Du verträgst keine Satire, Deutschland

Forrest Gump Soundtrack, ein Haufen Prominente, „Du bist Deutschland“. Jeder kennt den Clip:

Ein begabter Student hat den Beitrag persifliert und einen hübschen Film, passend zu Zensursulas KiPo Wahlkampfthematik gemacht.

Du bist Terrorist from lexela on Vimeo.

Schöne Sache. Was passiert? Die hinter „Du bist Deutschland“ stehende Werbeagentur ‚KemperTrautmann‘ droht mit Abmahnung, sollten nicht die Bezüge zur eigenen Kampagne entfernt werden. Der Schuß könnte nach Hinten losgehen.

Kein Einzelfall, einige Tage zuvor wurde eine Sperrseitenpersiflage von Pantoffelpunk nach Aufforderung durch das Bundesverwaltungsamt gesperrt. Die Zeit berichtet ausführlich.

Und all das im Umfeld des 60ten Geburtstages unserer Verfassung. Schönes Geschenk. Es ist zum Heulen in diesem Land. Das sind doch immer nur die Spitzen der Eisberge die hier zum Vorschein kommen. Wieviele Dummheiten der Politiker und anderer Institutionen werden einfach hingenommen, gar nicht mehr registriert? Ach Scheiße.

von hier und hier

Nachtrag: Alexander Lehmann, der Kreative hinter dem Terroristen-Spot, schreibt in seinem Blog, er habe sich mit den Verantwortlichen der Werbefirma geeinigt. Es ging den Werbefuzzismenschen nur um die Kinder. Genau.

Kein Wunder vor Mogadischu

Ach, die Achtziger Jahre. Da war ich noch klein und durfte nur ab und an die Nachrichten anschauen. Gefühlt gab es auch damals schon überall Krieg aber zudem alle Nase lang eine Flugzeugentführung.  Die Liste der „notable aircraft hijackings“ aus der englischen Wikipedia bestätigt diese Ansicht. Die 70er, 80er und 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren das goldene Zeitalter für Flugzeugentführung. Dann kamen die Ereignisse des elften September und der Zirkus hatte ein Ende, zumindest fast.  Die Sicherheit auf Flughäfen wurde ins Unerträgliche gesteigert und seitdem ist fliegen noch unbequemer als früher, aber so sicher wie nie.

Anders in der Seefahrt. Das Problem der Piraterie ist so alt wie die Seefahrt an sich. Auf See ist man auf sich alleine gestellt, und anders als im Flugverkehr ist zusteigen während der Reise durchaus möglich. Das machten sich schon 70 Jahre vor Christi Geburt einige maritime Rabauken zu Nutze und störten den Handel der Weltmacht Rom empfindlich. Der Römer von damals hatte einen Rochus auf die Piraten, einen Rechtsstaat aber Eier. Man schaffte die Lex Gabinia, die es Gnaeus Pompeius Magnus ermöglichte mit einer Flotte von 500 Schiffen, 120.000 Infanteristen, 5000 Reitern und einem Budget von 36 Millionen Denaren augestattet, bis zu 50 Meilen tief ins Landesinnere, an allen Küsten des Mittelmeeres zu operieren. Und siehe da, die Getreideschiffe kamen wieder nach Rom.

Das auf die heutige Situation zu projezieren wäre weltfremd. Den Römern war assymetrische Kriegsführung wahrscheinlich ein Fremdwort und dementsprechend wurde durchgegriffen und die Überlebenden zwangsweise umgesiedelt. Vermutlich will derzeit niemand neben Afghanistan und dem Irak einen dritten Kriegsschauplatz in einem muslimischen Land. Die Situation ist trotzdem beschissen. Mindestens 17 gekaperte Handelsschiffe mit etwa 300 Crewmitgliedern liegen vor Somalia vor Anker, die Versicherungsprämien steigen (was letztendlich der Verbraucher zu bezahlen hat). Die Militärpräsenz am Horn von Afrika hat noch nicht wirklich zur Entspannung beigetragen. Der von den deutschen Behörden festgelegte Gefahrenbereich vor Somalia wurde gemeinerweise ohne Absprache durch die Piraten erweitert und ist fast unmöglich durch Marinekräfte vollständig und ökonomisch zu überwachen.

Wer garantiert denn, dass das Beispiel der somalischen Piraten nicht Schule macht. Es ist ja auch zu leicht ein Schiff zu hijacken. Man braucht ein paar günstige Waffen, wie sie in Afrika schon seit Jahrzehnten zum Einsatz kommen, ein seetaugliches Boot, das ein bißchen was über zwanzig Knoten schafft und einen Versorger. Dann sucht man sich ein nicht zu großes, nicht zu schnelles Opfer, ballert ihm eine vor oder in den Bug. Mehr als Feuerwehrschläuche hat die Besatzung nicht um sich zur Wehr zu setzen, schneller geht auch nicht und bevor jemand ins Gras beißt, dreht man bei. Auf bayerisch spricht man von einer gmahten Wiesn. Ein Kapitän fragt auf Fairplay:

„Is it human, civilised, fair or professional
to require mariners to use water hoses to pro-
tect the crew and ships from pirates carrying
guns and other kinds of modern weapons? For
those who treat the mariners like second-class
citizens, yes it is.“

Die Situation im Nachhinein zu entschärfen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, ist gefährlich und teuer. Der Versuch der ehemaligen Helden von Mogadischu, der GSG 9, die Hansa Stavanger gewaltsam zu befreien, wurde von unseren amerikanischen Bündnispartnern als zu risikoreich abgebrochen. Die Kosten der Aktion hat laut Spiegel „die Staatskasse mehr Millionen gekostet als alle Lösegeldzahlungen der vergangenen Jahre zusammen“.

Die Crew der „Maersk Alabama“, dem US-Containerschiff, welche die Piraten selbst vertrieb, werden derzeit in der Schifffahrtszene ein wenig wie Helden gefeiert. Ob ihre Maßnahmen jedoch zum Nachahmen einladen, wage ich zu bezweifeln. Nachdem die Besatzung merkte, dass sie angegriffen werden und dem Entern nichts mehr entgegenzusetzen haben, wurden sämtliche Motoren abgestellt und bis auf vier Leute, darunter der Kapitän, zog sich die Mannschaft in den Rudermaschinenraum zurück. Dieser Raum muss aus Sicherheitsgründen wasserdicht abgeschlossen werden können, weshalb verbarikadieren dort leichter fällt, als in anderen Schiffsräumen. Die Piraten konnten das Schiff also nicht manövrieren. Das Kaperboot war im Zuge des Enterns gekentert und somit war die Situation der Somalis ebenfalls ziemlich bescheiden. Auf einem manövrierunfähigen Schiff waren sie ideales Ziel für einen erfolgsversprechenden Einsatz der vor Ort befindlichen Marinen. Nachdem die Besatzung einen Piraten, der nach der versteckten Crew suchen sollte, verletzten und in ihre Gewahrsam brachten, verloren die drei übrigen Seeräuber die Nerven und zogen mit dem Kapitän in einem Rettungsboot von dannen, wurden gestellt und erschossen. Nach dieser Erfahrung, gibt es jetzt die Idee ‚Panikräume‚ an Bord von Seeschiffen einzurichten, in die sich die Besatzung zurückziehen kann um die Entführung „auszusitzen“. Mir persönlich würde die Idee nicht behagen, in einem verschlossenen Raum auf einem Schiff zu sitzen, ohne zu wissen was die Piraten/Terroristen aushecken. Versenken sie das Schiff, öffnen sie den Raum mit Schweissbrennern, legen sie aus Frust gleich Feuer.

Die Sicherheit im Hinblick auf Piraten und Terroristen soll seit 2002 der ISPS-Code erhöhen, der der Schifffahrt im Nachhall der Anschläge in New York übergestülpt wurde. In Wirklichkeit ist er aber ein extrem weichgespülter internationaler Kompromiss auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Nutzen für die Seeleute vor Ostafrika: Null.

An Bord von Handelsschiffen soll man für jeden denkbaren Notfall gerüstet sein. Seeleute müssen Feuerwehrleute und Mediziner, Anlagen- und Versorgungstechniker, Krantechniker und Betriebswirte, Maler, Schweißer und Zimmerleute sein. Für alles das gibt es Lehrgänge, Ausbildungen, Patente und Nachweise. Zugegebenermaßen können sie das alles nicht perfekt, aber für den normalen Bordbetrieb reicht es meistens. Vielleicht sollte man darüber nachdenken Handelsschiffe mit automatischen Waffen auszurüsten, die einfach und bedarfsgerecht zu montieren und sicher zu verstauen sind und deren Handhabung in einem zweitägigen Lehrgang sicher geschult werden kann.

Maschinengewehr
Martialisch, aber günstig

Dauert bei der Bundeswehr auch nicht viel länger und schließlich wird jetzt auch schon Brandbekämpfung für die Seefahrt in vierzig Stunden gelehrt. Nachdem ich sowohl Bundeswehr als auch die maritime Brandbekämpfung erfahren durfte, muss ich sagen, dass Brandbekämpfung das komplexere Thema ist. Niemand verlangt von Seeleuten infanteristische Glanzparaden, aber einem nähernden Boot zwei, drei Salven vor den Bug zu geben, könnte in den meisten Fällen ausreichen, um einer Kaperung zu entgehen.

Ob die Aufrüstung der Handelsschifffahrt zur gefürchteten Eskalation führt wage ich zu bezweifeln. Kosten und Risiken der Piraten steigen, die Schiffe und ihre Besatzungen wären nicht mehr nur simple Beute auf dem Präsentierteller. Die Möglichkeiten der Piraten zur Aufrüstung sind nur begrenzt. Auf solchen Booten ist schon räumlich und auf Grund mangelnder Stabilität nur wenig zu machen. Größere Boote für die Piraten, die als Plattform für wirkungsvollere  Waffen dienen könnten wachsen, auch in Afrika, nicht auf den Bäumen und sind leichter per Radar auszumachen. Den Rüstungswettlauf können sie also kaum gewinnen. Aber unseren Politikern wird sicher das richtige einfallen und  beim derzeitigen Status quo gibt es zumindest mal eine halbwegs sinnvolle Aufgabe für die Bundesmarine, nachdem man fünfzig Jahre lang sinnfrei das Wasser in Ost- und Nordsee dünn gefahren hat.

In der Krise geht der Trend zum Selbermachen

In Krisen wird gern von den Medien der Trend zum Privaten herbeigeschrieben. „Homing“ oder „Cocooning“ soll das heißen. Soso. Gemeint ist, dass der krisengebeutelte Verbraucher es sich zu Hause gemütlich macht, neue Möbel und einen Fernseher kauft, hochwertige Lebensmittel zubereitet und so an Freizeitangeboten, Gastronomiedienstleistungen und anderen Luxusgütern spart. Cocooning heißt dann wohl auch das Befeuern des Kachelofens und das Anbauen von Salat im eigenen Garten.

Ein schönes Beispiel habe ich kürzlich bei einem Bekannten bewundern dürfen. Er ist recht naturverbunden, sein aktueller Spleen ist die Imkerei. Kein Scherz, mit Haut und Haaren und hoch professionell. Neben Honig und Wachs gehört dazu natürlich auch Met. Selten so gute Honigwaren genossen.

Jedenfalls ist er jetzt einen Schritt weiter gegangen und hat sich eine Destille gekauft, um experimentell Schnaps zu brennen. Und dem ersten Experiment durfte ich beiwohnen. Eine besondere Athmosphäre. Nicht nur, dass die Apparatur wirklich nach do-it-yourself aussieht. Das ganze Ensemble und die kindliche Begeisterung, mit der er drum herumtanzt, beeindrucken mich.

Die Schnapsapparatur des großen Meisters
Die Schnapsapparatur des großen Meisters

In Kürze der Versuchsaufbau: Er hat Kräuter in feinem Kornbrand eingelegt und will daraus nun Hochprozentiges gewinnen. Dazu wird mit einem Brenner die Flüssigkeit erhitzt. Der Alkohol kondensiert im Kühlsystem und wird gesammelt. Das Wasser verdampft.

Die Fingerprobe schmeckt eher nach Medizinbedarf als nach Hochgenuss, aber in diesem Fall ist der Weg das Ziel. Ich habe spontan eine Assoziation zum Physikunterricht vor gefühlten 100 Jahren. Ich bin sicher, mit so einem Lehrer hätte sogar ich Spaß an Naturwissenschaften gehabt!

Bloß kein Eisberg

Das weltbeste Kreuzfahrtschiff, die deutsche, unter Bahamas Flagge fahrende  MS Europa (12 Tage ab 5000€), wurde in Sydney wegen „Operational readiness of lifesaving appliances“ für einen Tag an die Kette gelegt (Nachricht ist leider nur unvollständig, da man Abo braucht, Details zur Hafenstaatskontrolle hier und dann den Dampfer suchen). Schon blöd, wenn man jede Menge Kohle für eine 5 Sterne de Luxe Reise hinlegt und sich noch nicht mal darauf verlassen kann, dass die Rettungsboote zu Wasser gelassen werden können. Auch eine schöne Metapher für unsere derzeitige Finanzkrise.

Lustig in diesem Zusammenhang ist auch, dass die selbe Reederei im Dezember 2008 „äußerste Vorsicht walten ließ“ und medienwirksam 246 Passagiere der MS Columbus vom Jemen nach Dubai ausflog, um sie nicht den Gefahren von Piraterieattacken auszusetzen. Sehr fürsorglich. Über die Merkwürdigkeit im Zusammenhang mit den Rettungsbooten konnte ich hingegen noch nichts in der deutschen Presse lesen.

Interview mit Krisenvorsorge

Vor einigen Tagen habe in einem  Beitrag über krisenvorsorge.com berichtet. Der Betreiber der Webseite, Herr Gerhard Spannbauer, hat noch am selben Tag den Eintrag heftig kritisiert. Ich habe ihm per Mail geantwortet und ihn gefragt, ob er nicht ein paar Fragen zu seiner Webseite beantworten möchte. Netterweise hat er eingewilligt. Spannend ist es leider nicht geworden.


FH: Die Banken, Finanz- und Wirtschaftskrise ist in aller Munde, Medien und Politiker beratschlagen die besten Lösungen wie Unternehmen und Arbeitsplätze zu retten sind, sie gehen ein Stück weiter und geben Überlebenstipps. Woher dieser Fatalismus?

GS: Wenn man sich die weltweiten finanziellen Verwerfungen und die schier unendliche Verschuldung in Kombination mit der heutigen just-in-time Logistik anschaut, zwingt sich dies förmlich auf. Wir leben in einer scheinbar sicheren Welt, die aber bei weitem nicht so sicher ist wie sie wirkt. Leider sind wir alle aufgrund der letzten Jahrzehnte sehr verwöhnt und können uns Störungen in unserer „heilen“ Welt kaum vorstellen. Wenn aber die Grundlagen – das Geldsystem – total pervertiert ist, droht großes Unheil. Mittlerweile hört man meine Ansicht auch von anderen fundierten Quellen.

FH: Viele dieser Quellen stammen aus dem Kopp-Verlag, dem „Verlag und Fachbuchversand für Enthüllungsliteratur, Verschwörungen, unterdrückte Informationen und Erfindungen und Geheimgesellschaften“ mit Büchern wie „UFOs – die unerwünschte Wahrheit“ oder „Sehen Tote wirklich ALLES?“. Ein Verlag der, vorsichtig ausgedrückt, nicht den seriösesten Ruf hat. Belügen uns die konventionellen Medien?

GS: Ich sage seit Monaten, wer die Entwicklung und die Krise jetzt nicht erkennt und ernst nimmt, dem kann weder ich noch andere helfen. Ich will keinen überreden oder bekehren, sondern auf eine reale Gefahr hinweisen. Spätesten in drei Monaten werden auch die letzten Zweifler erkennen müssen, wie brisant die Gesamtsituation ist.

FH: Gibt es Erfahrungen die zur Erstellung der Seite führten?

GS: Als ich vor Jahren begann mich mit der aufziehenden Finanzkrise zu beschäftigen, war mir schnell klar, dass wir es diesmal mit etwas größerem zu tun haben und das eine finanzielle Vorsorge alleine nicht reicht. Jeder der sich die Fakten einmal genauer ansieht wird leicht zu ähnlichen Schlüssen kommen.

Möglichweise glauben Sie den Beschwichtigungen und Prognosen der Politiker, aber schauen Sie mal sechs Monate zurück. Damals sagte Herr Steinbrück z. Bsp. „es wäre ein amerikanisches Problem“ und „unsere Banken sind besser aufgestellt“.

FH: In ihrem Beitrag „Die wirklichen Ursachen der Finanzkrise“ schreiben sie

„Eine Clique superreicher Familien (Rockefeller, Rothschild, Morgan und weitere) arbeitet seit Generationen daran, die Welt unter ihre Kontrolle zu bringen und hat dieses Ziel dadurch erreicht, dass es ihr gelang, sich das weltweite Finanzsystem unter den Nagel zu reißen“

Das ist geradezu die klassische New World Order Verschwörungstheorie. Macht man es sich mit solchen Erklärungen nicht zu einfach, ist die Welt nicht vielleicht doch komplexer als solche Theorien glauben machen wollen?

GS: Bereits seit Jahrhunderten spielen mächtige Familien eine nicht unbedeutende Rolle in der Politik und dem Weltgeschehen. Alleine wenn man sich die Eigentümerstruktur der größten privaten Notenbank, der FED, ansieht, zwingt sich dieser Schluss auf.

FH: Zum einen ist das Federal Reserve System keine private Notenbank sondern teilstaatlich, die beteiligten Banken sind verpflichtet am System der FED teilzunehmen. Von daher ist die Eigentümerstruktur vorgegeben. Das die FED an der derzeitigen Krise sicherlich eine nicht unbedeutende Teilschuld hat ist unbestritten und wird direkt mit ihrem ehemaligen Vorsitzenden Alan Greenspan in Zusammenhang gebracht. Die Geschichte von den mächtigen Familien, die im Hintergrund die Fäden spinnen, ist doch schon von den Nationalsozialisten und ihren Protokollen der Weisen von Zion angeführt worden und heute hinreichend widerlegt. Was hätten diese Kreise von einer weltweiten Krise, warum sollten sie sich das weltweite Finanzsystem erst unter den Nagel reißen und dann alles kollabieren lassen?

GS: Die mächtigen Familien kaufen jetzt mit aus dem Nichts geschaffenen Geld Realwerte wie Rohstoffe, Immobilien, Nahrungsressourcen und werden nach dem Zusammenbruch viel reicher und mächtiger sein. Mit dieser macht werden wie – wir es bspw. nach dem inszenierten 11. September oder dem ominösen Kampf gegen Terror gesehen haben – neue Überwachungsgesetze und Drangsalierungen unserer Freiheit erleben.

FH: Sie empfehlen die Schweiz als sicheren Hort für Geld und Gold, namentlich sogar eine Raiffeisenbank im Grenzgebiet. Warum sollte gerade die Schweiz, die wegen ihres großen Finanzsektors heftig durch die Krise getroffen wird, der sicher Hafen sein? Wird nicht, wenn die globale Krise so eintritt wie sie es beschreiben, die ganze Welt in Trümmern liegen?

GS: Ich empfehle die Schweiz für ein privates Schließfach. Die Schweiz liegt räumlich nahe und akzeptiert noch privaten Besitz, was mir in Deutschland und der EU nicht der Fall zu sein scheint. Die Krisenvorsorge sollte meiner Meinung nach auf verschiedenen Beinen stehen und die Schweiz ist ein Teil dieser Strategie. Sollte die Welt tatsächlich völlig in Trümmern liegen, würde dies möglicherweise wenig helfen. Sollte es aber nicht ganz so schlimm kommen, könnte dies ein wichtiger Hort fürs Geld und ganz besonders fürs Gold sein. In Deutschland kann man sich leicht ein Goldverbot wie damals in den USA vorstellen.

FH: Auf ihrer Webseite betreiben sie einen Shop. Hier verkaufen sie auch Goldbarren, bezeichnen sie als „Rettungsboote“ und schreiben von hoher Nachfrage und langer Lieferzeit. Zwar ist der Goldpreis tatsächlich gestiegen, aber von Lieferengpässen ist mir nichts bekannt. Zudem verkaufen sie den 100g Goldbarren mit deutlichem Aufschlag. Laut Sortenkurs vom 25. Februar beträgt ihr Aufschlag über 400 Euro, das sind 15%. Finden sie es nicht ein wenig unmoralisch mit der Panik, die auf ihrer Webseite durchaus geschürt wird, Geld verdienen zu wollen und dann auch noch mit Zuschlägen?

GS: Ich betreibe auf meiner Seite einen Shop, weil mich viele Leser immer wieder fragten, wo sie all die beschriebenen Dinge herbekommen. Gold ist bei uns teurer, weil wir es aus der Schweiz einführen und infolgedessen einen hohen Aufwand mit den Devisenkosten, dem Transport etc. haben. Fakt ist, dass Sie bei vielen Banken und Edelmetallhändlern aufgrund der hohen Nachfrage oft kein Gold sofort mitnehmen können. Wir liefern sofort und unseren Käufern ist dieser Vorteil einiges wert. Jeder kann die die Preise vergleichen und keiner muss bei uns kaufen.

FH: Auch Waffen sind in ihrem Shop käuflich zu erwerben. Deutschland hat ja schon einige Krisen gemeistert, ohne dass es zu blutigen Bürgerkriegen kam. Finden sie es nicht übertrieben die Bürger zur Bewaffnung aufzurufen?

GS: Ich habe mich bei Selbstverteidigungsexperten erkundigt und allein der Glaube, dass man nicht wehrlos da steht ist eine Menge wert. Angesichts der Tatsache, dass wir in einem sehr dicht besiedelten Land leben, vor tiefen strukturellen Einbrüchen stehen und die meisten völlig unvorbereitet getroffen werden, erscheint mir die Wahrscheinlichkeit für Übergriffe als sehr hoch. Ich sitze nicht wehrlos da und lasse mir von einem Rudel Rumtreiber mir meine Vorräte klauen.

FH: Neben einigen klassischen Selbstverteidigungsgerätschaften wie Pfefferspray und Elektroschocker, die sie in ihrem Shop anbieten, ist aber ihr Mittel der Wahl zur Selbstverteidigung die Armbrust. Ich durfte in meinem beruflichen Leben einige Erfahrungen mit Schusswaffen zur Selbstverteidigung und Gefahrenabwehr machen. Armbrüste scheinen mir da eher ungeeignet, zum Zwecke der Selbstverteidigung schon fast gefährlich zu sein. Wieso dieser Hang zur Armbrust?

GS: Ich will mir die Vorgenannten vom Leibe halten und da erscheint die Armbrust als recht praktisch. Vor allem, weil damit gezielte Warnschüsse abgeben kann. Ideal hat man mehr als eine Armbrust, so kann die zweite immer von einem anderen geladen werden.

FH: Ich habe ein wenig den Eindruck, sie bereiten die Folgen der Krise vor, wie andere Leute auf den großen Familienurlaub. Checklisten, Rucksack, Waffen. Man könnte fast denken, sie freuen sich ein bisschen darauf?

GS: Sie können mir glauben, ich würde viel dafür geben, wenn ich wüsste, ich kann friedlich schiedlich weiter leben und müsste mir auch hinsichtlich der Zukunft meiner Kinder keine Sorgen machen. Allerdings zeigen die aktuellen Pleiten und Milliardenlöcher, die umfangreiche Kurzarbeit und die Stellenstreichungen, dass es bergab geht und demnächst noch manch andere Grenze nach unten gerissen wird.

Ich habe eine kleine Immobilien GmbH und sehe dort wie auch bei vielen Partnern, wie das geschäftliche Umfeld sich extrem verschlechtert.

FH: Im Internet, so auch bei den Kommentaren zu ihrem Buch „Wie man sein Einkommen mit weniger Aufwand verdoppelt“ werden sie als Scientologe bezeichnet. Auf dieser Webseite werden sie namentlich genannt und als Teilnehmer an einigen Scientology-Kursen geführt. Sind sie Scientologe? Steckt Philosophie von L. Ron Hubbard hinter krisenvorsorge.com?

GS: Ich war über Jahre bei Scientology und habe dort Kurse und Seminare besucht. Vor Jahren bin ich dort weggegangen, weil ich mit dem aktuellen Vorgehen von Scientology nicht einverstanden bin. Scientology hat mit der Krisenvorsorge nichts zu tun und steckt auch nicht dahinter. Ich bin und war nicht Mitarbeiter bei Scientology und auch niemals, wie manchmal im Netz behauptet wird, ein „hohes Tier“ bei Scientology.

FH: Darf ich fragen, mit welchem konkreten „aktuellen Vorgehen“ von Scientology sie nicht einverstanden waren?

GS: Scientology hat sich von den Lehren Ihres Gründers entfernt und praktiziert nicht das was sie vorgibt.


Krisengewinn 2.0

Gerhard Spannbauer macht normalerweise in Garagen. Kauf, Verkauf, Bau, etc. Ein anständiges Gewerbe. Und weil das Garagengeschäft scheinbar ein aufwandarmes, aber recht lukratives Geschäft ist, hat er ein Buch geschrieben, „Wie man sein Einkommen mit weniger Aufwand verdoppelt“ und bietet seine Weisheiten auch als Vortrag an. Schön und gut so weit, ein Selfmademan mit einem gewissen Mitteilungsbedürfnis. Nicht weiter schlimm, denkt man sich.

Gestolpert bin ich über den guten Herrn Spannbauer jedoch auf www.krisenvorsorge.com. Einer weiteren Seite aus dem Spannbauer-Imperium. Auf der Startseite wird einem sofort klar gemacht um was es jetzt geht. Endzeit. Armageddon.

Manmussdastäglicheüberlebensichernsonstwirdesnixmitdergarage

Das macht Lust auf mehr.

Herr Spannbauer empfiehlt einen 3 Punkte Plan. Erstens Finanzen sichern. Das geht ganz einfach. Lebensversicherung, Sparbücher und schlechte Mieter kündigen, alles andere verkaufen. Sinn macht nur Bares und Gold, letzteres kann man gleich in seinem Webshop erwerben, er hat die Barren in ausreichender Menge vorrätig. Dafür bezahlt man dann auch gerne 276 Euro Aufschlag, die ganze Lagerhaltung verursacht sicher immense Kosten.

Punkt Zwei: Nahrung. Wenn erstmal die Versorgung durch Aldi zusammengebrochen ist, droht der Hungertod. Deshalb empfiehlt der Rüdiger Nehberg der Garagenindustrie eine ausreichende Vorratshaltung. Am besten Getreide, passende Mühlen und Backautomaten und das Getreide im praktischen 25kg-Gebinde gibt’s ebenfalls im Webshop.

Schließlich seine Tipps für den Bereich persönliche Sicherheit. Armbrüste sind das Mittel der Wahl, weil Schusswaffen dummerweise ja verboten sind. Aber auch sonst gibt es vom Pfefferspray bis zur Steinschleuder alles im Shop. Praktischerweise ist die Einkaufsempfehlung eines „befreundeten Polizisten“ gleich dabei:

ohneausrüstungwirddasmitgaragenerstrechtnix

Obwohl es bei der Abnahmemenge schon Rabatte gibt, kommt man auf über 350 Euro, alleine für das Sicherheitszeug.

Und so geht es über zig Seiten, Checklisten und Krisenblog weiter. Jede Menge „Tipps“, denen man am besten gleich im Shop nachkommt, dazu noch ein paar alternative Ernährungstipps und Bücher über Verschwörungstheorien.

Ob der Umsatz stimmt? In jeder Kriste steckt auch eine Chance. Chapeau, Herr Spannbauer, vielleicht sollte ich mir ihr Buch kaufen.

Nachtrag:

Ich bin scheinbar nicht der erste, der über den Herrn Spannbauer gestolpert ist. Auch der hochverehrte Bayerische Rundfunk hat schonmal über den Mann berichtet. Ab 2:26:

Entgangen ist dem Sprachrohr der Bayerischen Landesregierung, dass der gute Mann, gemäß dieser Webseite, in Verbindung mit Scientology gebracht wird. Was auch wieder gut ins Bild passen würde. Ich sag nur Xenu.