Nicht nur aus Butter kann man Berge bauen

Mülltrennung ist ja ein durch und durch deutsches Thema. Wohl keine andere Nation sortiert mit so viel Hingabe bereitwillig 17 Sorten Kunststoff, trennt Windeln von Teebeuteln und spült auch gerne mal ein Tetrapak aus, bevor es in den gelben Sack kommt. Auch mit Überproduktion haben wir so unsere Erfahrungen, den Agrarsubventionen sei dank. Zuletzt sorgten die Milchbauern für Aufsehen, als sie die gute Milch in den Gully kippten, die niemand angemessen vergüten will.

Nun also haben wir einen neuen Butterberg: Es ist reichlich Impfstoff gegen die Neue Grippe übrig. Freunde, seid ihr noch zu retten? Kann das alles wahr sein? Erst Panik, der Impfstoff komme viel zu spät, es seien zudem viel zu wenig Impfdosen geordert worden (böse Industrie, böse Behörde). Dann kommt der Impfstoff, ist aber für Risikogruppen unverträglich und irgendwie auch nicht so richtig qualitätsgesichert, wird schon schiefgehen (böse Industrie). Und außerdem kann Spitzenpolitikern und Schlüsselfunktionen selbstverständlich nicht der reudige Impfstoff zugemutet werden, den das gemeine Volk bekommt (böse Behörde). Dann ist der Impfstoff da, aber keiner geht hin (böses Volk!). Und überhaupt, kann niemand sagen, ob die Impfung denn nun hilft und ob Grippe oder Impfstoff gefährlicher sind (böse Ärzte, böse Industrie). Manch einer soll während des Abwegens vom Blitz getroffen worden sein (böser Blitz, böse Stochastik).

Dann kommt alles erstmal weniger schlimm als erwartet mit der Rüsselseuche (alle habens natürlich vorher gewußt, böse Behörde) und der feine Impfstoff wird ja nun nicht besser (böse Industrie). Gut, dass da schnell eine Lösung gefunden wird. Der böse Hersteller, der hergestellt und geliefert hat, was bestellt wurde, soll die Ladenhüter gefälligst zurücknehmen. Was auch sonst? Wie kann die böse Industrie glauben, die böse Behörde hätte wirklich das haben wollen, was sie bestellt hat? Dann hätte sies doch gesagt. Und überhaupt, Schwamm drüber und weg mit dem Schrott. Und zwar per Erwachsenen-Ebay nach Iran und in den Kosovo. Die Menschen dort warten sicher schon auf diesen Segen. Es ist wie immer: Die böse Behörde kann sich hier ein Verhalten leisten, das dem Endverbraucher in der Regel nicht zusteht. Oder kann ich Medikamente umtauschen? Dann würde ich gern ACC gegen richtig harte Sachen tauschen. Meine Tabletten dürfen dafür gerne in Drittländer verklappt werden, am besten ohne Chargenkennzeichnung und Beipackzettel, das macht nur Ärger.

Ach ja, und wenns nicht klappen sollte mit dem nationalen Abwracken der Glaswaren: Weißglas darf in den Container, aber die Flüssigkeit gehört vorher entsorgt. Und bitte nicht in der Spüle, sondern beim Giftmobil, gell? Außerdem gehört der Alurand abgetrennt und auch der Kunststoff, durch den die Nadel sticht, gehört sortenrein entsorgt. Da müßte man nochmal im Beipackzettel lesen, ob das nun PE oder PET ist, sicher ist sicher.

Ein hervorragender Beitrag zu politischer Glaubwürdigkeit und ein leuchtendes Zeichen souveränen Krisenmanagements. Hallo? Gibt es auf diesem Planeten einen Entscheider, dem das peinlich ist? Der- oder Demjenigen bin ich für einen Kommentar zu diesem Artikel dankbar.

Steilvorlage II

Herr Wiefelspütz, der Politiker mit der neckischen Frisur von der SPD, hat jetzt endlich doch ausgesprochen, was alle schon dachten. Die gegen Kinderpornografie eingerichteten Sperren sollen mittel und längerfristig auf andere „kriminelle Seiten“ ausgeweitet werden.

Im Hintergrund singt leise ein chinesischer Kinderchor „Die Gedanken sind frei“

Sonntag Piraten wählen!

Steilvorlage

Herr Lobo, der Blogger mit der neckischen Frisur, ist zwar noch nicht überzeugt, trotzdem hoffe ich ganz stark, dass der Spitzeneinfall der Innenministerkonferenz nun endlich die Ego-Shooter zu verbieten, schon am Sonntag auch in Deutschland der Piratenpartei neuen Auftrieb gibt.

Das naheliegendste, den privaten Waffenbesitz zu verbieten (auch wenn ich der Meinung bin, dass das beim Thema Amok auch nix bringt, da dann eben mit anderen Mitteln gemordet wird), steht gar nicht zur Debatte. Die Waffen- und Schützenlobby ist zu stark. Bezeichnenderweise ist der Niedersächsische Innenminister Schünemann Mitglied des Schützenvereins Holzminden.  Zudem kann man diese furchtbaren Killerspiele  in der Seniorenrepublik Deutschland auch besser an den Wähler bringen. Alles Teufelszeug.

In Schweden ist die Partei drittstärkste Kraft, dem Pirate Bay Prozess sei Dank. Und in Deutschland fahren die Politiker ja gerade dicke Geschütze in Richtung Freiheit des Netzes.

Die Piratenpartei in Deutschland hat noch einen ziemlichen Nerd-Faktor, Verschwörungstheorien fallen auf fruchtbaren Boden und die Zahl 23 umgibt eine besondere Aura. Nichts desto trotz hat die Partei ein paar wichtige Ideen im Konzept, die zwar weit davon entfernt sind Realpoitik werden zu können, aber der Grundgedanke stimmt. In vielen anderen Bereichen gibt es hingegen noch deutliche Defizite. Aber wie schreibt Reizzentrum so schön:

„Etwaige Folgen meiner Entscheidung in Sachen Familien-, Aussen-, Wirtschafts-, Verteidigungs-, und anderer Politik sind mir scheissegal. Es MUSS etwas geschehen und zwar schnell“

Genau!

Du verträgst keine Satire, Deutschland

Forrest Gump Soundtrack, ein Haufen Prominente, „Du bist Deutschland“. Jeder kennt den Clip:

Ein begabter Student hat den Beitrag persifliert und einen hübschen Film, passend zu Zensursulas KiPo Wahlkampfthematik gemacht.

Du bist Terrorist from lexela on Vimeo.

Schöne Sache. Was passiert? Die hinter „Du bist Deutschland“ stehende Werbeagentur ‚KemperTrautmann‘ droht mit Abmahnung, sollten nicht die Bezüge zur eigenen Kampagne entfernt werden. Der Schuß könnte nach Hinten losgehen.

Kein Einzelfall, einige Tage zuvor wurde eine Sperrseitenpersiflage von Pantoffelpunk nach Aufforderung durch das Bundesverwaltungsamt gesperrt. Die Zeit berichtet ausführlich.

Und all das im Umfeld des 60ten Geburtstages unserer Verfassung. Schönes Geschenk. Es ist zum Heulen in diesem Land. Das sind doch immer nur die Spitzen der Eisberge die hier zum Vorschein kommen. Wieviele Dummheiten der Politiker und anderer Institutionen werden einfach hingenommen, gar nicht mehr registriert? Ach Scheiße.

von hier und hier

Nachtrag: Alexander Lehmann, der Kreative hinter dem Terroristen-Spot, schreibt in seinem Blog, er habe sich mit den Verantwortlichen der Werbefirma geeinigt. Es ging den Werbefuzzismenschen nur um die Kinder. Genau.

Kann das alles wahr sein? III

Es ist zum Mäuse melken: Da hatten wir im März noch eine Nachlese zum Amoklauf von Winnenden veröffentlicht. Und leider gibt es einigen Nachmeldungsbedarf. Nicht nur, dass von der eiligen Diskussion um Gesetzesänderungen wie erwartet nur faule Kompromisse und Peinlichkeiten übrig geblieben sind, jetzt gibt es auch noch einen Bericht zu Schießständen in Schulen. Kein Scherz. Allein 160 sollen es in Nordrhein-Westfalen sein, meldet SPON. Und wer das Bild vom Eisberg kennt, der weiß, was uns bevorsteht.

Das ist doch mal wirklich praktisch und ein echter Kontrast zu den albernen Debatten um Zugangskontrollen, Metalldetektoren und Warneinrichtungen in Schulen. Lassen wir das doch alles und machen wirs den Amokläufern leicht. Waffen und Munition direkt in Schulen zu lagern, verkürzt die Wege und vereinfacht die Logistik. Großes Tennis.

Was kommt als Nächstes? Atomare Endlager im Schul-Heizungskeller? In der Krise wird man doch kreativ sein dürfen. Und Flächen gibt es sicher genug…

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

Kinderpornographie ist Scheisse! Eltern, Onkels, wer auch immer so etwas mit Kindern macht gehört eingesperrt. Wer sich solches Zeug im Internet oder sonstwo besorgt um seine Triebe zu befriedigen benötigt Hilfe. Ich bin in keinster Weise gegen Maßnahmen, die die Verbreitung von Kinderpornographie unterbindet oder Täter und Nutznießer der Justiz zuführt. Aber bitte mit Hirn und Augenmaß.

Frau von der Leyen hat sich, schließlich ist Wahlkampf, dem Thema angenommen. Ein Pfui-Bah Thema, keiner kann wirklich dagegen sein, die Aktion kann nur Punkte beim Stimmvieh bringen. Was machen die anderen Länder dagegen, aha, Stoppseiten im Netz, die den Nutzer darüber aufklären, dass die angewählte Seite Pfui-Bah ist.

Wie macht man das: Unsere Internetprovider stellen Server zu Verfügung, die als Art Telefonbuch dienen. Diese sogenannten DNS-Server der jeweiligen Provider sind standardmäßig auf unseren Rechnern eingestellt. Wenn man jetzt die Seite google.de in der Adressleiste eingibt wird auf dem Server des Providers nachgeschaut, welche Telefonnummer, also welche IP-Adresse, die Seite hat. Die „Telefonnummer“ für google ist 216.239.59.104, und unser Rechner kann somit erfolgreich bei der Suchmaschine anrufen. Der Plan der Bundesregierung ist einfach. Man tauscht die Telefonnummer im Telefonbuch aus. Also statt der Telefonnummer von google einfach die vom Bundesfamilienministerium angeben. Oder aber, wenn jemand auf eine Webseite surfen möchte die für Kinderpornographie bekann ist, auf eine Seite mit einem Stoppschild. Nur blöd, dass es Hunderte von Alternativtelefonbüchern im Internet gibt. Und es ist keine Hexerei, sich ein anderes Telefonbuch einzustellen:

Alternativ-Server findet man im Web. Dauer der ganzen Aktion, ein paar Minuten. Höchstens.

Ich möchte hier niemandem einen Weg aufzeigen, wie man auch in Zukunft an Kinderpornografie kommt. Aber die ganze Thematik, Kindesmißbrauch und -pornographie sind viel zu ernst, als das man sie mit solchem Pfusch bekämpfen oder gar eindämmen könnte (mal abgesehen davon, dass es zu der Geschichte von der angeblichen KiPo-Industrie auch völlig abweichende Meinungen gibt). Das Web heult von Zensur und auch etablierte Medien weisen auf die Gefahren hin, die von den geheimen Sperrlisten ausgehen könnten. Und letztendlich wird das Bundesverfassungsgericht die ganze Sache einstampfen. Genutzt hat es keinem, Ressourcen wurden vergeudet und der Demokratie und dem Politikvertrauen in diesem Lande wurde erneut einen Bärendienst erwiesen. Schönen Dank Frau von der Leyen, gut gemeint und in der Sache richtig, aber in der Umsetzung voll daneben.

PS: Lustig, na eher traurig, finde ich, für wie blöd Frau von der Leyen 80% der Bundesbürger hält. Die anderen 20% sind teils schwer pädokriminell.

Es muss sein: Winnenden-Nachlese

Etwas spät, ich weiß. Das hat mit der vornehmen Zurückhaltung zu tun, die feine Herren machnmal üben und die den Massenmedien in Winnenden mal wieder gefehlt hat.

Also: ich finde es peinlich, mit welcher Berechenbarkeit die immer gleichen Reformen, Forderungen und Bedenken nach der Tragödie vorgebracht wurden. Computerspiele verbieten, Schützenvereine sowieso, Waffenrecht verschärfen, Schulen mit Metalldetektoren ausstatten, Unterstützungsnetzwerke für Schüler bieten. Soso. Als hörten wir das zum ersten Mal. Frustrierend, dass man nach jedem ähnlichen Ereignis auf diese Äußerungen wetten kann. Frustrierend, dass so viele „Experten“ die mediale Aufmerksamkeit solcher Ereignisse nutzen. Frustrierend, wie sich die Medien verhalten und das Leid Anderer ausschlachten, um Quote zu machen. Frustrierend, dass wir schnell zur Tagesordnung übergehen. Und frustrierend, dass sich nichts ändern wird. Bis zum nächsten Amoklauf.

War Winnenden eine Tragödie? Selbstverständlich. Wir sollten trauern, mit dem Leid der Opfer, Helfer, Überlebenden und Angehörigen fühlen und ihnen Respekt erweisen. Wir sollten aus dem Muster des Ereignisses lernen. Aber wir sollten nicht die falschen Schlüsse ziehen. Und wir sollten berechtigte Themen und Forderungen nicht immer an akuten Ereignissen fest machen, sondern „in Friedenszeiten“ und nachhaltig angehen. Das versachlicht die Diskussion und erhöht die Chancen auf Erfolg. Hudelei bringt Flickwerk und lindert kein Leid.

Kann das alles wahr sein? II

„Kann das alles wahr sein?“ habe ich vor anderhalb Monaten gefragt. Aber die Geschichte über die angebliche Phantommörderin von Heilbronn, die der Stern recherchiert hat, bestätigt wieder meine Einschätzung über die deutschen Sicherheitsbehörden und es macht mich glücklich eben diese verlassen zu haben.

Die genetischen Daten der ‚unbekannten weiblichen Person‘, das sogenannte Heilbronner Phantom, waren seit 15 Jahren an mehreren Tatorten in Europa asserviert worden, so auch bei dem Polizistenmord in Heilbronn. Und jetzt stellt sich wohl heraus, dass die DNS einer Mitarbeiterin bei einem Laborbedarfhersteller gehört.

Fehler macht jeder, auch die Polizei, aber die Misstrauenskultur und Selbstüberschätzung des Apperates, wie ich es selbst auch erleben durfte, führt dazu, dass man mit Fehlern nur unzulänglich umgehen kann. Dazu kommt noch die föderale Struktur, jeder kocht sein eigenes Süppchen, alle haben eigene Labore, unterschiedliche Rechtsauffassung usw, usw.

Ein systematisches, bundesweites Fehlermanagement bei der Polizei wäre doch mal ein Anfang. Root-Cause Analyse nennt man sowas neudeutsch. Statt immer mehr Grundrechte einzuschränken und Datenbanken, deren Nutzen fraglich sind, wäre eine nachhaltige Professionalisierung der polizeilichen Arbeit wünschenswert und würde viel mehr bringen. Aber solange es auf jeder Dienststelle noch unten abgebildete mechanische Ausrüstung gibt, und das ist, zumindest in dem Bundesland in welchem ich tätig sein durfte kein Klischee, ist so etwas wie modernes Qualitätsmanagement wahrlich Zukunftsmusik.

keyboard_on_a_typewriter
Quelle: Wikipedia (Arnoldius)

via: law blog


Nachtrag: Der Baden-Württembergische Justizminister hat den Fehler eingestanden. Sein Kollege aus dem Innenresort traut der Sache nocht nicht ganz. Jetzt bin ich gespannt was aus dem Leiter der ‚SoKo Parkplatz‘, Frank Huber, wird. Das Stern-Interview von Dezember 2008 ist mit Blick auf die jetzt gewonnenen Erkenntnisse grandios:

Stern: Was macht Sie optimistisch, dass Sie die UWP finden werden?

Huber: Wir haben eine DNA-Spur und somit eine individuelle Zuordnungsmöglichkeit. Es ist sehr viel Bewegung in dem Fall. Es ist nur eine Frage der Zeit. Die Glücksträhne der Person wird irgendwann einmal vorbei sein, da bin ich mir sicher.Quelle: Stern

Dezember 2008! Laut Aussage des Justizministers wurde die Möglichkeit mit den Wattestäbchen schon seit April 2008 intensiv untersucht. Das passt wieder alles ins Bild.

Übliches Prozedere wäre ihn jetzt in die polizeiliche Aus- und Fortbildung zu stecken. Da kann er am wenigsten falsch machen, so die herrschende Meinung im polizeilichen Alltag. Schließlich ist er unkündbar.

Nachtrag 2: Auch meine ehemalige Interessensvertretung übt sich in klassischer Polizeimanier. Schuld sind immer die anderen. Demonstranten, Links-, Rechtsradikale, Politiker, Eltern, Computerspiele. In diesem Fall eben die Fehler der Hersteller von Laborprodukten, die zu „einem Berg unnützer Arbeit für die ermittelnden Kollegen geführt haben„.

Interview mit Krisenvorsorge

Vor einigen Tagen habe in einem  Beitrag über krisenvorsorge.com berichtet. Der Betreiber der Webseite, Herr Gerhard Spannbauer, hat noch am selben Tag den Eintrag heftig kritisiert. Ich habe ihm per Mail geantwortet und ihn gefragt, ob er nicht ein paar Fragen zu seiner Webseite beantworten möchte. Netterweise hat er eingewilligt. Spannend ist es leider nicht geworden.


FH: Die Banken, Finanz- und Wirtschaftskrise ist in aller Munde, Medien und Politiker beratschlagen die besten Lösungen wie Unternehmen und Arbeitsplätze zu retten sind, sie gehen ein Stück weiter und geben Überlebenstipps. Woher dieser Fatalismus?

GS: Wenn man sich die weltweiten finanziellen Verwerfungen und die schier unendliche Verschuldung in Kombination mit der heutigen just-in-time Logistik anschaut, zwingt sich dies förmlich auf. Wir leben in einer scheinbar sicheren Welt, die aber bei weitem nicht so sicher ist wie sie wirkt. Leider sind wir alle aufgrund der letzten Jahrzehnte sehr verwöhnt und können uns Störungen in unserer „heilen“ Welt kaum vorstellen. Wenn aber die Grundlagen – das Geldsystem – total pervertiert ist, droht großes Unheil. Mittlerweile hört man meine Ansicht auch von anderen fundierten Quellen.

FH: Viele dieser Quellen stammen aus dem Kopp-Verlag, dem „Verlag und Fachbuchversand für Enthüllungsliteratur, Verschwörungen, unterdrückte Informationen und Erfindungen und Geheimgesellschaften“ mit Büchern wie „UFOs – die unerwünschte Wahrheit“ oder „Sehen Tote wirklich ALLES?“. Ein Verlag der, vorsichtig ausgedrückt, nicht den seriösesten Ruf hat. Belügen uns die konventionellen Medien?

GS: Ich sage seit Monaten, wer die Entwicklung und die Krise jetzt nicht erkennt und ernst nimmt, dem kann weder ich noch andere helfen. Ich will keinen überreden oder bekehren, sondern auf eine reale Gefahr hinweisen. Spätesten in drei Monaten werden auch die letzten Zweifler erkennen müssen, wie brisant die Gesamtsituation ist.

FH: Gibt es Erfahrungen die zur Erstellung der Seite führten?

GS: Als ich vor Jahren begann mich mit der aufziehenden Finanzkrise zu beschäftigen, war mir schnell klar, dass wir es diesmal mit etwas größerem zu tun haben und das eine finanzielle Vorsorge alleine nicht reicht. Jeder der sich die Fakten einmal genauer ansieht wird leicht zu ähnlichen Schlüssen kommen.

Möglichweise glauben Sie den Beschwichtigungen und Prognosen der Politiker, aber schauen Sie mal sechs Monate zurück. Damals sagte Herr Steinbrück z. Bsp. „es wäre ein amerikanisches Problem“ und „unsere Banken sind besser aufgestellt“.

FH: In ihrem Beitrag „Die wirklichen Ursachen der Finanzkrise“ schreiben sie

„Eine Clique superreicher Familien (Rockefeller, Rothschild, Morgan und weitere) arbeitet seit Generationen daran, die Welt unter ihre Kontrolle zu bringen und hat dieses Ziel dadurch erreicht, dass es ihr gelang, sich das weltweite Finanzsystem unter den Nagel zu reißen“

Das ist geradezu die klassische New World Order Verschwörungstheorie. Macht man es sich mit solchen Erklärungen nicht zu einfach, ist die Welt nicht vielleicht doch komplexer als solche Theorien glauben machen wollen?

GS: Bereits seit Jahrhunderten spielen mächtige Familien eine nicht unbedeutende Rolle in der Politik und dem Weltgeschehen. Alleine wenn man sich die Eigentümerstruktur der größten privaten Notenbank, der FED, ansieht, zwingt sich dieser Schluss auf.

FH: Zum einen ist das Federal Reserve System keine private Notenbank sondern teilstaatlich, die beteiligten Banken sind verpflichtet am System der FED teilzunehmen. Von daher ist die Eigentümerstruktur vorgegeben. Das die FED an der derzeitigen Krise sicherlich eine nicht unbedeutende Teilschuld hat ist unbestritten und wird direkt mit ihrem ehemaligen Vorsitzenden Alan Greenspan in Zusammenhang gebracht. Die Geschichte von den mächtigen Familien, die im Hintergrund die Fäden spinnen, ist doch schon von den Nationalsozialisten und ihren Protokollen der Weisen von Zion angeführt worden und heute hinreichend widerlegt. Was hätten diese Kreise von einer weltweiten Krise, warum sollten sie sich das weltweite Finanzsystem erst unter den Nagel reißen und dann alles kollabieren lassen?

GS: Die mächtigen Familien kaufen jetzt mit aus dem Nichts geschaffenen Geld Realwerte wie Rohstoffe, Immobilien, Nahrungsressourcen und werden nach dem Zusammenbruch viel reicher und mächtiger sein. Mit dieser macht werden wie – wir es bspw. nach dem inszenierten 11. September oder dem ominösen Kampf gegen Terror gesehen haben – neue Überwachungsgesetze und Drangsalierungen unserer Freiheit erleben.

FH: Sie empfehlen die Schweiz als sicheren Hort für Geld und Gold, namentlich sogar eine Raiffeisenbank im Grenzgebiet. Warum sollte gerade die Schweiz, die wegen ihres großen Finanzsektors heftig durch die Krise getroffen wird, der sicher Hafen sein? Wird nicht, wenn die globale Krise so eintritt wie sie es beschreiben, die ganze Welt in Trümmern liegen?

GS: Ich empfehle die Schweiz für ein privates Schließfach. Die Schweiz liegt räumlich nahe und akzeptiert noch privaten Besitz, was mir in Deutschland und der EU nicht der Fall zu sein scheint. Die Krisenvorsorge sollte meiner Meinung nach auf verschiedenen Beinen stehen und die Schweiz ist ein Teil dieser Strategie. Sollte die Welt tatsächlich völlig in Trümmern liegen, würde dies möglicherweise wenig helfen. Sollte es aber nicht ganz so schlimm kommen, könnte dies ein wichtiger Hort fürs Geld und ganz besonders fürs Gold sein. In Deutschland kann man sich leicht ein Goldverbot wie damals in den USA vorstellen.

FH: Auf ihrer Webseite betreiben sie einen Shop. Hier verkaufen sie auch Goldbarren, bezeichnen sie als „Rettungsboote“ und schreiben von hoher Nachfrage und langer Lieferzeit. Zwar ist der Goldpreis tatsächlich gestiegen, aber von Lieferengpässen ist mir nichts bekannt. Zudem verkaufen sie den 100g Goldbarren mit deutlichem Aufschlag. Laut Sortenkurs vom 25. Februar beträgt ihr Aufschlag über 400 Euro, das sind 15%. Finden sie es nicht ein wenig unmoralisch mit der Panik, die auf ihrer Webseite durchaus geschürt wird, Geld verdienen zu wollen und dann auch noch mit Zuschlägen?

GS: Ich betreibe auf meiner Seite einen Shop, weil mich viele Leser immer wieder fragten, wo sie all die beschriebenen Dinge herbekommen. Gold ist bei uns teurer, weil wir es aus der Schweiz einführen und infolgedessen einen hohen Aufwand mit den Devisenkosten, dem Transport etc. haben. Fakt ist, dass Sie bei vielen Banken und Edelmetallhändlern aufgrund der hohen Nachfrage oft kein Gold sofort mitnehmen können. Wir liefern sofort und unseren Käufern ist dieser Vorteil einiges wert. Jeder kann die die Preise vergleichen und keiner muss bei uns kaufen.

FH: Auch Waffen sind in ihrem Shop käuflich zu erwerben. Deutschland hat ja schon einige Krisen gemeistert, ohne dass es zu blutigen Bürgerkriegen kam. Finden sie es nicht übertrieben die Bürger zur Bewaffnung aufzurufen?

GS: Ich habe mich bei Selbstverteidigungsexperten erkundigt und allein der Glaube, dass man nicht wehrlos da steht ist eine Menge wert. Angesichts der Tatsache, dass wir in einem sehr dicht besiedelten Land leben, vor tiefen strukturellen Einbrüchen stehen und die meisten völlig unvorbereitet getroffen werden, erscheint mir die Wahrscheinlichkeit für Übergriffe als sehr hoch. Ich sitze nicht wehrlos da und lasse mir von einem Rudel Rumtreiber mir meine Vorräte klauen.

FH: Neben einigen klassischen Selbstverteidigungsgerätschaften wie Pfefferspray und Elektroschocker, die sie in ihrem Shop anbieten, ist aber ihr Mittel der Wahl zur Selbstverteidigung die Armbrust. Ich durfte in meinem beruflichen Leben einige Erfahrungen mit Schusswaffen zur Selbstverteidigung und Gefahrenabwehr machen. Armbrüste scheinen mir da eher ungeeignet, zum Zwecke der Selbstverteidigung schon fast gefährlich zu sein. Wieso dieser Hang zur Armbrust?

GS: Ich will mir die Vorgenannten vom Leibe halten und da erscheint die Armbrust als recht praktisch. Vor allem, weil damit gezielte Warnschüsse abgeben kann. Ideal hat man mehr als eine Armbrust, so kann die zweite immer von einem anderen geladen werden.

FH: Ich habe ein wenig den Eindruck, sie bereiten die Folgen der Krise vor, wie andere Leute auf den großen Familienurlaub. Checklisten, Rucksack, Waffen. Man könnte fast denken, sie freuen sich ein bisschen darauf?

GS: Sie können mir glauben, ich würde viel dafür geben, wenn ich wüsste, ich kann friedlich schiedlich weiter leben und müsste mir auch hinsichtlich der Zukunft meiner Kinder keine Sorgen machen. Allerdings zeigen die aktuellen Pleiten und Milliardenlöcher, die umfangreiche Kurzarbeit und die Stellenstreichungen, dass es bergab geht und demnächst noch manch andere Grenze nach unten gerissen wird.

Ich habe eine kleine Immobilien GmbH und sehe dort wie auch bei vielen Partnern, wie das geschäftliche Umfeld sich extrem verschlechtert.

FH: Im Internet, so auch bei den Kommentaren zu ihrem Buch „Wie man sein Einkommen mit weniger Aufwand verdoppelt“ werden sie als Scientologe bezeichnet. Auf dieser Webseite werden sie namentlich genannt und als Teilnehmer an einigen Scientology-Kursen geführt. Sind sie Scientologe? Steckt Philosophie von L. Ron Hubbard hinter krisenvorsorge.com?

GS: Ich war über Jahre bei Scientology und habe dort Kurse und Seminare besucht. Vor Jahren bin ich dort weggegangen, weil ich mit dem aktuellen Vorgehen von Scientology nicht einverstanden bin. Scientology hat mit der Krisenvorsorge nichts zu tun und steckt auch nicht dahinter. Ich bin und war nicht Mitarbeiter bei Scientology und auch niemals, wie manchmal im Netz behauptet wird, ein „hohes Tier“ bei Scientology.

FH: Darf ich fragen, mit welchem konkreten „aktuellen Vorgehen“ von Scientology sie nicht einverstanden waren?

GS: Scientology hat sich von den Lehren Ihres Gründers entfernt und praktiziert nicht das was sie vorgibt.