Bloß kein Eisberg

Das weltbeste Kreuzfahrtschiff, die deutsche, unter Bahamas Flagge fahrende  MS Europa (12 Tage ab 5000€), wurde in Sydney wegen „Operational readiness of lifesaving appliances“ für einen Tag an die Kette gelegt (Nachricht ist leider nur unvollständig, da man Abo braucht, Details zur Hafenstaatskontrolle hier und dann den Dampfer suchen). Schon blöd, wenn man jede Menge Kohle für eine 5 Sterne de Luxe Reise hinlegt und sich noch nicht mal darauf verlassen kann, dass die Rettungsboote zu Wasser gelassen werden können. Auch eine schöne Metapher für unsere derzeitige Finanzkrise.

Lustig in diesem Zusammenhang ist auch, dass die selbe Reederei im Dezember 2008 „äußerste Vorsicht walten ließ“ und medienwirksam 246 Passagiere der MS Columbus vom Jemen nach Dubai ausflog, um sie nicht den Gefahren von Piraterieattacken auszusetzen. Sehr fürsorglich. Über die Merkwürdigkeit im Zusammenhang mit den Rettungsbooten konnte ich hingegen noch nichts in der deutschen Presse lesen.

Kann das alles wahr sein? II

„Kann das alles wahr sein?“ habe ich vor anderhalb Monaten gefragt. Aber die Geschichte über die angebliche Phantommörderin von Heilbronn, die der Stern recherchiert hat, bestätigt wieder meine Einschätzung über die deutschen Sicherheitsbehörden und es macht mich glücklich eben diese verlassen zu haben.

Die genetischen Daten der ‚unbekannten weiblichen Person‘, das sogenannte Heilbronner Phantom, waren seit 15 Jahren an mehreren Tatorten in Europa asserviert worden, so auch bei dem Polizistenmord in Heilbronn. Und jetzt stellt sich wohl heraus, dass die DNS einer Mitarbeiterin bei einem Laborbedarfhersteller gehört.

Fehler macht jeder, auch die Polizei, aber die Misstrauenskultur und Selbstüberschätzung des Apperates, wie ich es selbst auch erleben durfte, führt dazu, dass man mit Fehlern nur unzulänglich umgehen kann. Dazu kommt noch die föderale Struktur, jeder kocht sein eigenes Süppchen, alle haben eigene Labore, unterschiedliche Rechtsauffassung usw, usw.

Ein systematisches, bundesweites Fehlermanagement bei der Polizei wäre doch mal ein Anfang. Root-Cause Analyse nennt man sowas neudeutsch. Statt immer mehr Grundrechte einzuschränken und Datenbanken, deren Nutzen fraglich sind, wäre eine nachhaltige Professionalisierung der polizeilichen Arbeit wünschenswert und würde viel mehr bringen. Aber solange es auf jeder Dienststelle noch unten abgebildete mechanische Ausrüstung gibt, und das ist, zumindest in dem Bundesland in welchem ich tätig sein durfte kein Klischee, ist so etwas wie modernes Qualitätsmanagement wahrlich Zukunftsmusik.

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Quelle: Wikipedia (Arnoldius)

via: law blog


Nachtrag: Der Baden-Württembergische Justizminister hat den Fehler eingestanden. Sein Kollege aus dem Innenresort traut der Sache nocht nicht ganz. Jetzt bin ich gespannt was aus dem Leiter der ‚SoKo Parkplatz‘, Frank Huber, wird. Das Stern-Interview von Dezember 2008 ist mit Blick auf die jetzt gewonnenen Erkenntnisse grandios:

Stern: Was macht Sie optimistisch, dass Sie die UWP finden werden?

Huber: Wir haben eine DNA-Spur und somit eine individuelle Zuordnungsmöglichkeit. Es ist sehr viel Bewegung in dem Fall. Es ist nur eine Frage der Zeit. Die Glücksträhne der Person wird irgendwann einmal vorbei sein, da bin ich mir sicher.Quelle: Stern

Dezember 2008! Laut Aussage des Justizministers wurde die Möglichkeit mit den Wattestäbchen schon seit April 2008 intensiv untersucht. Das passt wieder alles ins Bild.

Übliches Prozedere wäre ihn jetzt in die polizeiliche Aus- und Fortbildung zu stecken. Da kann er am wenigsten falsch machen, so die herrschende Meinung im polizeilichen Alltag. Schließlich ist er unkündbar.

Nachtrag 2: Auch meine ehemalige Interessensvertretung übt sich in klassischer Polizeimanier. Schuld sind immer die anderen. Demonstranten, Links-, Rechtsradikale, Politiker, Eltern, Computerspiele. In diesem Fall eben die Fehler der Hersteller von Laborprodukten, die zu „einem Berg unnützer Arbeit für die ermittelnden Kollegen geführt haben„.

Hooray für South Park

Endlich. Die dreizehnte Staffel von Southpark läuft. Bösartiger und besser als Simpsons wird ein sehr kritischer Blick auf die amerikanische Gesellschaft  geworfen. Fand ich die ersten Staffeln einfach nur derb und selten wirklich lustig, so sind die Jungs mit der Zeit noch derber, aber auch gehaltvoller, aktueller, bösartiger und unterhaltsamer geworden. In der ersten Folge der neuen Staffel wird die Doppelmoral des Disney-Konzerns hübsch aufs Korn genommen, Stichwort Sexualisierung der Jugend. Der Konzernchef persönlich muss eingreifen um die schönen Profite zu schützen :)
the-boss
©2009 South Park Digital Studios LLC.

Ich bewundere die beiden Macher von Southpark, Trey Parker und Matt Stone, für ihre Kreativität, für ihren Zynismus und wohl auch für ihren Mut sich in Amerika so mit ziemlich jedem anzulegen der Rang, Namen und Einfluß hat. Mut hat sicherlich auch die Entscheidung gekostet, sämtliche Folgen von South Park Online zu stellen. Gleich nach der Ausstrahlung kann man sich legal, kostenlos, in HD und unsynchronisiert  für eine Woche die aktuellste Folge auf www.southparkstudios.com anschauen. Zwar verschwindet sie dann aus rechtlichen Gründen für einige Wochen wieder aus dem Netz, kommt daraufhin aber wieder.  Und bleibt. Kostenlos. Ich hoffe diese Einstellung setzt Zeichen wie moderne Verwertung im Netz aussehen kann.

Wer Lust bekommen hat und falls mal wieder ein verregnetes Wochenende vor der Türe steht, ein guter Einstieg sind die ‚Best Espisodes‘ auf der englischen Wikipedia.

Interview mit Krisenvorsorge

Vor einigen Tagen habe in einem  Beitrag über krisenvorsorge.com berichtet. Der Betreiber der Webseite, Herr Gerhard Spannbauer, hat noch am selben Tag den Eintrag heftig kritisiert. Ich habe ihm per Mail geantwortet und ihn gefragt, ob er nicht ein paar Fragen zu seiner Webseite beantworten möchte. Netterweise hat er eingewilligt. Spannend ist es leider nicht geworden.


FH: Die Banken, Finanz- und Wirtschaftskrise ist in aller Munde, Medien und Politiker beratschlagen die besten Lösungen wie Unternehmen und Arbeitsplätze zu retten sind, sie gehen ein Stück weiter und geben Überlebenstipps. Woher dieser Fatalismus?

GS: Wenn man sich die weltweiten finanziellen Verwerfungen und die schier unendliche Verschuldung in Kombination mit der heutigen just-in-time Logistik anschaut, zwingt sich dies förmlich auf. Wir leben in einer scheinbar sicheren Welt, die aber bei weitem nicht so sicher ist wie sie wirkt. Leider sind wir alle aufgrund der letzten Jahrzehnte sehr verwöhnt und können uns Störungen in unserer „heilen“ Welt kaum vorstellen. Wenn aber die Grundlagen – das Geldsystem – total pervertiert ist, droht großes Unheil. Mittlerweile hört man meine Ansicht auch von anderen fundierten Quellen.

FH: Viele dieser Quellen stammen aus dem Kopp-Verlag, dem „Verlag und Fachbuchversand für Enthüllungsliteratur, Verschwörungen, unterdrückte Informationen und Erfindungen und Geheimgesellschaften“ mit Büchern wie „UFOs – die unerwünschte Wahrheit“ oder „Sehen Tote wirklich ALLES?“. Ein Verlag der, vorsichtig ausgedrückt, nicht den seriösesten Ruf hat. Belügen uns die konventionellen Medien?

GS: Ich sage seit Monaten, wer die Entwicklung und die Krise jetzt nicht erkennt und ernst nimmt, dem kann weder ich noch andere helfen. Ich will keinen überreden oder bekehren, sondern auf eine reale Gefahr hinweisen. Spätesten in drei Monaten werden auch die letzten Zweifler erkennen müssen, wie brisant die Gesamtsituation ist.

FH: Gibt es Erfahrungen die zur Erstellung der Seite führten?

GS: Als ich vor Jahren begann mich mit der aufziehenden Finanzkrise zu beschäftigen, war mir schnell klar, dass wir es diesmal mit etwas größerem zu tun haben und das eine finanzielle Vorsorge alleine nicht reicht. Jeder der sich die Fakten einmal genauer ansieht wird leicht zu ähnlichen Schlüssen kommen.

Möglichweise glauben Sie den Beschwichtigungen und Prognosen der Politiker, aber schauen Sie mal sechs Monate zurück. Damals sagte Herr Steinbrück z. Bsp. „es wäre ein amerikanisches Problem“ und „unsere Banken sind besser aufgestellt“.

FH: In ihrem Beitrag „Die wirklichen Ursachen der Finanzkrise“ schreiben sie

„Eine Clique superreicher Familien (Rockefeller, Rothschild, Morgan und weitere) arbeitet seit Generationen daran, die Welt unter ihre Kontrolle zu bringen und hat dieses Ziel dadurch erreicht, dass es ihr gelang, sich das weltweite Finanzsystem unter den Nagel zu reißen“

Das ist geradezu die klassische New World Order Verschwörungstheorie. Macht man es sich mit solchen Erklärungen nicht zu einfach, ist die Welt nicht vielleicht doch komplexer als solche Theorien glauben machen wollen?

GS: Bereits seit Jahrhunderten spielen mächtige Familien eine nicht unbedeutende Rolle in der Politik und dem Weltgeschehen. Alleine wenn man sich die Eigentümerstruktur der größten privaten Notenbank, der FED, ansieht, zwingt sich dieser Schluss auf.

FH: Zum einen ist das Federal Reserve System keine private Notenbank sondern teilstaatlich, die beteiligten Banken sind verpflichtet am System der FED teilzunehmen. Von daher ist die Eigentümerstruktur vorgegeben. Das die FED an der derzeitigen Krise sicherlich eine nicht unbedeutende Teilschuld hat ist unbestritten und wird direkt mit ihrem ehemaligen Vorsitzenden Alan Greenspan in Zusammenhang gebracht. Die Geschichte von den mächtigen Familien, die im Hintergrund die Fäden spinnen, ist doch schon von den Nationalsozialisten und ihren Protokollen der Weisen von Zion angeführt worden und heute hinreichend widerlegt. Was hätten diese Kreise von einer weltweiten Krise, warum sollten sie sich das weltweite Finanzsystem erst unter den Nagel reißen und dann alles kollabieren lassen?

GS: Die mächtigen Familien kaufen jetzt mit aus dem Nichts geschaffenen Geld Realwerte wie Rohstoffe, Immobilien, Nahrungsressourcen und werden nach dem Zusammenbruch viel reicher und mächtiger sein. Mit dieser macht werden wie – wir es bspw. nach dem inszenierten 11. September oder dem ominösen Kampf gegen Terror gesehen haben – neue Überwachungsgesetze und Drangsalierungen unserer Freiheit erleben.

FH: Sie empfehlen die Schweiz als sicheren Hort für Geld und Gold, namentlich sogar eine Raiffeisenbank im Grenzgebiet. Warum sollte gerade die Schweiz, die wegen ihres großen Finanzsektors heftig durch die Krise getroffen wird, der sicher Hafen sein? Wird nicht, wenn die globale Krise so eintritt wie sie es beschreiben, die ganze Welt in Trümmern liegen?

GS: Ich empfehle die Schweiz für ein privates Schließfach. Die Schweiz liegt räumlich nahe und akzeptiert noch privaten Besitz, was mir in Deutschland und der EU nicht der Fall zu sein scheint. Die Krisenvorsorge sollte meiner Meinung nach auf verschiedenen Beinen stehen und die Schweiz ist ein Teil dieser Strategie. Sollte die Welt tatsächlich völlig in Trümmern liegen, würde dies möglicherweise wenig helfen. Sollte es aber nicht ganz so schlimm kommen, könnte dies ein wichtiger Hort fürs Geld und ganz besonders fürs Gold sein. In Deutschland kann man sich leicht ein Goldverbot wie damals in den USA vorstellen.

FH: Auf ihrer Webseite betreiben sie einen Shop. Hier verkaufen sie auch Goldbarren, bezeichnen sie als „Rettungsboote“ und schreiben von hoher Nachfrage und langer Lieferzeit. Zwar ist der Goldpreis tatsächlich gestiegen, aber von Lieferengpässen ist mir nichts bekannt. Zudem verkaufen sie den 100g Goldbarren mit deutlichem Aufschlag. Laut Sortenkurs vom 25. Februar beträgt ihr Aufschlag über 400 Euro, das sind 15%. Finden sie es nicht ein wenig unmoralisch mit der Panik, die auf ihrer Webseite durchaus geschürt wird, Geld verdienen zu wollen und dann auch noch mit Zuschlägen?

GS: Ich betreibe auf meiner Seite einen Shop, weil mich viele Leser immer wieder fragten, wo sie all die beschriebenen Dinge herbekommen. Gold ist bei uns teurer, weil wir es aus der Schweiz einführen und infolgedessen einen hohen Aufwand mit den Devisenkosten, dem Transport etc. haben. Fakt ist, dass Sie bei vielen Banken und Edelmetallhändlern aufgrund der hohen Nachfrage oft kein Gold sofort mitnehmen können. Wir liefern sofort und unseren Käufern ist dieser Vorteil einiges wert. Jeder kann die die Preise vergleichen und keiner muss bei uns kaufen.

FH: Auch Waffen sind in ihrem Shop käuflich zu erwerben. Deutschland hat ja schon einige Krisen gemeistert, ohne dass es zu blutigen Bürgerkriegen kam. Finden sie es nicht übertrieben die Bürger zur Bewaffnung aufzurufen?

GS: Ich habe mich bei Selbstverteidigungsexperten erkundigt und allein der Glaube, dass man nicht wehrlos da steht ist eine Menge wert. Angesichts der Tatsache, dass wir in einem sehr dicht besiedelten Land leben, vor tiefen strukturellen Einbrüchen stehen und die meisten völlig unvorbereitet getroffen werden, erscheint mir die Wahrscheinlichkeit für Übergriffe als sehr hoch. Ich sitze nicht wehrlos da und lasse mir von einem Rudel Rumtreiber mir meine Vorräte klauen.

FH: Neben einigen klassischen Selbstverteidigungsgerätschaften wie Pfefferspray und Elektroschocker, die sie in ihrem Shop anbieten, ist aber ihr Mittel der Wahl zur Selbstverteidigung die Armbrust. Ich durfte in meinem beruflichen Leben einige Erfahrungen mit Schusswaffen zur Selbstverteidigung und Gefahrenabwehr machen. Armbrüste scheinen mir da eher ungeeignet, zum Zwecke der Selbstverteidigung schon fast gefährlich zu sein. Wieso dieser Hang zur Armbrust?

GS: Ich will mir die Vorgenannten vom Leibe halten und da erscheint die Armbrust als recht praktisch. Vor allem, weil damit gezielte Warnschüsse abgeben kann. Ideal hat man mehr als eine Armbrust, so kann die zweite immer von einem anderen geladen werden.

FH: Ich habe ein wenig den Eindruck, sie bereiten die Folgen der Krise vor, wie andere Leute auf den großen Familienurlaub. Checklisten, Rucksack, Waffen. Man könnte fast denken, sie freuen sich ein bisschen darauf?

GS: Sie können mir glauben, ich würde viel dafür geben, wenn ich wüsste, ich kann friedlich schiedlich weiter leben und müsste mir auch hinsichtlich der Zukunft meiner Kinder keine Sorgen machen. Allerdings zeigen die aktuellen Pleiten und Milliardenlöcher, die umfangreiche Kurzarbeit und die Stellenstreichungen, dass es bergab geht und demnächst noch manch andere Grenze nach unten gerissen wird.

Ich habe eine kleine Immobilien GmbH und sehe dort wie auch bei vielen Partnern, wie das geschäftliche Umfeld sich extrem verschlechtert.

FH: Im Internet, so auch bei den Kommentaren zu ihrem Buch „Wie man sein Einkommen mit weniger Aufwand verdoppelt“ werden sie als Scientologe bezeichnet. Auf dieser Webseite werden sie namentlich genannt und als Teilnehmer an einigen Scientology-Kursen geführt. Sind sie Scientologe? Steckt Philosophie von L. Ron Hubbard hinter krisenvorsorge.com?

GS: Ich war über Jahre bei Scientology und habe dort Kurse und Seminare besucht. Vor Jahren bin ich dort weggegangen, weil ich mit dem aktuellen Vorgehen von Scientology nicht einverstanden bin. Scientology hat mit der Krisenvorsorge nichts zu tun und steckt auch nicht dahinter. Ich bin und war nicht Mitarbeiter bei Scientology und auch niemals, wie manchmal im Netz behauptet wird, ein „hohes Tier“ bei Scientology.

FH: Darf ich fragen, mit welchem konkreten „aktuellen Vorgehen“ von Scientology sie nicht einverstanden waren?

GS: Scientology hat sich von den Lehren Ihres Gründers entfernt und praktiziert nicht das was sie vorgibt.


Lost and found

Ganz so viel wars bei mir nicht. Aber ich gebe zu, ich werde alt reif. Und da wird man ja noch vergesslich werden dürfen. Jedenfalls habe ich in der S-Bahn die Hemden vergessen, die ich gerade frisch von der Reinigung geholt hatte. Die lästige Aufgabe des Waschens und insbesondere Bügelns habe ich nämlich seit zwei Jahren outgesourced. Ein feiner Dienstleister. Warum lasse ich sie liegen? Es ist spät, ich bin müde, war zu lange im Büro. Na toll. Ich merke es gleich, als die Türen zugehen. Aber die sind ja nunmal schon zu.

Das mit dem Vergessen könnte natürlich nicht passieren, wenn ich die Hemden nur von der eigenen Waschmaschine ins Bügelzimmer (ist nur ein Scherz) tragen müßte. Aber hinterher ist man immer schlauer. Also die Hemden weg. Sieben Hemden à EK 40 Euro, macht knappe 300 Euro für den Ofen. Weil ich Realist bin, rechne ich nicht mit einem guten Ende. Und überlege schon, wie ich den Büroalltag mit den verbleibenden Hemden bestreiten soll.

Trotzdem ein Blick auf die Webseite der Bahn. Sieben Tage Zeit habe ich also, nach Wuppertal ist es schließlich etwas weit. Anrufen kommt wegen der attraktiven 0900-Hotline nicht in Frage. Also schleiche ich demütig drei Tage später am Hauptbahnhof vorbei, vorbereitet auf Nummer ziehen, unfreundliche Behandlung, lange Schlangen und natürlich ein negatives Ergebnis.

Aber siehe da: nur ein Kunde vor mir, dann die einfache Frage, was ich denn suche. Keine Nummer, kein Formular, kein Argwohn. Ich beschreibe die Fundsache, rechne mit einem komplizierten Verfahren und einer schriftlichen Benachrichtigung. Stattdessen geht sie in den Nebenraum, bringt gleich meine Hemden: „sans des?“ „Des sans!“ Ich fülle noch eine Karte aus und gehe zufrieden mit meinen sauberen Hemden nach Hause. Es gibt sie, die guten Seiten der Bahn!

Der Staat und die Gewalt

SPON berichtet über den Übergriff eines Polizeibeamten auf eine 15jährige, die nach der Fahrt mit dem als gestohlen gemeldeten Auto ihrer Eltern vorläufig festgenommen worden war.

Wenn man auf dem Video sieht, mit welcher Brutalität der Polizist auf das Mädchen losgeht, muss man sich schon fragen, ob er für diesen Beruf geeignet ist. Die Provokationshandlung (unwilliges Schleudern des Schuhs) wirkt nicht besonders aggressiv, die Bilder von seinem engagierten Eingreifen dagegen schon. Ich war nicht dabei, und der Polizeiberuf ist sicher nicht geschenkt immer einfach. Aber das Gewaltmonopol des Staates halte ich schon für so bedeutend, dass die Staatsmacht verantwortungsvoll damit umgehen sollte. Deshalb ist es wichtig, dass der Vorfall untersucht wird und folgerichtig, dass der Beamte suspendiert und angeklagt wurde. Besonders erschreckend finde ich die Gewalt, mit der er das Mädchen an den Haaren zu Boden wirft und dann noch auf die völlig Wehrlose einschlägt. Sein Azubi-Kollege macht als williger Helfer auch nicht die beste Figur, aber das ist wohl sozialer Druck in Reinform. Jedenfalls kann er froh sein, dass sie keinen Atemstillstand bekommen hat, sonst ginge es jetzt wohl um etwas mehr als ein Jahr Haft…