Experten das Thema näher. Es sind eher wenig Besucher gekommen, insbesondere die Hauptzielgruppe, die Schüler, sind nur vereinzelt vertreten und haben dementsprechend auch einen geringen Redeanteil. Der Moderator vom Münchner Schülerbüro wirkt abwesend und gelangweilt und würgt die meisten Wortmeldungen ab, weil sie nicht zum Thema passten. Was er stattdessen hören will, sagt er leider auch nicht. Überwiegend geht es darum, wie die Zusammenarbeit mit externen Kooperationspartnern das Schulleben bereichern und Lernleistung steigern kann. Als Beispiele dienen leider Leuchtturmprojekte, die so wohl eher selten sind, auch, weil die Finanzierung schlicht regulär nicht gegeben ist. Da ist der Schulleiter einer Münchner Hauptschule ein Lichtblick, der sehr bescheiden seine Bemühungen zu diesem Thema darstellt und sich dabei nicht verstecken muss. Ich habe spontan eine Assoziation zu einem anderen Leuchtturmprojekt, das man mal kritisch beleuchten müßte.

Zum Ende der Veranstaltung gibt es nicht nur Häppchen, sondern der unglückliche Moderator nötigt das Publikum dazu, auf einer unglücklich gewählten Karte beliebte Lernorte in München zu markieren.

Trotzdem empfand ich die Veranstaltung nicht so negativ wie mein Kollege. Denn sie bot Gelegenheit, engagierte junge Menschen kennenzulernen, die sich konstruktiv mit einem wichtigen Thema auseinandersetzen: den Lebensraum Schule mitzugestalten. Dass sie dabei die selben Hürden nehmen müssen wie wie vor über zehn Jahren mag bitter sein, passt aber zum etwas trägen System Schule. Und es stört die Protagonisten von heute nicht, da es für sie eine neue, eine einmalige Erfahrung ist, die mit Sicherheit entscheidende soft skills bei ihnen entwickeln wird, die sie wiederum beruflich brauchen können. Die Gespräche haben mich in jedem Fall fasziniert und ich freue mich, dass die nächste Generation wohl noch nicht ganz abgeschrieben werden muss.

Einen Kommentar konnte ich dank des Moderators an besagtem Abend nicht mehr anbringen, deshalb jetzt hier: neben der Möglichkeit, Schule in idealen Rahmenbedingungen mitgestalten zu können, kann auch Widerstand eine wertvolle Motivationsquelle sein. In diesem Sinne: packen wirs an!

2 Gedanken zu „Andere Schule im Wandel der Zeit“

  1. Wow-Pin: 2390,00 € pro Monat will das Projekt „Klassenzimmer unter Segeln“. Dafür gibt es dann auch T-Shirts und ein Cap. Ich krieg mich fast nicht mehr. Wer kann sich sowas leisten und, wenn man sich sowas leisten kann, benötigt man dann wirklich eine staatliche Unterstützung für so ein Projekt. Wie ich lese sind die Mitarbeiter für die Mitarbeit freigestellt, die Projektbetreuung liegt bei einer staatlichen Universität. Dafür werden dann gelangweilte Oberschichtskinder in die Karibik gekarrt. Wow-Pin, echt. Hobby zum Beruf machen. Und wenn ich schon „Sporthochseeschifferschein mit Traditionsschifferpatent“ lese. Arrrgh. Das ursprünglich eingesetzte Schiff, die „Thor Heyerdahl“ wurde letztes Jahr von der See-Berufgenossenschaft wegen Sicherheitsmängeln übrigens aus dem Verkehr gezogen. Gott sei Dank sind die Holländer liberaler, so kanns dieses Jahr weitergehen. Bis den ersten Schratz der Hai frisst.

  2. Leuchtturmprojekte werden die Masse der Schulen nie weiterbringen. Veranstaltungen wie die „Schule…anders machen!“ fördern allerdings die Projektion der Ideen auf gerade solche Leuchttürme. HInterher haben wir alle das Gefühl, dass es ja gute Ideen gibt und man nur die positiven Versuche würdigen muss – was vermutlich ein Grund ist, weshalb sich in der Masse kaum etwas ändert. Btw: Wir müssen was an der Namensgebung einer bestimmten Schule ändern. Das liegt seit mehr als zehn Jahren auf Wiedervorlage.

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