Die Scheinheiligen und das Leben

Nun ist sie also zurückgetreten. Margot Käßmann, bisher Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Landesbischöfin in Hannover, wird nach ihrer Autofahrt unter Alkoholeinfluss nun wieder an der Kirchenbasis tätig.

Was war passiert? Am Samstag war Käßmann privat unterwegs, mit ihrem Dienstwagen. Interessant, dass viele Medien betonen, dass es sich um einen VW Phaeton handelt. Was ist die Botschaft? Ich kann mich nur bei Lady Diana und bei Jörg Haider (witzig: auch ein Phaeton, schlechtes Charma für den Aktienkurs) erinnern, dass die Automarke so spannend war. Wen interessiert das, wo es doch nicht um die Sparsamkeit der Evangelischen Kirche, sondern um moralische Verfehlungen im Amt geht? Im Phaeton also überfährt sie eine rote Ampel und wird von der Polizei gestoppt. Die läßt auf dem Revier eine Blutprobe nehmen, Ergebnis: 1,54 Promille Alkohol im Blut. Laut Süddeutscher Zeitung von heute steht, sie habe ihren Fahrer nach Hause geschickt und das Auto nicht stehen lassen, obwohl sie getrunken habe. Außerdem sei sie mit einem männlichen Begleiter unterwegs gewesen. Soso.

Dann geht es los. Käßmann äußert sich zunächst nicht wirklich, sagt aber alle Termine ab. Die Kirche stellt sich vor sie.  Am Mittwoch erklärt sie dann in Hannover: „Bleibe bei dem, was dir dein Herz rät. Und mein Herz sagt mir ganz klar: Ich kann nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben. (…) Aber mir geht es neben dem Amt auch um Respekt und um Achtung vor mir selbst und um meine eigene Geradlinigkeit, die mir viel bedeutet. Hiermit erkläre ich, dass ich mit sofortiger Wirkung von allen meinen kirchlichen Ämtern zurücktrete.“

Nochmal: was ist passiert? Sollte man betrunken Auto fahren? Natürlich nicht. War es eine kluge Entscheidung? Nein. Kann das jedem passieren? Ja. Stellen wir besonders hohe moralische Ansprüche an die oberste deutsche Protestantin? Sicher. Ist es eine Schwäche, jetzt zurückzutreten? Im Gegenteil. Respekt vor der Entscheidung und Respekt vor dem Umgang mit dem eigenen Fehler. Da könnten sich die Katholiken in Sachen Schweinkram mal ein Beispiel nehmen. Dagegen ist Käßmanns Fehler eine Lappalie.

Menschen machen Fehler und kein Amt macht Menschen perfekt, eher im Gegenteil. Margot Käßmann war klar, laut und unbequem in ihrer Arbeit und ihrer Botschaft. Sicher sind nicht alle traurig über ihren Rücktritt. Nur nebenbei: Warum genau durfte Otto Wiesheu trotz ähnlicher Panne weiter Karriere machen? Und warum ging es bei Herrn Althaus nicht gleich um Rücktritt? Ich vergaß, das sind ja Politiker, da rechnet niemand mit moralischer Integrität.

Wenn Margot Käßmann also ernst meint, was sie in ihrer Rücktrittserklärung gesagt und geschrieben hat, lohnt es sich, diese Frau mal persönlich kennenzulernen. Und sollte sie für die Kirche nicht mehr gut genug sein: In der Politik geht sicher was. Vielleicht als Nachfolgerin für Herrn zu Guttenberg? In Sachen Afghanistan hat die Pastorin schließlich eine Kompetenzvermutung.

Nicht nur aus Butter kann man Berge bauen

Mülltrennung ist ja ein durch und durch deutsches Thema. Wohl keine andere Nation sortiert mit so viel Hingabe bereitwillig 17 Sorten Kunststoff, trennt Windeln von Teebeuteln und spült auch gerne mal ein Tetrapak aus, bevor es in den gelben Sack kommt. Auch mit Überproduktion haben wir so unsere Erfahrungen, den Agrarsubventionen sei dank. Zuletzt sorgten die Milchbauern für Aufsehen, als sie die gute Milch in den Gully kippten, die niemand angemessen vergüten will.

Nun also haben wir einen neuen Butterberg: Es ist reichlich Impfstoff gegen die Neue Grippe übrig. Freunde, seid ihr noch zu retten? Kann das alles wahr sein? Erst Panik, der Impfstoff komme viel zu spät, es seien zudem viel zu wenig Impfdosen geordert worden (böse Industrie, böse Behörde). Dann kommt der Impfstoff, ist aber für Risikogruppen unverträglich und irgendwie auch nicht so richtig qualitätsgesichert, wird schon schiefgehen (böse Industrie). Und außerdem kann Spitzenpolitikern und Schlüsselfunktionen selbstverständlich nicht der reudige Impfstoff zugemutet werden, den das gemeine Volk bekommt (böse Behörde). Dann ist der Impfstoff da, aber keiner geht hin (böses Volk!). Und überhaupt, kann niemand sagen, ob die Impfung denn nun hilft und ob Grippe oder Impfstoff gefährlicher sind (böse Ärzte, böse Industrie). Manch einer soll während des Abwegens vom Blitz getroffen worden sein (böser Blitz, böse Stochastik).

Dann kommt alles erstmal weniger schlimm als erwartet mit der Rüsselseuche (alle habens natürlich vorher gewußt, böse Behörde) und der feine Impfstoff wird ja nun nicht besser (böse Industrie). Gut, dass da schnell eine Lösung gefunden wird. Der böse Hersteller, der hergestellt und geliefert hat, was bestellt wurde, soll die Ladenhüter gefälligst zurücknehmen. Was auch sonst? Wie kann die böse Industrie glauben, die böse Behörde hätte wirklich das haben wollen, was sie bestellt hat? Dann hätte sies doch gesagt. Und überhaupt, Schwamm drüber und weg mit dem Schrott. Und zwar per Erwachsenen-Ebay nach Iran und in den Kosovo. Die Menschen dort warten sicher schon auf diesen Segen. Es ist wie immer: Die böse Behörde kann sich hier ein Verhalten leisten, das dem Endverbraucher in der Regel nicht zusteht. Oder kann ich Medikamente umtauschen? Dann würde ich gern ACC gegen richtig harte Sachen tauschen. Meine Tabletten dürfen dafür gerne in Drittländer verklappt werden, am besten ohne Chargenkennzeichnung und Beipackzettel, das macht nur Ärger.

Ach ja, und wenns nicht klappen sollte mit dem nationalen Abwracken der Glaswaren: Weißglas darf in den Container, aber die Flüssigkeit gehört vorher entsorgt. Und bitte nicht in der Spüle, sondern beim Giftmobil, gell? Außerdem gehört der Alurand abgetrennt und auch der Kunststoff, durch den die Nadel sticht, gehört sortenrein entsorgt. Da müßte man nochmal im Beipackzettel lesen, ob das nun PE oder PET ist, sicher ist sicher.

Ein hervorragender Beitrag zu politischer Glaubwürdigkeit und ein leuchtendes Zeichen souveränen Krisenmanagements. Hallo? Gibt es auf diesem Planeten einen Entscheider, dem das peinlich ist? Der- oder Demjenigen bin ich für einen Kommentar zu diesem Artikel dankbar.

„Das ist Deutschland hier“ – na denn Prost!

Ich weiß, ich bin wieder spät dran, da waren andere schneller. Aber es ist mir ein Anliegen. Unser potenzieller künftiger Außenminister Guido Westerwelle hat sich in der Pressekonferenz nach der Bundestagswahl gleich mal mit Ruhm bekleckert. Da sollte man doch mal laut über das Kompetenzprofil für gewisse Ämter nachdenken dürfen. Ich jedenfalls möchte mich von Ihnen nicht vertreten lassen, sehr geehrter Herr Westerwelle. Schon gar nicht im Ausland.

Was war passiert? In der Pressekonferenz fragt der Kollege der BBC höflich, ob er seine Frage auf englisch stellen dürfe, sicher nicht ohne Grund. Daraufhin druckst Westerwelle herum, weil er dies nicht möchte und verweist auf die Gepflogenheiten auf deutschen Pressekonferenzen. Die BBC fragt daraufhin auf deutsch, bekommt eine banale Antwort. Dann schiebt Westerwelle nach, man könne sich gerne mal zum Abendessen treffen und dort nur englisch sprechen. Offenbar wars ihm selber peinlich…

Nun ist es formal sicher korrekt, auf der Amtssprache zu beharren. Und man wird dem unverhofften Wahlsieger eine gewisse Nervosität zubilligen müssen angesichts dieses historischen Ereignisses. Von Souveränität eines künftigen Außenministers und Vizekanzlers zeugt der Lapsus indes nicht. Er wirkte richtig unbeholfen. Ich habe mich jedenfalls fremdgeschämt!

Über die Qual 14 Tage vor der Wahl

In zwei Wochen soll ich mal wieder Weichen stellen, Verantwortung übernehmen und die Menschen wählen, die meine Interessen im Bundestag vertreten sollen. Wen aber soll ich denn nun beauftragen? In den Medien habe ich den Eindruck, dass die Politik letztlich viel tut, aber wenig bewegt. In der weltweiten Krise hatte letztlich niemand eine Lösung. Stattdessen wurde viel öffentliches Geld sinnlos ausgegeben, um die Symtome zu bekämpfen und die Wähler zu beruhigen, statt die Ursache langfristig zu beseitigen.

Sollte ich also nicht zum Wählen gehen? Eine gute Ausrede hätte ich, schließlich bin ich am Wahlsonntag fern der Heimat. Aber nein, da war ja was. Diese Kombination aus Naivität, demokratischen Idealen und Sorge vor den Extremen. Wählen ist erste Bürgerpflicht. Spießig, aber vermutlich richtig. Nicht wählen ist schließlich auch keine Lösung. Und weil ich mich nunmal nicht um alles selbst kümmern kann und auch noch keine der Parteien angerufen und mir ein Mandat angetragen hat, werde ich wohl doch wieder jemanden nach Berlin schicken müssen.

Wer hilft mir bei der Entscheidung?

Wahlplakate zur Bundestagswahl 2009
Wahlplakate zur Bundestagswahl 2009

Wie gut, dass an jeder Ecke diese informativen Plakate hängen. Sie zeigen mir meine Alternativen auf. Wenn ich die obigen Plakate (aufgenommen an meinem S-Bahnhof) sehe, kann ich mich wohl nur zwischen Leid und Elend entscheiden. Was sollen diese Plakate bewegen? Entweder abgedroschene Phrasen oder Gesichter, die ich vermutlich nie mehr sehen werde. Besonders fein die beiden Kandidaten, denen es offenbar vor lauter Wahlkampfstress nicht mehr möglich war, zum Friseur zu gehen oder sich zumindest zu rasieren. Wäre schon interessant zu erfahren, wie viele Stimmen auf solche Plakate zurückzuführen sind. Um es klarzustellen: meine Stimme habt ihr dadurch nicht bekommen!

Ich fühle mich jedenfalls von den Parteien im Stich gelassen. Ich denke, dass wir da einen gigantischen Demokratieapparat unterhalten, der letztlich nur einen Mangel verwaltet und keinen echten Gestaltungswillen hat. Letztlich geht es immer darum, wiedergewählt zu werden. Das verhindert richtige ebenso wie mutige und kluge Entscheidungen und sorgt für Politikverdrossenheit bei allen, die den Teufelskreis durchschauen.

Das Privileg würdevollen Alterns

Vor allem in der großen Politik gibt es ja allerlei Experten für Soziales. Dabei spielen laufend die Struktur der Sozialversicherung für Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung und natürlich der demographische Wandel eine große Rolle. Wenn man die Euphemismen wegläßt, bleibt vor allem eine Frage übrig: Wer soll das bezahlen.

Abseits von banalen betriebs- und volkswirtschaftlichen Fragestellungen geht es aber bei jedem Betroffenen vor allem um eine Geschichte, ein Schicksal. Ich habe kürzlich meine Oma im Altenheim besucht, weil meine Eltern im Urlaub waren. Bislang habe ich es immer irgendwie für selbstverständlich gehalten, dass sie sich um sie kümmern. Aber der Reihe nach. Meine Großmutter ist zarte 97 Jahre alt und erzählt schon gefühlte 15 Jahre, dass sie sterben möchte. Das kann an körperlichen Gebrechen liegen, am Tod ihres Mannes vor 25 Jahren oder daran, dass sie zwei Weltkriege und allerlei andere Tragödien erlebt hat und einfach nicht mehr möchte. Seit über zehn Jahren lebt sie in unserer Nähe im Altenheim. Das war eigentlich ein guter Plan. Als sie die Treppen in ihrer Wohnung nicht mehr steigen konnte, mußte eine barrierefreie Wohnung her. Die Lösung: Der Wohnbereich im Altenheim, mit eigenen Möbeln und mitten unter Menschen. Gut, das mit den Menschen hat ihr nie so richtig gefallen, war aber ein akzeptabler Kompromiss.

Der Wohnbereich ist so konzipiert, dass die Bewohner im Prinzip mit zunehmendem Alter und zunehmender Pflegebedürftigkeit im selben Raum bleiben und nach ihrem individuellen Bedarf betreut werden können. So weit, so gut. Mit der Zeit kamen immer mehr körperliche Einschränkungen, Pflegestufe 1 und 2 und vor einiger Zeit dann auch eine heftige Demenz und massiver Gewichtsverlust. Irgendwann dazwischen hat sie dem Altenheim einen Zimmerbrand und einen Wasserschaden beschert und den Bürgermeister aus ihrem Zimmer verjagt, als der ihr zum Geburtstag gratulieren wollte. So ist sie eben, meine Oma. Schließlich ist Alter keine Krankheit, sondern ein Privileg.

Durch die Demenz ist sie in letzter Zeit nicht mehr mobil und erkennt auch außer meiner Mutter niemanden mehr. Sehr bitter, finde ich. Aber wie gesagt, das zieht sehr an mir vorbei, weil meine Eltern sich kümmern und ich sie kaum sehe. Welch Luxus. Meine Eltern also im Urlaub. Anruf meiner Schwester, ob ich sie nicht am Wochenende füttern könne.  Warum wir denn Essen eingeben müßten, wenn das doch das Personal erledigt, wollte ich wissen. Die Leistung sei zwar in der Pflegestufe 2 enthalten, die Pfleger fütterten sie aber nicht, weil sie selber essen könne. Meine Mutter habe zudem die Angst, dass meine Oma vernachlässigt werde, wenn sich die Angehörigen nicht blicken ließen.

Vom feinsten. Weil weder meine Schwester noch ich große Lust auf die Veranstaltung hatten, haben wirs gemeinsam getan. Richtig gehört, meine echte Schwester und ich. So führt meine Oma die Familie zusammen. Was wir dann aber erlebten, hat mich tief bewegt. Das ist Sozialpolitik und Generationenvertrag zum Anfassen. Ich hoffe sehr, dass diese Bilder den politischen Entscheidern präsent sind, wenn sie die Weichen für die Zukunft stellen.

Wir betreten die Station, auf der meine Oma untergebracht ist und finden sie gemeinsam mit zwei anderen Bewohnern im Aufenthaltsraum beim Essen. Personal ist nicht zu sehen. Die anderen beiden sind noch einigermaßen in der Lage, selbst zu essen. Meine Oma sitzt im Rollstuhl vorn übergebeugt am Tisch, die Augen fast geschlossen, die Kleidung sicher nicht von heute. „Sie kann essen“ sieht wie folgt aus: Alle heilige Zeit fährt sie mit einem Finger durch nicht identifizierbares Püriertes und benetzt ihre Lippen mit dem Brei. Im Anschluss fährt sie sich mit der Hand durch die Haare und schüttelt den Kopf. Dementsprechend ist der Brei auf dem Tablett, dem Tisch und in ihren Haaren verteilt. Niemand nimmt Anteil an der Situation. Sie erkennt keinen von uns, auf unsere Ansprache reagiert sie nicht. Ihre Hautfalten bleiben stehen, so ausgetrocknet ist sie. Immerhin läßt sie sich füttern, als wir ihr abwechselnd den Löffel in den Mund stecken oder vielmehr über die Lippen ziehen. Als Ansprache für die drei Kollegen im Aufenthaltsraum läuft übrigens die Wiederholung von „Anna und die Liebe“. Da sag noch einer, die Senioren von heute seien nicht auf der Höhe der Zeit.

Nach dem Essen bringen wir sie in ihr Zimmer. Die Einrichtung erinnert an bessere Zeiten. An Zeiten, in denen sie noch Zeitung und Bücher lesen konnte. An Zeiten, in denen sie noch telefonierte und fernsah. Und die Fotos zeichnen das Bild eines langen, erfüllten Lebens, einschließlich der trashigen Fotos ihrer Enkel aus den 1980er Jahren.

Wir sind beide einigermaßen hilflos in der Situation, versuchen noch eine zeitlang, mit ihr zu sprechen. Schließlich geben wir auf und gehen nach Hause. Personal haben wir bis zum Schluss leider nicht angetroffen.

Mich hat das Erlebnis aus vielen Gründen bewegt. Weil ich es schlimm finde, dass meine Oma so alt werden muss. Weil ich es schlimm finde, dass die Betreuungs- und Lebensqualität im Altenheim so schlecht ist (das ist explizit kein Vorwurf ans Pflegepersonal, das sicher sein möglichstes und angesichts des Gehalts zu viel tut). Weil ich es schlimm finde, dass ihr Aufenthalt dort trotzdem die kompletten Ersparnisse ihres gesamten Lebens aufzehrt. Weil ich es schlimm finde, dass ich es für selbstversändlich gehalten habe, wie meine Mutter sich unermüdlich um sie kümmert. Und weil ich es schlimm finde, dass ich dem hilflos gegenüberstehe.

Da die Gesellschaft immer älter wird und gleichzeitig eine große Finanzierungslüscke klafft, wird es meiner Generation noch deutlich schlechter gehen im Alter. Deshalb habe ich zwei große Wünsche: Erstens, dass wir als Gesellschaft eine Lösung für würdevolles, individuelles Altern finden. Und zweitens, dass mir persönlich ein solches Sterben auf Raten erspart bleibt.

Steilvorlage II

Herr Wiefelspütz, der Politiker mit der neckischen Frisur von der SPD, hat jetzt endlich doch ausgesprochen, was alle schon dachten. Die gegen Kinderpornografie eingerichteten Sperren sollen mittel und längerfristig auf andere „kriminelle Seiten“ ausgeweitet werden.

Im Hintergrund singt leise ein chinesischer Kinderchor „Die Gedanken sind frei“

Sonntag Piraten wählen!

Steilvorlage

Herr Lobo, der Blogger mit der neckischen Frisur, ist zwar noch nicht überzeugt, trotzdem hoffe ich ganz stark, dass der Spitzeneinfall der Innenministerkonferenz nun endlich die Ego-Shooter zu verbieten, schon am Sonntag auch in Deutschland der Piratenpartei neuen Auftrieb gibt.

Das naheliegendste, den privaten Waffenbesitz zu verbieten (auch wenn ich der Meinung bin, dass das beim Thema Amok auch nix bringt, da dann eben mit anderen Mitteln gemordet wird), steht gar nicht zur Debatte. Die Waffen- und Schützenlobby ist zu stark. Bezeichnenderweise ist der Niedersächsische Innenminister Schünemann Mitglied des Schützenvereins Holzminden.  Zudem kann man diese furchtbaren Killerspiele  in der Seniorenrepublik Deutschland auch besser an den Wähler bringen. Alles Teufelszeug.

In Schweden ist die Partei drittstärkste Kraft, dem Pirate Bay Prozess sei Dank. Und in Deutschland fahren die Politiker ja gerade dicke Geschütze in Richtung Freiheit des Netzes.

Die Piratenpartei in Deutschland hat noch einen ziemlichen Nerd-Faktor, Verschwörungstheorien fallen auf fruchtbaren Boden und die Zahl 23 umgibt eine besondere Aura. Nichts desto trotz hat die Partei ein paar wichtige Ideen im Konzept, die zwar weit davon entfernt sind Realpoitik werden zu können, aber der Grundgedanke stimmt. In vielen anderen Bereichen gibt es hingegen noch deutliche Defizite. Aber wie schreibt Reizzentrum so schön:

„Etwaige Folgen meiner Entscheidung in Sachen Familien-, Aussen-, Wirtschafts-, Verteidigungs-, und anderer Politik sind mir scheissegal. Es MUSS etwas geschehen und zwar schnell“

Genau!

Du verträgst keine Satire, Deutschland

Forrest Gump Soundtrack, ein Haufen Prominente, „Du bist Deutschland“. Jeder kennt den Clip:

Ein begabter Student hat den Beitrag persifliert und einen hübschen Film, passend zu Zensursulas KiPo Wahlkampfthematik gemacht.

Du bist Terrorist from lexela on Vimeo.

Schöne Sache. Was passiert? Die hinter „Du bist Deutschland“ stehende Werbeagentur ‚KemperTrautmann‘ droht mit Abmahnung, sollten nicht die Bezüge zur eigenen Kampagne entfernt werden. Der Schuß könnte nach Hinten losgehen.

Kein Einzelfall, einige Tage zuvor wurde eine Sperrseitenpersiflage von Pantoffelpunk nach Aufforderung durch das Bundesverwaltungsamt gesperrt. Die Zeit berichtet ausführlich.

Und all das im Umfeld des 60ten Geburtstages unserer Verfassung. Schönes Geschenk. Es ist zum Heulen in diesem Land. Das sind doch immer nur die Spitzen der Eisberge die hier zum Vorschein kommen. Wieviele Dummheiten der Politiker und anderer Institutionen werden einfach hingenommen, gar nicht mehr registriert? Ach Scheiße.

von hier und hier

Nachtrag: Alexander Lehmann, der Kreative hinter dem Terroristen-Spot, schreibt in seinem Blog, er habe sich mit den Verantwortlichen der Werbefirma geeinigt. Es ging den Werbefuzzismenschen nur um die Kinder. Genau.